Basel BVB wollen Viren den Garaus machen

Ein aktives Desinfektionssystem testen die Basler Verkehrs-Betriebe in ihren Bussen (Archivfoto). Foto: Die Oberbadische

Basel - Um Fahrgäste vor dem Coronavirus zu schützen, erproben die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) ein aktives Desinfektionssystem. Am Montag wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. In rund zwei Wochen sollen erste Ergebnisse der Probephase vorliegen, das vom Kantonslabor Basel-Stadt wissenschaftlich begleitet wird.

Die BVB sind das erste Unternehmen in der Schweiz, das ein solches System in einem Bus erprobt, wie BVB-Direktor Bruno Stehrenberger gestern vor den Medien erklärte. Installiert wurde es im Fahrzeug mit der Nummer 7026, das gestern seinen Probebetrieb aufnahm. „Unsere Fahrgäste sollen sich sicher in Bus und Tram fühlen“, kommentierte Stehrenberger das Vorhaben. Gleichwohl sei nicht nachgewiesen, dass es insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr zu vermehrten Corona-Infektionen komme.

Installiert wurde das Desinfektionssystem im Deckenbereich des Busses. Es macht sich die desinfizierende Wirkung von Wasserstoffperoxid zunutze, wie Projektleiter Björn Itin darlegte. „Vom Gerät aus gelangt der Wirkstoff in den Klimakanal des Busses, und der gesamte Innenraum des Fahrzeugs wird kontinuierlich desinfiziert.“

Für Mensch und Tier unschädlich

Für Mensch und Tier sei der Wirkstoff in der im Bus vorhandenen Konzentration indes unschädlich, so Itin im Gespräch mit unserer Zeitung. Das System soll gegen Viren (wie beispielsweise das Coronavirus), Bakterien und Pilze wirken und Geruchsbelästigungen vorbeugen und so für ein angenehmeres Raumklima sorgen, wie weiter zu erfahren war.

Die BVB können auf Erfahrungen aus einem Testbetrieb in der französischen Stadt Rouen zurückgreifen, wo das System des Herstellers „Greenreso“ im Trambetrieb ist. „Wir hoffen auf gute Ergebnisse“, zeigte sich Stehrenberger zuversichtlich, dass die Geräte die Erwartungen erfüllen werden.

Der Nachweis ist Aufgabe des Basler Kantonslabors. „Wir überprüfen die keimreduzierende Wirkung des Systems aufgrund von Luft- und Oberflächenwischproben“, erklärte Claudia Bagutti, Leiterin des Biosicherheitslabors. Vorgesehen seien zudem Luftmessungen im Fahrgastraum. Nach Abschluss des Testbetriebs sollen die Daten ausgewertet und mögliche Anpassungen durchgeführt werden.

Damit überhaupt aussagekräftige Daten erhoben werden können, wird das System auf einer stark genutzten Route wie der Linie 36 oder 34 zum Einsatz kommen, so Itin. Durchschnittlich würden sich stets 35 bis 45 Fahrgäste an Bord befinden. Laut BVB soll ein zweiter Test mit einem Flexity-Tram folgen. Erst danach werde entschieden, ob weitere Fahrzeuge mit dem aktiven Desinfektionssystem ausgerüstet werden, sagte der BVB-Direktor.

Die Kosten der Ausstattung eines Busses bezifferte er mit etwa 4500 Franken. Ein Tram schlägt mit 7500 Franken zu Buche, und das bei einer Flotte von 135 Trams und 115 Bussen. An den bisher gegen die Ausbreitung des Corona-Virus getroffenen Maßnahmen halten die BVB fest. So würden die Fahrzeuge weiterhin täglich gereinigt und Haltestangen und Griffe jeden Tag desinfiziert. „Zudem werden an allen Haltestellen alle Türen geöffnet, was einen sehr positiven Einfluss auf die Aerosole hat“, berichtete Stehrenberger.

Das aktive Desinfektionssystem sei eine wichtige Investition: Schließlich könnte sich dieses auch vor dem Hintergrund der jährlichen Influenza positiv auswirken.

Mit der Maßnahme will das Unternehmen das Vertrauen der Bürger in den ÖPNV stärken. Pandemiebedingt bilanzierte das Unternehmen im ersten Lockdown einen Rückgang der Fahrgastzahlen um 85 Prozent; derzeit liege man bei etwa 60 Prozent der Auslastung im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Mit einer merklichen Erholung rechnet der BVB-Chef erst ab dem Jahr 2023.

Die Baselland Transport AG (BLT) ihrerseits setzt im Kampf gegen Corona auf Virenfilter. Bereits wurden die Lüftungsanlagen aller Busse im Rahmen der Frühjahrswartung um hochwirksame Filter ergänzt, deren Wirksamkeit und Effektivität in Labortests belegt ist, wie es in der Mitteilung heißt.

Bis Ende Mai sollen auch die Tango-Trams mit den neuen Hochleistungsfiltern ausgestattet werden. Diese verhindern den Angaben gemäß eine unerwünschte Verteilung der Viren über die Lüftungsanlage der Fahrzeuge. Die jährlichen Mehrkosten durch die zusätzlichen Filter beziffert die BLT auf 25 000 Franken.

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