Basel Der Tod aus vielen Blickwinkeln

Gespannt hörten die Besucher bei der Führung „Madame La Mort im Garten der Ewigkeit“ zu. Einen vielseitigen Einblick in die Geschichte des Friedhofs und des Todes gab der Frauenstadtrundgang Basel. Foto: Rolf Rombach

Auch wenn man es manchmal nicht wahr haben will, der Tod gehört zum Leben dazu wie die Geburt. Diese Rahmenbedingungen vereinen die Menschen, und dass da untereinander kein Unterschied gemacht wird, wurde beim Tag des Friedhofs am Samstag auf dem Friedhof am Hörnli in Riehen immer wieder deutlich.

Von Rolf Rombach

Riehen. Zehn verschiedene Programmpunkte umfasste das Programm, das einerseits die Angst vor dem Thema nehmen sollte und andererseits Anregungen geben wollte, sich mit der eigenen Endlichkeit zu beschäftigen. Wie sehr das auch ein Anliegen der Mitarbeiter sei, beweise die Tatsache, dass alle freiwillig an ihrem freien Tag helfen würden, erläuterte Anja Bandi, Leiterin der Basler Friedhöfe, zu Beginn.

Hauptattraktion war die Führung des Basler Frauenstadtrundgangs, welcher mehr als 70 Zuhörer in den Bann zog mit Erklärungen zu den verschiedenen Grabfeldern, zur Geschichte des Friedhofs und einigen Persönlichkeiten, die dort begraben wurden. Auch erfuhr man, dass im Zweiten Weltkrieg Gemüse auf dem Gottesacker angebaut wurde. Mit szenischen Elementen und Schautafeln erhielten die Gäste einen Einblick.

Ist „Frau Tod“ die Entwicklung der Emanzipation, eine Schuldzuweisung oder eine grammatikalische Frage? Nein, erklärten die beiden Vortragenden: „Das Geschlecht des Todes unterliegt dem kulturellen Wandel. Schon in der antiken Mythologie waren beide Formen etabliert.“

Wie wünscht man sich den Tod? Diese Frage, sollte man meinen, würde immer ähnlich beantwortet.

Vom versöhnlichen Tod

Doch im Rundgang erfuhren die Teilnehmer, wie zum Ende des Mittelalters nur ein versöhnlicher Tod ein gutes Ableben sei. Dabei wichtig: die religiösen Abläufe der damaligen Zeit. „Ist jemand einsam im Schlaf gestorben, konnte es vorkommen, dass keine ordentliche Bestattung erfolgte. Selbstmörder wurden damals in Fässern in den Rhein geworfen“, erfuhren die gespannten Teilnehmer.

Die Hintergründe des Freitods von Clara Immerwahr (1870 bis 1915) und ihre Vita wurden am Fuße ihrer zweiten Begräbnisstätte erläutert. Als erste promovierte Chemikerin Deutschlands, die ihre Forschung am Wohl der Menschheit orientierte, nahm sie sich das Leben, nach dem ihr Ehemann Fritz Haber als „Vater des Gaskriegs“ 1915 ausgezeichnet wurde. Als Gegenstück zu ihr wurde Trudy Gester genannt, welche 1968 als erste Frau in einen Deutschschweizer Rat einzog. Als Märchenkönigin, alleinerziehende Matriarchin und Politikerin, welche sich gegen den Bau eines Kernkraftwerks in Kaiseraugst einsetzte, konnte sie vielfach Akzente setzen.

Blick hinter die Kulissen

Welchen letzten Weg die Verstorbenen hinter den Kulissen beschreiten, zeigten die Führungen durch das im Jahr 2017 gebaute Krematorium. Von der Anlieferung der Verstorbenen, die Kühlräume bis zur Einfahrt in den Verbrennungsofen konnte man Einblick erhalten. „Im Tod sind alle gleich. Daher gibt es bei uns schweizweit einmalig den Basler Staatssarg“, erklärte Dominik Heiber, Betriebsleiter des Friedhofs. Auch die verschiedenen Urnenarten und weiteren Vorgänge erläuterte er den Besuchern aller Altersklassen.

Neu ist seit Kurzem die Möglichkeit, Gräber digital zu finden. Mit einer kleinen Schnitzeljagd konnte man Persönlichkeiten suchen und einen kleinen Preis gewinnen. Ein Platzkonzert brachte den Tango mit seiner „Sehnsucht und Melancholie“ den Zuhörern näher. Einen Blick von oben ermöglichte eine 20 Meter hohe Teleskopbühne, die auf dem Vorplatz am Grenzacher Weg positioniert war.

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