Basel Vielfalt schützen und fördern

Michael Werndorff
Die Naturschutzzone am Kleinbasler Rheinufer oberhalb der Wettsteinbrücke weist eine sehr hohe Artenvielfalt auf. Foto: Yvonne Reisner

Basel-Stadt präsentiert seine Strategie zur Stärkung der Biodiversität. Es sind umfangreiche Maßnahmen zum Schutz von Flora und Fauna vorgesehen.

Kein blanker Stein, dafür Mose, Flechten und Gräser – das befestigte Rheinufer am Rheinbad Breite bietet einen wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna, weiß Yvonne Reisner, Leiterin des Fachbereichs „Natur, Landschaft und Bäume“ der Basler Stadtgärtnerei. Und diesen gelte es zu schützen und pflegen, denn: „Gut die Hälfte der Lebensräume und ein Drittel der Arten sind bedroht.“ In der Schweiz bangt man um die Biodiversität, weshalb die Politik schon 2017 mit dem „Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz“ reagiert hat und den Kantonen signalisiert, sie bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen zu unterstützen.

Eigene Strategie

Basel-Stadt hat jetzt eine eigene Biodiversitätsstrategie samt Aktionsplan verabschiedet, die im Rahmen eines Mediengesprächs vorgestellt wurde. Zur Strategie gehören mehrere Handlungsfelder, unter anderem Artenvielfalt, Landschaftsformen und invasive Arten, erklärte Esther Keller, Vorsteherin Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt.

Im Plan von 2017 werde ein zunehmend schneller werdender Schwund an Pflanzen- und Tierarten sowie ein Verarmen der Lebensraumvielfalt in der Schweiz festgestellt. Auch in der Stadt am Rheinknie macht sich der Trend laut Reisner bemerkbar. Daher gelte es gegenzusteuern: „Der kantonale Aktionsplan will schützen, aufwerten, fördern, kontrollieren, aufklären und sensibilisieren“, fasst die Expertin das interdisziplinäre Maßnahmenpaket zusammen. Vor allem in einem städtischen Rahmen sei die Zusammenarbeit verschiedener Akteure ausschlaggebend. „Die Natur macht keinen Halt vor einer Grenze“, verweist sie auf den Austausch mit Weil am Rhein und Lörrach.

Über Grenzen hinweg

Eine große Rolle für die Förderung der Biodiversität spiele nämlich der grenzüberschreitende Biotopverbund. „Damit Arten sich fortpflanzen und überleben, muss ein Austausch unter den einzelnen Biotopen stattfinden. Das sei in einer Stadt allerdings schwierig; umso mehr sei die Zusammenarbeit vieler Akteure und Gemeinden notwendig.

Das zeige sich konkret im Landschaftspark Wiese und am Unterlauf der Wiese selbst, der bereits renaturiert worden ist. Die Revitalisierung des Flusses innerhalb der Langen Erlen ist ein weiterer Schritt, wie Reisner darlegte. Im Rahmen des Projekts „WieseVital“ soll ein vielfältiger Lebensraum entstehen, der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten am und im Wasser ein besseres Zuhause bietet. Bei Wiese und Birs rückten zudem die Wiederansiedlung von Fischpopulationen und die Sicherung von Laichgebieten in den Fokus: Den Rheinanliegerstaaten zufolge sollen bis zum Jahr 2027 alle Kraftwerke unterhalb von Basel fischgängig werden, sodass sich die ersten Lachse in Basler Gewässern fortpflanzen können.

Eine große Herausforderung stellt derweil der Klimawandel dar: Die Temperaturen und die Anzahl der Hitzetage und Tropennächte in Basel haben in den vergangenen 30 Jahren zugenommen. Dies führt auch aufgrund von baulicher Verdichtung und vermehrter Versiegelung zu Wärmeinseln, was wiederum die Einwanderung wärmeliebender Arten begünstigt.

„Diese verdrängen bisher vorkommende Pflanzen und Tiere“, warnt Reisner. Absichtlich oder auch zufällig eingeschleppte Neophyten und Neozoen wie Sommerflieder, Götterbäume oder auch Nutria können sich ihr zufolge ungehemmt verbreiten. Im Rhein sind derweil die Quagga-Muschel und die Schwarzmeergrundel auf dem Vormarsch. Wie Reisner erklärte, sollen neben der Erfassung der Problemflächen invasive Pflanzen und Tiere in Naturschutzgebieten zurückgedrängt werden, um so die Artenvielfalt zu erhalten.

Unterschlupf schaffen

Zurück ans Rheinufer: Während die Naturschutzzone am Kleinbasler Rheinufer oberhalb der Wettsteinbrücke eine sehr hohe Artenvielfalt aufweist, besteht am Oberen Rheinweg Handlungsbedarf. Dort will der Kanton nicht nur das Ufer samt Fundament sanieren, die wichtige Biotopverbundachse, die heute schon als Naturschutzzone definiert ist, soll ihrem Anspruch künftig noch besser gerecht werden.

Für Fische und andere Wasserlebewesen werden neue Möglichkeiten zum Unterschlupf geschaffen. Die Pflasterfugen werden laut Tiefbauamt so ausgebildet, dass sie einen Lebensraum für Pflanzen bieten, die sich auf solche Standorte spezialisiert haben. Gleichzeitig soll das Projekt die Längsvernetzung für Kleintiere entlang des Rheins fördern.

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