Basel Steinkisten geben Rätsel auf

Michael Werndorff
Vorsichtig wird ein rund 1000 Jahre altes Männerskelett ausgegraben. Foto: Adrian Jost, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt

Die Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt hat erneut einen historischen Fund gemacht. Bei Bauarbeiten in der Riehentorstraße wurde das Skelett eines kräftigen Mannes gefunden, welches aus dem frühen Mittelalter stammen soll, wie die Wissenschaftler auf Facebook bekanntgaben.

Von Michael Werndorff

Basel. Der Mann wurde vor rund 1000 Jahren in einer Steinkiste bestattet. Bis zu den Bauarbeiten ruhte das Skelett unberührt im Untergrund.

Der Steinsarg enthielt keine Grabbeigaben. „Steinkistengräber gelten als eine eher jüngere Erscheinung des Frühmittelalters, in welcher Beigaben eher selten waren. Kinder wurden kaum darin bestattet, und die erwachsenen Steinkistenindividuen sind häufig überdurchschnittlich groß“, sagte Kantonsarchäologe Guido Lassau gegenüber der Internetplatform „20 Minuten“.

Laut Lassau ist es schwierig, festzumachen, weshalb Menschen in Steinkisten begraben wurden. Es sei sicherlich mit einem größeren Aufwand verbunden gewesen, und es könne darauf hinweisen, dass eine Bestattung mit einem Sarkophag imitiert wurde, erklärt der Wissenschaftler. Und weiter: „Dadurch könnte ein höherer sozialer Status der verstorbenen Person postuliert werden.“ Wieviel Gräber in dieser Gegend noch vorhanden sind, sei schwierig zu sagen, führte der Experte weiter aus. „Viele wurden auch durch vergangene Bauarbeiten zerstört. Es ist aber davon auszugehen, dass um das Gebiet der Theodorskirche am Wettsteinplatz ein nicht dicht besiedeltes Gräberfeld liegt.“

Häufige Knochenfunde

In der Stadt am Rheinknie kommt es bei Bau- und Straßenarbeiten immer wieder zu Knochenfunden. Eine Sensation war die Freilegung eines etwa zwölfjährigen Mädchens im März. Dieses hatte besondere Grabbeigaben erhalten – darunter eine eiserne Taschenschnalle, ein eiserner Gürtelverschluss mit Goldeinlagen und vor allem zahlreiche Perlen.

Um die Funde ohne Zeitdruck freilegen zu können, wurde damals der ganze Bereich als Block geborgen. So konnten die Objekte unter optimalen Bedingungen mit größter Sorgfalt freigelegt, dokumentiert und anschließend konserviert werden.

Zur großen Überraschung des Ausgrabungsteams kamen dabei mehr als 350 Glas- und Bernsteinperlen zum Vorschein. Außergewöhnlich sei dabei nicht nur die große Anzahl, sondern auch die faszinierende Vielfalt an Typen, Formen und Farben, erklärten die Wissenschaftler damals.

Von besonders hoher Handwerkskunst zeugten unter anderem Segmentperlen mit eingelegter Gold- und Silberfolie. Es sei davon auszugehen, dass die Perlen nicht einzeln ins Grab mitgegeben wurden, sondern möglicherweise zu einem komplexen Perlenkragen gehörten oder einst mehrere Halsketten bildeten.

Im Gebiet des Wettsteinquartiers und der näheren Umgebung gibt es bereits verschiedene Fundstellen aus dem Mittelalter. Auch wurde spätbronzezeitliche Keramik aus der Zeit zwischen 1000 bis 850 vor Christus und Mauerreste einer römischen Festung zur Sicherung der Rheingrenze aus dem vierten Jahrhundert nach Christus und gefunden.

Fundamente entdeckt

Bei den bisherigen Ausgrabungen kamen neben den Grabfunden auch zahlreiche Überreste der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bebauung Kleinbasels zum Vorschein. So konnten die Fundamente des im 13. Jahrhundert als Teil der Stadtbefestigung errichteten Riehentores freigelegt werden. Das Tor und sein Vorwerk hatte man 1864 im Zuge der Stadterweiterung abgerissen.

Daneben konnten verschiedene Überreste der mittelalterlichen Wasserversorgung aufgedeckt werden, unter anderem ein vermutlich hochmittelalterlicher Sodbrunnen und ein Kanal aus dem Spätmittelalter, der die Kleinbasler Bevölkerung mit Wasser versorgte. Das Wasser stammte vom Riehenteich, der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Der Kanal diente in erster Linie dazu, im Kleinbasel angesiedelte Gewerbebetriebe und Mühlen mit Wasser beziehungsweise Wasserkraft zu versorgen.

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