Basel "Pandemie ökonomisch überwunden"

Obwohl sich das Coronavirus immer wieder aufs Neue verändern wird, glauben Basler Wirtschaftsexperten an einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in der Schweiz. Foto: Die Oberbadische

Basel - Die Corona-Mutationen könnten zwar zu einer vierten oder gar fünften Welle führen. Wirtschaftlich sei die Pandemie aber überwunden, meinen die Ökonomen des Basler Prognoseinstituts BAK Economics.

Sie bestätigten daher gestern ihre BIP-Prognosen für die Schweiz vom Juni, die für das laufende Jahr auf plus 3,9 Prozent und für 2022 auf plus 3,2 Prozent lauten. Bereinigt man die Vorhersagen um Sportveranstaltungen, die aufgrund der Präsenz einiger internationaler Sportverbände in der Schweiz jeweils einen großen Einfluss auf die BIP-Zahlen haben, so wird weiterhin ein Zuwachs von 3,7 Prozent (2021) beziehungsweise von drei Prozent (2022) erwartet.

„Die Pandemie hat nicht zu massiven und dauerhaften Schäden an der Struktur der Weltwirtschaft geführt“, sagte BAK-Chefökonom Martin Eichler an einem Webinar. Und nun sei die Impfkampagne ein eigentlicher „Gamechanger“, welche die Zahl der Krankenhauseinweisungen und die Zahl der Toten relativ gering halten dürfte. „Wir sind daher in der Phase der Überwindung.“

Kurzarbeit hat sich zurückgebildet

Belege für den aktuell guten Zustand der Konjunktur seien hierzulande die Erfolge der Exportwirtschaft, die eben erst Rekordausfuhren vermeldet habe. Ein weiterer Beleg sei der Rückgang der Kurzarbeit, die sich vermutlich aktuell auf 0,5 Prozent der üblichen Beschäftigung zurückgebildet habe, erläutert Alexis Bill-Körber, Leiter Macro Research bei BAK Economics.

Mittelfristig dürfte die positive Entwicklung anhalten, sagen die BAK-Experten. Die aktuellen Aufholeffekte seien wohl mehr als ein Strohfeuer. „Wir werden über die nächsten sechs Quartale solides Wachstum sehen“, berichtet Chefökonom Eisler.

Ein Risiko für die Prognose sei, dass die aktuellen Impfstoffe nicht gegen neue Mutationen wirkten. Eine einzelne Dosis der Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca bietet sehr wahrscheinlich nur begrenzt Schutz vor einer Infektion durch die neue Delta-Variante.

Delta-Variante reduziert Immun-Antwort

So steht in einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie, dass beinahe 80 Prozent der Geimpften nach einer ersten Dosis von Biontech/Pfizer noch eine wahrnehmbare aufhebende Antikörperreaktion gegen den ursprünglichen Virusstamm hatten – bei der Delta-Variante war es hingegen nur etwa ein Drittel.

Weitere Risiken für den Aufschwung in der Schweiz seien laut den Basler Analysten gewisse Überhitzungseffekte, die in eine Stagflation (Stagnation und Inflation) oder sogar in eine neue Finanzkrise münden könnten.

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