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Basel „Rhyviera-Feeling“ am Rhein

Tonio Paßlick
Das Konzertprogramm soll viele Menschen erreichen. Foto: Tonio Paßlick

Kultur: Basler Konzertreihe „im Fluss“ begeistert mit spannenden Entdeckungen

Noch bis Samstag können bei sommerlichen Abendtemperaturen die Konzerte „im Fluss“ auf dem Kulturfloss besucht werden, die Tino Krattiger als Festival-Chef und Gaetano Florio als Programmchef mit ihrer Floß-Besatzung seit 2000 jeweils im Juli, August oder auch mal im September dank vieler Sponsoren ohne Eintrittspreis anbieten.

Von Tonio Paßlick

Basel. Die schwimmende Bühne ist 15 Meter lang und zehn Meter breit und ist an 16 Abenden der Hotspot für Musikliebhaber und Flaneure in der Nähe der Mittleren Rheinbrücke. „Rhyviera-Feeling“ will Tino Krattiger erzeugen. Als erfahrener Theaterleiter und Architekt sind ungewöhnliche Orte für ihn die bevorzugten Herausforderungen.

Das Programm reicht von Hip-Hop, Rock, Jazz und Blues bis hin zu Comedy und Folk. Die typischen Basler Buvetten und das temporäre Restaurant „Landungsbrücken“ sorgen für die atmosphärische Umrahmung. Bekannte Namen wie Stiller Has, Gardi Hutter, Michael von der Heide, Sina, Tony Scott, Charly Antolini, Patent Ochsner oder Plüsch waren schon hier. Und immer wieder spannende Entdeckungen.

Exzellente Gitarristin

Vanesa Harbek gehörte am Dienstag auch dazu – auch wenn sie kürzlich im Kanderner ChaBah aufgetreten ist. Das immerhin schon 43-jährige Multitalent stammt aus Buenos Aires, singt englisch und spanisch und mischt in der üblichen Programm-Stunde einen Cocktail aus Südstaaten-Blues, Soul, Rhythm & Blues, Swing, Tango, Jazz und vor allem Latin. Die inzwischen in Berlin lebende Sängerin, exzellente Gitarristin und Trompeterin wurde am Dienstag begleitet von ihrem Duo mit Carlos Dalelane am Bass und Aine Fujioka an den Drums.

Immense Entwicklung

Während der Pandemie spielte sie mit „Visiones“ ihr drittes Studioalbum ein. Das in Basel vorgestellte Ergebnis beweist eine immense Entwicklung nach ihrem letzten Album „High Heels Tango“ (2020).

Sie fühlt sich sichtlich und hörbar wohl auf dem Floß, hat auf ihren Kanälen schon Stunden vorher von der Location und Organisation geschwärmt und begeistert auch ihr großes Publkum auf den Kleinbasler Stufen am Rhein und in den fünf Weidlingen vor dem Fluss mit ihrer Melange aus unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen.

Harbek hat deutsche und jugoslawische Großeltern und besuchte eine deutsche Schule in Argentinien. Mit zwölf Jahren hörte sie zum ersten Mal Eric Clapton, danach war ihre musikalische Orientierung klar: Jetzt wollte sie nur noch Blues auf der Gitarre spielen – mit Ausflügen zum Jazz und Tango. Ihre jazzigen Improvisationen auf der Blues Gitarre leben gleichzeitig von den melancholischen Emotionen des Tangos und sind gespickt mit südamerikanischer Poesie.

Dabei beweist sie, dass alte Klassiker durchaus das Zeug haben, in ganz neuen musikalischen Farben gehört zu werden. Ihr Dauerbrenner ist das Schluss-Stück des Abends: „Oye Como Va“ erinnert zunächst an Santana, bevor es in rockigen Patterns aufgelöst wird und in der typischen Cross-Over-Manier zurückfindet in das kollektive Gedächtnis der Zuschauer.

Wo Menschen sind

Sie und die elf vorangegangenen Gruppen des diesjährigen Festivals haben geschafft, was Tino Krattiger schon vor 20 Jahren vorschwebte. Kultur dorthin zu bringen, wo die Menschen sind. Nach langjähriger Erfahrung als Theaterleiter im Kannenfeldpark kannte er den Reiz, aber auch die Probleme der Abgeschiedenheit. Er spürte, dass die Menschen sich im Zentrum der Stadt auf der Straße treffen wollen. „Mediterranisierung“ nannte er die Sehnsucht der Menschen nach Kommunikation, unabhängig von Herkunft und Identität. Und da Wasser alle Menschen magisch anzieht und die Stufen auf der Kleinbasler Seite des Rheins ideale Voraussetzungen boten, war das Konzertprojekt „Im Fluss“ geboren, nachdem es mit Theater- und Charivari-Versuchen in den Neunzigerjahren schon erprobt war.

Heterogenität sei eine wesentliche Voraussetzung, um alle Menschen zu erreichen. So ist auch das Konzertprogramm konzipiert. Nach der Anerkennung durch das Schweizer Bundesgericht nach Anliegerprotesten 2004 wurde das Konzept auch in anderen Schweizer Städten wie Thun übernommen.

 Die restlichen Konzerte: Der Rapper „Stress“ steht am heutigen Freitag, 26. August, ab 20.30 Uhr auf der Bühne und abschließend das Quartett von „77 Bombay Street“ aus Graubünden zehn Jahre nach seinem Debüt am Samstag um 20.30 Uhr.

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