Basel Wärmequellen gezielt anzapfen

Michael Werndorff
Die Riehener Geothermieanlage stößt an ihre Grenzen und soll erweitert werden. Foto: Fotos: zVg/IWB

Der Bau einer zweiten Geothermieanlage in Riehen steht seit einigen Jahren im Raum. Nun wird es konkret, wie im Rahmen einer Informationsveranstaltung in Grenzach-Wyhlen deutlich wurde: Im Februar sollen seismische Messungen Auskunft über das Heißwasserpotenzial in rund 1500 Metern Tiefe geben.

Von Michael Werndorff

Basel. Der Wärmeverbund Riehen (WVR) plant eine zweite Geothermieanlage und reagiert mit dem 20 Millionen-Franken-Projekt „geo2riehen“ nicht nur auf das wachsende Bedürfnis der Riehener Bevölkerung nach klimafreundlicher Fernwärme, sondern auch auf die neue Basler Energiestrategie, wie Thomas Schaal, Projektleiter Energieverbünde Industrielle Werke Basel, am Mittwochabend im Haus der Begegnung in Grenzach- Wyhlen erklärte (siehe Lokalteil Grenzach-Wyhlen).

Rückblick: Die bestehende Anlage in Riehen ist seit 1994 im Einsatz und versorgt etwa 9000 Riehener mit umweltfreundlicher Erdwärme – also 42 Prozent der Bevölkerung in der 21 000-Einwohner- Gemeinde. Das geschieht durch das Anzapfen und Fördern natürlicher Heißwasservorkommen in rund 1500 Metern Tiefe. Nach der Wärmeauskopplung wird das Wasser in einem Kreislauf wieder zurückgeführt, wie Schaal erläuterte.

In der Riehener Anlage wird die Energie des Thermalwassers mit zwei Wärmepumpen erhöht und an das Fernwärmenetz übertragen. Im Jahr 2004 wurde die Gemeinde vor den Toren Lörrachs als erste Gemeinde Europas mit dem „European EnergyAward“ in Gold ausgezeichnet.

Thermalwasser anzapfen: Neben dem Thermalwasser sind zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) eine zweite wichtige Wärmequelle. Mit ihren je zwanzig Zylindern gehören sie zu den größten ihrer Art in der Schweiz, ist vom WVR zu erfahren. Die durch den Motorenbetrieb entstehende Abstrahlungs- und Abgaswärme wird ebenfalls abgefangen und ins Wärmeverbundnetz eingeleitet. Mit den BHKW wird gleichzeitig Wärme und Strom produziert. Letzterer wird dabei in das lokale Stromnetz eingespeist. Die Geothermie-Anlage und die BHKW dienen zur Deckung der Grundlast. Die sogenannte Spitzenlast wird dabei im Süden durch Fernwärme abgedeckt, welche die IWB vor allem in der Basler Kehrichtverwertungsanlage erzeugen, und im restlichen Versorgungsgebiet durch Gaskessel-Wärmeerzeugungsanlagen.

Die Anlage liefert eine Leistung von fünf Megawatt, mit „geo2riehen“ erhofft sich Matthias Meier, Geschäftsführer Wärmeverbund Riehen, eine Verdoppelung der Leistung und damit weitere 4000 Einwohner, die mit Erdwärme versorgt werden können. Letztlich sei dies aber abhängig von der Menge des förderbaren Wassers. Ziel ist zudem, mit der zweiten Bohrung die BHKW zu ersetzen.

Das Verfahren: Seit 27 Jahren gibt es im Rahmen der Thermalwassergewinnung keine Probleme, heißt es seitens der Verantwortlichen. Anders als beim eingestellten Basler „Deep Heat Mining Projekt“, das eine Fracking-Technik verfolgte, also Gestein zerklüftet, und im Jahr 2006 ein Beben der Stärke 3 auslöste, sei hier das Risiko deutlich geringer. „Das ist ein ganz anderes Verfahren“, gab Schaal Entwarnung.

Ausbaupläne: Seit dem Jahr 2017 laufen die Überlegungen zur Erweiterung der Geothermie in Riehen, denn die vorhandene Anlage arbeite eigenen Aussagen zufolge am Limit.

Um das mögliche Potenzial der Geothermie abklären zu können, planen WVR und IWB Untersuchungen des Untergrunds unter Riehen, Bettingen, großen Teilen von Basel, den angrenzenden Baselbieter Gemeinden Birsfelden, Münchenstein und Muttenz sowie Teilen der Gemeinde Grenzach-Wyhlen. „Insgesamt umfasst das Untersuchungsgebiet 43 Quadratkilometer und 22 000 Messpunkte“, erklärte Geologe Felix Bussmann von Geotest.

Blick in die Tiefe: Während der rund dreiwöchigen Untersuchung werden Schallwellen in den Untergrund geleitet. Dazu werden ab Anfang Februar vier Messfahrzeuge zirkulieren, die alle 20 Meter stehenbleiben und leichte Vibrationen auslösen. Bodenschichten reflektieren die Wellen, die dann kleine Messgeräte an ausgewählten Stellen im Untersuchungsgebiet erreichen.

Mit der sogenannten Reflexionsseismik wird ein dreidimensionales Bild des Untergrunds erstellt, verglich der Experte die Technik mit einem Ultraschall in der Medizin. Vorgesehen sind die Messungen vom 3. bis 19. Februar. Was folgt, ist die Auswertung der gesammelten Daten, die etwa ein Jahr dauern soll. Dann kann vielleicht ein Bohrort auf Schweizer Seite lokalisiert werden. Denn letztlich sei der Prozess offen. Ob eine Stelle, mehrere oder keine Stellen gefunden werden, weiß niemand.

Gezieltes Bohren: Eine zentrale Rolle spielt dabei der Grabenbruch –­ eine mindestens 20 Kilometer tiefe Einsenkung der Erdkruste in der Rheinebene. Alte Lava-Ablagerungen an den Grabenrändern und gelegentliche leichte Erdbeben zeugen von der immer noch vorhandenen tektonischen Aktivität der Region.

„Wir wollen gezielt die Risskante anbohren, denn dort befindet sich das lockere Gestein, in dem Wasser fließen kann“, verdeutlicht Schaal. Dass man heutzutage problemlos auch in S-Kurven punktgenau bohren könne, ergänzte Bussmann. Die Technik sei mittlerweile ausgereift.

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