Basel Von Neandertalern und Astronauten

Basel - Was für ein launisches Wetter beim zweiten und letzten Cortège der Basler Fasnacht: Gestern Nachmittag mussten die Besucher sich auf ein Wechselbad von strahlendem Sonnenschein bis hin zu Regenschauern gefasst machen.

Cliquen im einheitlichen Häs sind an den „drey scheenschte Dääg“ kein ungewöhnlicher Anblick. Dass viele von ihnen darüber jedoch vorsichtshalber noch einen Regenschutz aus transparentem Plastik tragen, ist allerdings alles andere als gewöhnlich.

So mancher schwingt das Tanzbein

Pünktlich um 13.30 Uhr geht der Umzug los: Cliquen zu Fuß mit ihren Piccoloflöten und Trommeln spielen ihre Märsche, Guggenmusiken bringen noch mehr Instrumente mit und spielen Lieder aus den Charts, aber auch Klassiker wie „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel. Zuschauer wippen im Takt mit, manche von ihnen lassen sich sogar zu einem Tanz hinreißen.

Besonders umjubelt sind die Wagencliquen: Ähnlich wie bei den Laternen am Morgestraich stellen die „Waggis“ mit ihren Wagen Sujets dar. Eine Clique greift das in diesem Jahr augenzwinkernd auf: „Kein Sujet – Kein Ärger“ lautet das Motto.

„Waggis“ werfen Blumen, Orangen und Karotten

Die maskierten Fasnächtler werfen den Zuschauern neben Konfetti in rauen Mengen und Süßem auch Blumen, Orangen, Karotten und allerlei andere Skurrilitäten zu.

Was es damit auf sich hat? „Da fragen Sie die Falsche“, sagt eine junge Baslerin, die einen Zweig mit gelben Blumen gefangen hat. „Aber es gehört einfach zur Basler Fasnacht dazu.“

Die Freundinnen Sandra und Monika, beide 22, können sich auch nicht erklären, weshalb die „Waggis“ ihnen gerade ein Päckchen mit Taschentüchern zugeworfen haben. „Es ist schon ziemlich albern“, findet Monika. „Dementsprechend hat man als Zuschauer viel Spaß.“ Ihre Freundin Sandra fügt hinzu: „Die Basler Fasnacht ist ein Spektakel – wenn man die Gelegenheit hat, sollte man auch dabei sein.“

Hier ein kleines Kuscheltier, da ein Lolli für die Kinder. Im nächsten Moment steckt ein „Waggis“ einem Mann verschwörerisch einen kleinen Schnaps zu: Voller Überraschungen, diese Geschenke für die Zuschauer.

Zum Umzug darf man verkleidet kommen

Während beim Start der Basler Fasnacht, dem Morgestraich, die Regel gilt, bloß nicht im Kostüm zu kommen, dürfen sich zum Cortège nicht nur die Kinder verkleiden. Kleine und große Prinzessinnen, Einhörner, Hippies, Piraten und Hasen sind überall zu sehen.

Die Cliquen lassen sich sowieso nicht zweimal bitten, im Häs zu kommen: Passend zu den jeweiligen Sujets und Cliquenmottos sind in diesem Jahr Astronauten und Neandertaler genauso wie Harlekins und „Alti Dante“ unterwegs. Und so mancher Pirat trägt sogar ein täuschend echt aussehendes Gewehr mit sich herum.

Sonnenschein und Regenschirme

Das Wetter jedoch macht, was es will: Wind und Regen am Messeplatz, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel auf der Mittleren Brücke. Nur, um kurz darauf wieder die Regenschirme aufzuspannen. Doch die Fasnächtler und Zuschauer lassen sich ihre Festtagsstimmung nicht trüben. Immerhin haben einige mit dem Regenschutz vorgesorgt.

Wo Konfetti fliegt, muss auch geputzt werden

Auch nach dem Umzug trägt man viele kleine Souvenirs von der Basler Fasnacht mit nach Hause – doch damit sind nicht die Orangen gemeint: Konfetti in allen Farben versteckt sich in Kapuzen, Haaren und Jackentaschen, und landet unweigerlich auf den Straßen Basels.

Die Stadtreinigung Basel- Stadt hat laut einer Pressemitteilung innerhalb der ersten beiden Fasnachtstage bereits rund 163 Tonnen Abfälle weggeräumt.

Mit Besen, Schaufeln, Wischmaschinen, Kleinlastwagen, Baggern und anderem Equipment werden die Stadtreiniger heute den restlichen Fasnachtsabfall von der Straße fegen.

Mit dem Umzug und dem "Ändstraich", der in den frühen Morgenstunden des Donnerstags stattfand, endeten die „drey scheenschte Dääg“ für dieses Jahr – den Fasnächtlern werden sie lange in Erinnerung bleiben.

FOTOGALERIE Weitere Fotos und ein Video unter www.dieoberbadische.de

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