Basel Harte Drogen auf dem Vormarsch

Michael Werndorff
Der öffentliche Drogenkonsum beschäftigt die Politik: In Kleinbasel haben Behörden und Sicherheitsdienste im Jahr 2023 bis Anfang Oktober insgesamt 6699 Mal wegen Drogenkonsum im öffentlichen Raum eingreifen müssen. Foto: pixabay

Nach wie vor ist Alkohol das Suchtmittel, welches neben Tabak- und Nikotinprodukten am meisten konsumiert wird. Anders als in den USA ist das gefährliche Fentanyl hierzulande kaum verbreitet. Das könnte sich aber schon bald ändern.

In den USA ist das Schmerzmittel Fentanyl für die meisten Drogentoten verantwortlich, hierzulande scheint die Substanz noch keine große Rolle zu spielen. „Nach wie vor ist Alkohol das Suchtmittel, welches neben Tabak- und Nikotinprodukten am meisten konsumiert wird. Bei den illegalen Substanzen ist Cannabis die verbreitetste Substanz, gefolgt von Kokain“, erklärt Regine Steinauer, Leiterin der Abteilung Sucht im Kanton Basel-Stadt, auf Anfrage unserer Zeitung.

100 Mal stärker als Heroin

Indes: Es besteht die Gefahr, dass Fentanyl auch im Dreiland ankommt, weiß Frank Meißner, Leiter der Drogen- und Jugendberatungsstelle. Heroin werde zunehmend mit Fentanyl versetzt, weil nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan der Opiumanbau reduziert wurde. „Darauf haben sich die Händler eingestellt, die versuchen, Fentanyl auf dem Markt zu etablieren.“ Die Substanz sei leicht und günstig herzustellen und habe deutlich höhere Gewinnspannen, weiß der Experte. Die Substanz wirkt bis 100 Mal stärker als Heroin, schnell komme es daher zu Überdosierungen und gefährlichen Wirkungen. „Wir müssen sehr wachsam sein“, warnt Meißner.

Wegen des Engpasses im Opiumanbau könnten synthetisch hergestellte Opioide in Basel auftauchen. Zudem würden neue psychoaktive Substanzen in Basel und in der ganzen Schweiz seit vielen Jahren hergestellt und konsumiert, macht Steinauer deutlich. Die zur Analyse abgegebenen Substanzen in den Drug-Checkings der Schweiz zeigten aber keine großen Veränderungen.

Aktuelle Zahlen zur Konsumhäufigkeit gebe es in der Schweiz zurzeit kaum. Im mobilen und ambulanten Drug Checking von Basel-Stadt würden häufig Ecstasy-Tabletten oder -Kristalle und auch Amphetamine zur Analyse abgegeben, Ketamin etwas seltener. Synthetische Cannabinoide wurden in den vergangenen Jahren nur noch vereinzelt in den Drug Checking-Angeboten nachgewiesen, synthetische Opioide bisher einmal. „Diese Zahlen lassen allerdings keine allgemeine Aussage zu“, kommentiert Steinauer die Lage. Der Handel und Konsum illegaler Substanzen sei äußerst heterogen und hänge von verschiedensten Faktoren ab. Basel nehme auch keine Sonderrolle beim Konsum und der Verbreitung bestimmter Substanzen ein. „Es gibt kein Muster der Verbreitung in den Schweizer Städten. Die meisten Substanzen werden überall in der Schweiz konsumiert.“

Eindeutige Gründe, weshalb einzelne Substanzen mehr und andere weniger konsumiert werden, gibt es Steinauer zufolge nicht. Was man mit Sicherheit sagen könne, ist, dass die Belastung in der Bevölkerung hoch sei. „Gesundheitliche, soziale oder politische Krisen in Europa beeinflussen die psychische Befindlichkeit und begünstigen den Konsum von Suchtmitteln.“

Hotspot Matthäusquartier

Und die Verfügbarkeit von Substanzen spiele in der Verbreitung einzelner Substanzen ebenfalls eine Rolle. „Je nach Wirkung, Konsumform und Verfügbarkeit der Substanz stellen sich die Probleme unterschiedlich dar und müssen differenziert angegangen werden. Auch hier zeigen sich große Unterschiede je nach Substanz.“ Derweil beschäftigt der öffentliche Drogenkonsum die Basler Politik: In Kleinbasel haben Behörden und Sicherheitsdienste im Jahr 2023 bis Anfang Oktober insgesamt 6699 Mal wegen Drogenkonsum im öffentlichen Raum eingreifen müssen. Dies bedeutet eine deutliche Zunahme, denn Im Jahr 2013 waren es noch 1018 Eingriffe, wie aus einer Antwort der Basler Regierung auf eine Anfrage von Michela Seggiani (SP) hervorgeht. Bereits 2022 gab es insgesamt 6320 Aktionen „wegen Konsumvorfällen“ im öffentlichen Kleinbasler Raum.

Im Jahr 2023 spielten sich 85 Prozent der Interventionen im Umfeld der Kontakt- und Anlaufstelle (K+A) Riehenring ab. Mittlerweile hat sich das Matthäusquartier zu einem Hotspot entwickelt. Die Zahl der Menschen, die im öffentlichen Raum Kokain konsumieren, hat laut Regierung im Sommer 2023 deutlich zugenommen – gerade beim Matthäuskirchplatz.

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