Binzen Kästner präsentiert sich heiter und hintergründig

Gudrun Gehr
Literatur und Klassik gab es in Binzen.Foto: Gudrun Gehr Foto:  

Der neue Literarische Abend in Binzen war so gut besucht, dass nachgestuhlt werden musste.

Rund 80 Personen erschienen zu den Lesungen des beliebten „Literarischen Quartetts“ mit Gilbert Rottmann, Sandra Trefzer, Ina Koska und Klaus Koska. Im Mittelpunkt standen dieses Mal Gedichte, Kurzgeschichten und Romanauszüge des Schriftstellers Erich Kästner (1899 bis 1974), oft mit einer beeindruckenden politischen Aktualität.

Die Vorträge erwiesen sich als heiter, oft auch hintergründig und nachdenklich machend. Der Start erfolgte über das erste Kapitel des Buches „Der Zauberlehrling“. Erich Kästners erstaunlichstes Buch enthält zwei Briefe über Menschen, die sich im Leben plötzlich selbst über den Weg laufen.

Teilweise verlas das Quartett die Geschichten und Gedichte mit verteilten Rollen. Im Rezitat von Sandra Trefzer „Ich bin die Zeit“ geht es um die Zeit in personifizierter Form. Es handelt sich um eine Gesellschaftskritik, die sprachlich versteckt und aufgedeckt wird. Klaus Koska zitierte aus Kästners Buch: „Der Handstand auf der Loreley“, wo ein Turner hoch über dem Rhein einen Handstand vollführt, abstürzt und sich das Genick bricht. Das augenzwinkernde Resumee des Vortragenden: „Man stirbt nicht mehr beim Schiffen, bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt“.

Weiter ging es im tiefsinnigen Vortrag von Sandra Trefzer zur „Niederen Mathematik“: „Mir sagte ein Kenner menschlicher Fehler: Das eine ist ein Zähler, das andere ein Nenner – das ganze ist ein Bruch“. Ganz aktuell erscheint das Anti-Kriegs-Gedicht „Die Phantasie von übermorgen“, mit der ersten Strophe: „Und als der nächste Krieg begann, da sagten die Frauen: Nein! und schlossen Bruder, Sohn und Mann fest in der Wohnung ein“. Nach der Pause unterhielten die Vortragenden mit einem witzigen, dennoch ernsthaften Romanauszug „Die Konferenz der Tiere“, das von Vertretern aller Tierarten der Erde berichtet. Diese berufen aufgrund des politischen Scheiterns der Menschen selbst eine internationale Konferenz ein, um den Weltfrieden zu erreichen.

Die beiden Pianistinnen Deug-Yun Kim und Andrea Keck begleiteten brillant vierhändig auf dem Flügel, darunter mit Werken von Claude Debussy und Camille Saint-Saens. Ein Satz aus dem „Karneval der Tiere“ von Saint-Saens umspielte das Gedicht von Erich Kästner. Das Solo von Deug-Yun Kims von Claude Debussy aus seinem Werk „Golliwog’s Cakewalk“ begeisterte die Gäste. Klassik vom Feinsten präsentierte Kim aus Georges Bizets Werk „Jeux d’enfants“ als Beispiel die Darstellung eines schaukelnden Kindes.

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