Basel Unehrlich und fern vom Kunden?

Auf die Schippe genommen wurde Bahnchef Rüdiger Grube, weil er 2010 beim „80-Jährigen“ den Autoreisezug noch hoch gepriesen habe. Jetzt lasse er ihn „wie eine heiße Kartoffel“ fallen. Foto: Peter Ade Foto: Die Oberbadische

Von Peter Ade

Kreis Lörrach. Der Fahrgastverband „Pro Schiene Dreiland“ ist sauer, denn die Deutsche Bahn will den Autozugverkehr Hamburg-Hildesheim-Lörrach spätestens Ende 2017 einstellen. Es wäre das Aus für die Verladestation Lörrach, einhergehend mit dem Wegfall von insgesamt rund 70 Arbeitsplätzen.

„Es gibt für Autofahrer keinen entspannteren, ökologischeren, zeitgemäßeren und zukunftsfähigeren Weg zu reisen, als den mit dem Autozug“, argumentiert der Fahrgastverband mit seinem Vorsitzenden Karl Argast. Die Begründung der Bahn, das Autozug-Geschäft sei unrentabel geworden, wertet der Verband als „unehrlich und fern vom Kunden“. An mangelnden Fahrgastzahlen könne es nicht liegen. Schuld seien vielmehr die hohen Trassengebühren und eine auf den geplanten Börsengang ausgerichtete Unternehmenspolitik der Bahn.

Hauptkritik der Eisenbahnfreunde: „Kundenwünsche verhallten meist ungehört, Reparaturen wurden zu lange aufgeschoben und Investitionen ins Wagenmaterial vernachlässigt.“ Viele Wagen seien am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Die DB müsste deshalb Ausgaben in einem Umfang tätigen, den sie nicht schultern wolle. „Mitschuld am Dilemma“ trage die Politik, welche die Bahn gegenüber dem Flug- und Busverkehr steuerlich stark benachteilige und lieber in defizitäre Regionalflughäfen und Tunnelbahnhöfe investiere als in modernes Wagenmaterial und neue Verladeterminals. Hinzu komme, dass die Deutsche Bahn eine eigene Firma für Autotransporte betreibe: „DB Schenker Automotive“ fahre für die nationale Automobilindustrie seit geraumer Zeit Neuwagen durch halb Europa. Dass es hinsichtlich des Autozug-Angebots auch anders gehe, beweise die österreichische Bahn, die ihre Kapazitäten verdoppelt habe. Die tschechische Bahn biete sogar täglich Autozüge ins Ausland an.

Bahnchef Rüdiger Grube wurde bei einer Protestaktion des Fahrgastverbandes und der Initiative „Autoreisezüge haben Zukunft“ am Samstag vor Pfingsten in der Kreisstadt mit einem Sketch auf die Schippe genommen. Hintergrund: Bei dem 2010 gefeierten „80-Jährigen“ des ersten deutschen Autoreisezugs habe Grube die Errungenschaft noch hoch gepriesen. Jetzt lasse er sie fallen „wie eine heiße Kartoffel“, hieß es am Rande der Kundgebung.

„Möglicherweise geht doch noch was“, setzt der aus Hamburg angereiste Joachim Holstein, Betriebsrat DB European Railservice, auf die „Abstimmung mit Füßen“. Aus Holsteins Sicht wäre es ein Unding, wenn die Kreisstadt aus purem Interesse an einer Umwidmung des Bahnareals den Autoreisezug verschmähen würde. „Er ist zusammen mit Ottmar Hitzfeld der weithin beste Werbeträger für Lörrach.“ Laut Argast klebe „Pro Schiene Dreiland“ nicht am Standort Lörrach. „Wir könnten uns eine Verlegung nach Weil am Rhein vorstellen“, zeigte er sich bei der Kundgebung kompromissbereit.

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