Von Jürgen Scharf

Basel. Tierisch, tierisch, was man da in dem diesjährigen Regionale-Beitrag in der Kunsthalle Basel sieht. Da klettern Menschenaffen herum, schauen einen Katzen an, quaken Frösche, zumindest glaubt man das auf den Bildern zu sehen. Die Kunsthalle wagt ein richtiges Sammelsurium an Arbeiten und gibt die rein menschliche Perspektive auf. Man fühlt sich wie in einem Zoo, aber hinter den Gittern in den Tierkäfigen, nicht davor.

Eigens hat die Kunsthalle dafür große Installationen aufgebaut, Kuben und hölzerne Bauten mit Gitterstäben, hinter denen 150 Bilder hängen und einige Skulpturen von insgesamt 46 Künstlern stehen. Das, was sonst bei Ausstellungen gern zur Seite gelegt wird, Tierbilder, ist hier prominent vertreten.

Das ist „oft ziemlich surreal und auch ein bisschen eskapistisch“, weiß selbst der griechische Gastkurator, Architekt und Künstler Andreas Angelidakis, der sich bei seiner Auswahl von der sogenannten objektorientierten Ontologie leiten ließ. Das meint die Studie der Beziehungen zwischen den Objekten untereinander, die gleichberechtigt sind und eine selbstständige Existenz haben. Nur so kann man diese Ausstellung verstehen, bei der Objekte platziert wurden, die sonst bei zeitgenössischen Schauen selten zu sehen sind. Der Athener Kurator will, dass die Bedeutung zwischen den einzelnen Ausstellungsobjekten zu Tage tritt.

Die Ausstellung „OOO Object Orientied Ontology“ mit ihren teils skurrilen, witzigen und seltsamen Arbeiten funktioniert also nur als Gesamtinstallation. „Plötzlich reagiert das interessante Gemälde Nummer 3 auf die überraschende Skulptur Nummer 14 und beide zusammen scheinen mit der verblüffenden Performance Nummer 1 zu sprechen“, werden die Zusammenhänge erklärt.

Das geht über die menschliche Vorstellungskraft sicher hinaus. Die Räume der Kunsthalle erzählen viele unterschiedliche Geschichten. Schon am Eingang muss man durch ein Gatter, ein Holztor, davor steht eine vogelscheuchenähnliche Skulptur einer Schäferin mit Teppichklopfer und stilisierter Gasmaske, daneben ein Schaf. Bevor man eintritt in diese Kunstmenagerie, kann man noch auf einer Tafel „The Origin of Species“ von Charles Darwin lesen. Vorbei geht es an Katzenporträts: „Felicitas, uns gehört diese Welt“. Irgendwann beginnen tatsächlich die deklarierten Werke eine neue Daseinsform zu entwickeln, sie werden richtig wesenhaft.

Das eine oder andere kommt einem bekannt vor, etwa die sieben Skulpturen von Paul Takács „Mein Kopf“. Der Riehener Kunstpreisträger hat Teile dieser Serie parallel im Kunst Raum Riehen ausgestellt. Oft trifft man hybride Mischwesen zwischen Tier und Mensch an. Man muss schmunzeln über die Auswahl an Werken, wenn man die Badewanne mit Hund von Franziska Wüsten betrachtet oder an dem bis zur Decke ragenden Ofenrohr vorbeikommt.

Sehr eindrücklich sind die sechs großen Affenstudien von Edith Hänggi. Stehen bleibt man sehr gern vor den bunten Hightech-Videos von Katrin Niedermeier („Wonderworld“) mit Ton im Loop. Oder vor der 3D-Virtual-Reality-Videoinstallation mit fliegenden Händen von Michel Winterberg. Futuristisches reiht sich an Fantastisches, an Fotoübermalungen, Papierarbeiten, Spiegelobjekten, sogar altmeisterlich anmutenden Bildern.

Überraschendes ist zu entdecken, etwa Videoarbeiten wie die Installation „Manifest“ von Romain Tièche oder das vibrierende Blech auf einem Tisch, das sich mit Geräusch bemerkbar macht, wenn man sich nähert. Man muss dem Kurator zustimmen, der erklärtermaßen „viele Dossiers faszinierend und sonderbar zugleich“ fand, was ihn unmittelbar angesprochen und zu diesem „Porträt der Region“, wie er es nennt, angeregt hat.

Unterhaltsam sind diese räumliche Inszenierung, die speziell gestaltete Szenografie und das nonkonformistische Ausstellungskonzept allemal. Bei der Museumsnacht kann man alles bis zwei Uhr morgens studieren. Bis 21. Januar