Von Jutta Schütz

Diesmal hatte über französische Lokalzeitungen eine große Gruppe aus dem Elsass vom Tag des Geotops gehört und stattete dem steinzeitlichen Jaspis-Bergwerk in Kleinkems einen Besuch ab. Rund 50 Erwachsene und zehn Kinder aus Frankreich und der näheren und weiteren Umgebung wollten sich über die Zeit um 4500 vor Christus informieren, aus der viele Funde im Bergwerk stammen.

Kleinkems. Dass es am Sonntag ab und zu regnete, machte gestandenen Hobbyarchäologen gar nichts aus – die meisten Besucher hatten sich für einen Ausflug ins Bergwerk entsprechend ausgerüstet und reihten sich geduldig in die Warteschlange ein. Denn mehr als zehn Personen gleichzeitig passen nicht auf die kleine Plattform vor dem ehemaligen Bergwerksgelände, auf die man nur durch die tatkräftige Unterstützung einer Gruppe der Bergwacht Istein gelangte, die von Andreas Scherer geleitet wurde. Auf der Plattform angekommen, erfuhren die Besucher Wissenswertes von Joachim Gröbke, zweiter Vorsitzender des Förderkreises Museum Alte Schule.

Der Archäologe Robert Lais aus Freiburg war 1939 bei Gleisbauarbeiten der erste, der eine Höhle entdeckte und Funde machte, die auf das in Europa einzigartige steinzeitliche Bergwerk hinwiesen. Die Felsen oberhalb des Rheins sind zerklüftet und der Witterung ausgesetzt der Malmkalk zerfällt leicht. Genau diesen Faktor machten sich die steinzeitlichen Menschen zu Nutze, sie lasen Jaspisknollen auf, lösten sie durch Feuer oder schlugen sie aus dem Fels. Verwendung fand das harte Gestein vor allem für die Werkzeug- oder Pfeilspitzenherstellung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es dann die Professorin Elisabeth Schmid für die Universitäten Freiburg und Basel, die wissenschaftliche Grabungen durchführte und die diese Grabungsergebnisse auswertete. Finanziell unterstützt wurde sie dabei vom Bergbaumuseum in Bochum, wo auch Ausgrabungsmaterial ausgestellt ist.

Danach wurde es ruhig um das Jaspisbergwerk – bis 2003 und 2004 eine Forschungsgrabung durch Professor Frank Siegmund von der Universität Basel und Grabungsleiter Felix Engel stattfand. Michael Kaiser, ebenfalls von der Universität Basel, fand dann 2008 Reste steinzeitlicher Hämmer.

Regelrecht „angefixt“ durch das, was sie gerade gehört hatten, machten sich beim Geotop-Tag Kinder und Erwachsene am Rande des ehemaligen Bergwerksgeländes auf die Suche und wurden fündig: Stolz wurden bei Museumsleiterin Maren Siegmann Jaspisstücke und Jaspisknollen präsentiert.

Siegmann hatte einen Infotisch aufgebaut. Nebenbei konnte man lernen, wie man mit Jaspis Feuer schlägt und wie man in der Steinzeit mit einer Wurfverlängerung Speere enorm weit schleudern konnte. Insbesondere die Kinder hatten die Wurftechnik schnell verinnerlicht und eröffneten den „Wettbewerb“ im Steinbruchgelände. Der Rekord bei dieser alten Schleudertechnik steht übrigens bei fast unglaublichen 180,90 Meter.

„Der Tod beim Jagen kam leise, denn ein Speer verursacht im Gegenzug zu einer sirrenden Sehne beim Bogenschießen kein Geräusch“, gab Siegmann weiter. Die Museumsleiterin hielt zudem viele Folien bereit, anhand derer sie die Verwendung des Markgräfler Jaspis als Schmuckstein für Möbel, Vasen und andere Gefäße sowie für Halsschmuck erklärte.

Der Jaspis aus der Region war gesuchte Handels- und Schmuggelware. Bei der Verwendung taten sich vor allem im 18. Jahrhundert Edelsteinschleifereien im deutschen Südwesten, in Prag und Florenz hervor. „Alte fürstliche Möbelstücke mit eingearbeitetem, geschliffenem Jaspis, vor allem die aus florentinischen Werkstätten, sind Millionen Wert, den Markgräfler Jaspis erkennt man dabei an seinen leuchtenden Farben“, sagte Siegmann.