Basel Magie, Kultur und Kunst im Dialog

Basel - Die Basler Museumsnacht hat am Freitag einen Besucherrekord verbucht. Mehr als 114.000 Eintritte zählten die Veranstalter zwischen 18 und 1 Uhr, das sind 14.000 Eintritte mehr als im vergangenen Jahr. Insgesamt zogen rund 33.000 Menschen durch die Ausstellungshäuser.

Der Andrang überrascht nicht: Wenn die Museen zu später Stunde ihre Sammlungen und Schätze präsentieren, moderne Lichttechnik in verwinkeltem altem Gemäuer spielt und eigenwillige Performances und Musikexperimente ansonsten stille Hallen füllen, herrscht eine besondere Atmosphäre in der Stadt. Höchstens noch beim Morgestraich zeigt sich Basel derart geheimnisumwittert. Zwar lassen sich längst nicht alle 36 geöffneten Häuser in acht Stunden besuchen, dafür kann man die Reichhaltigkeit der Basler Museumslandschaft wie im Brennglas sehen.

96 Seiten starkes Programmheft

Viele Besucher hatten sich vorab anhand des 96 Seiten starken Programmhefts eine Tour zusammengestellt. Andere ließen sich planlos von Saurierskeletten zu Böcklin-Gemälden, Tinguely-Skulpturen oder in die Gewölbe des Anatomischen Instituts treiben. Auf Überraschungen stieß man so oder so. Zum Beispiel im Historischen Museum, das zwischen Münsterschatz und Totentanz einen urbanen Club mit Luftballonhimmel, DJ und tanzendem Teufel geschaffen hatte.

Glaubenswelten spielten auch andernorts eine Rolle. Etwa im Museum der Kulturen: Wer unter der unheimlich anmutenden Grenzfigur aus Papua-Neuguinea hindurchging, gehörte – so will es der Ritus – zu den Eingeweihten, und konnte fortan gelassen die musealen Abenteuer auf sich zukommen lassen.

Für Kunstliebhaber ein Muss waren freilich das Kunstmuseum (den 2016 eingeweihten Neubau haben längst noch nicht alle von innen gesehen), die Fondation Beyeler (diesmal ganz im Zeichen von Picasso) und die Kunsthalle, die mit den verrätselten Animationen von Wong Ping zum „Jungle Of Desire“ mutierte.

Auch abseits der Kunst hatte die Museumsnacht viel zu bieten, schließlich gewährt kein anderer Termin so viel Gelegenheit, den mittelalterlichen und mystischen Adern Basels nachzuspüren. So im Pharmaziemuseum, angesiedelt im Haus „Zum Sessel“, in dem vor Zeiten Erasmus und Paracelsus wirkten. Das dortige Alchemielabor ließ die intensive Suche nach dem Stein der Weisen erahnen, zumal unter Einfluss eines Gläschens Theriak, des sagenumwobenen mittelalterlichen Allheilmittels, das im Museum mit einem Schuss Gin serviert wurde.

Wem es hier und da zu eng, zu laut, zu turbulent wurde, der fand unter anderem im Münster kontemplative Minuten. Unter dem Motto „1000 Jahre zu später Stunde“ spielte das Sinfonieorchester bei Kerzenschein.

Mit Schiff und historischer Tram

Gut organisiert war der Verkehrsservice. Per Schiff ließen sich St. Alban-Tal, Schifflände und Museum Tinguely ansteuern. Ebenso waren Fahrten mit den Oldtimer-Trams gefragt. Der Münsterplatz glich einem Busbahnhof. Sieben Linien bedienten enggetaktet die 36 Stationen. Der Service wurde gut genutzt: Fast immer bildeten sich Schlangen an den Haltestellen.

Lange Schlangen waren ohnehin ein Thema. Vor fast jedem Museum sah man – bei ordentlicher Kälte – Scharen von Einlasswilligen. Sicherheitspersonal achtete darauf, dass die Gebäude nicht aus den Nähten platzten: Erst, wenn eine genügend große Zahl an Besuchern aus dem Ausgang raus war, durfte wieder ein Schwung Leute rein.

Ein weiteres Leitmotiv waren die Hüte: Mit den umgekehrten Zylindern, aus denen ein Kaninchen keck herauslugte, landete das Spielzeug-Welten-Museum einen Renner. Überall in der Stadt sichtete man Menschen mit Kaninchenzylinder auf den Köpfen. So viel Zauberei gibt es nur bei der Museumsnacht.

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