Basel Gesundheit schützen, Kriminalität bekämpfen

sda/wer
Maximal zehn Gramm THC pro Monat darf jeder registrierte Studienteilnehmer in einer von neun teilnehmenden Apotheken im Kanton Basel-Stadt kaufen. Foto: pixabay

Das Basler Pilotprojekt „Weed Care“ zieht eine Zwischenbilanz. Rund die Hälfte der Teilnehmer konsumiert weiterhin illegale Cannabis-Produkte.

Die Apotheken als Abgabestellen sind sehr zufrieden, die Konsumenten wünschen sich aber ein breiteres Produkteangebot. Das geht aus den Zwischenergebnissen des Basler Pilotprojekts „Weed Care“ zur kontrollierten Abgabe von Cannabisprodukten hervor.

378 Personen waren im Januar 2023 in das Pilotprojekt aufgenommen worden, wie das Basler Gesundheitsdepartement am Montag mitteilte. 40 Teilnehmer oder elf Prozent hätten die bis Juli 2025 dauernde Studie aus eigenem Antrieb vorzeitig abgebrochen oder seien wegen nicht ausgefüllter Fragebögen zum Konsumverhalten blockiert worden.

Unter anderem hätten sich Studienteilnehmer unzufrieden mit der Angebotspalette gezeigt, heißt es weiter. Teilweise hätten sie sich stärkere Produkte mit einem THC-Anteil von mehr als 20 Prozent gewünscht. Dies erkläre, warum 49 Prozent der Teilnehmer neben den legal abgegebenen Produkten auch Cannabis aus illegalen Quellen konsumiert hätten. Grundsätzlich war laut Mitteilung die Zufriedenheit mit der Produktepalette mit 57 Prozent Zustimmung und mit der Qualität des Angebots mit 69 Prozent nicht sonderlich hoch. 67 Prozent der Teilnehmer wünschten zusätzlich zu den erhältlichen Blüten- und Haschprodukten weitere Produkte: unter anderem sogenannte Edibles (Gummibärchen, Pralinés etc.), THC-Öl und E-Liquids. Zu 94 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden zeigten sich auf der anderen Seite die Apotheken als Abgabestellen.

Laut Regine Steinauer, Leiterin Abteilung Sucht, lassen die Zwischenergebnisse noch keine abschließenden Erkenntnisse zu, wie sie sich zitieren lässt. Es scheine sich aber zu zeigen, dass sich die Produktepalette mehr an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren müsse, um zukünftig eine Auswirkung auf den Schwarzmarkt zu erreichen.

Weed Care, so hieß es bei der Ankündigung des Pilotprojekts im August 2022, soll die gesundheitlichen Auswirkungen des regulierten Cannabisverkaufs betrachten. Zudem soll sie eine Diskussionsgrundlage für eine künftige verantwortungsvolle Cannabispolitik liefern. Maximal zehn Gramm THC pro Monat darf jeder registrierte Studienteilnehmer in einer von neun teilnehmenden Apotheken im Kanton Basel-Stadt kaufen. „Besser wäre gar kein Cannabiskonsum“, befand damals Lukas Engelberger, Regierungsrat und Vorsteher des Gesundheitsdepartements, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Cannabis sei aber die meist konsumierte illegale Substanz. Die langjährige Verbotspolitik habe zu keiner nachhaltigen Reduzierung des Konsums geführt.

Mit der gemeinsamen Studie des Gesundheitsdepartements, der Universitären Psychiatrischen Kliniken und der Universität Basel wolle man nun das minimal schädliche Regulierungsmodell für den Konsum finden. Und weiter: „Die neue Art der Regulierung hat das Potenzial, die öffentliche Gesundheit besser zu schützen und die Kriminalitätsrate zu senken.“

Anmelden konnten sich Basler ab 18 Jahren, die bereits Drogenhanf konsumieren, erläuterte Marc Walter, Chefarzt Psychiatrie und Projektleiter der Studie. Ausschlusskriterien seien Konzentrationsschwierigkeiten und Schwangerschaft, auch dürfen Menschen in einer stationären psychiatrischen Behandlung und Stillende nicht teilnehmen, erklärte Walter, der auch die Wirkung der Droge und Abhängigkeitserkrankungen beleuchtete.

Wer über einen Monat von zehn Kriterien drei wie Kontrollverlust, Entzugssymptome oder eine Toleranzentwicklung erfülle, sei nach WHO-Kriterien abhängig. „Etwa 13 bis 25 Prozent aller Konsumenten mit schädlichem Gebrauch entwickeln eine Abhängigkeit“, stellte der Mediziner klar. Moderate Cannabiskonsumenten seien derweil psychisch meist unauffällig.

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