Efringen-Kirchen Erbittertes Gefecht in den Lüften

Es ist ein heftiger Kampf, der am 17. Oktober 1944 im Luftraum über Huttingen und Mappach tobte. Insgesamt fünf junge Piloten finden den Tod. Claude Fröhle aus Istein hat die dramtischen Ereignisse aufgearbeitet und präsentiert seine Ergebnisse im Rahmen einer Sonderausstellung im Efringen-Kirchener Rathaus.

Von Ingmar Lorenz

Efringen-Kirchen. Am Morgen des 17. Oktober 1944 steigen mehrere deutsche Piloten in ihre Messerschmitts BF-109. Sie haben den Auftrag, im Oberelsass feindliche Jagdbomber zu bekämpfen. Zugleich heben vom Flugplatz Doole amerikanische Piloten in ihren P-47 Thunderbolts ab. Sie sollen eine Einsenbahnbrücke nördlich von Selestat bombardieren. Tiefhängende Wolken machen den Angriff aber unmöglich. Als die Wolkendecke später aufreißt, bombardiert das amerikanische Geschwader stattdessen Bahngleise nördlich von Basel. Als die Thunderbolts wieder aufsteigen, prallen sie in der Nähe von Bartenheim auf die deutschen Messerschmitts. Die deutschen Piloten fliegen in größerer Höhe und die Amerikaner erkennen nicht sofort, dass es sich um Messerschmitts handelt.

Der Angriff

Erst als sich diese direkt über ihnen befinden, erkennt Captain Doorly, der das amerikanische Geschwader anführt, dass es sich um über 20 Maschinen mit schwarzen Kreuzen – also um Flugzeuge der Luftwaffe – handelt. Im gleichen Moment stürzen die Messerschmitts zum Angriff herab. Um in dem Gewirr von 27 Jagdflugzeugen nicht die eigenen Maschinen zu treffen, lösen sich die Gegner in mehreren Gruppen aus dem Pulk heraus. Mehrere Gruppen steuern Richtung Hüningen und Saint-Louis, eine aber auch in Richtung Kandern.

Das Gefecht

Obwohl die deutschen Piloten zahlenmäßig überlegen sind, können sie gegen die Amerikaner wenig ausrichten. Denn in der Endphase des Kriegs wurden die deutschen Flugzeugführer nur noch kurz ausgebildet, während ihnen erfahrene Kampfpiloten mit überlegenem Material entgegenstanden.

Vier Messerschmitts werden im Verlauf des Luftgefechts abgeschossen. Das amerikanische Geschwader verliert eine Maschine. Zwei der deutschen Piloten, Herbert Koch und Helmut Hadde, werden über Efringen-Kirchen abgeschossen – Hadde in der Nähe von Mappach und Koch bei einem „Wald bei Wintersweiler“, wie es in der Verlustmeldung heißt. Fröhle hat rekonstruiert, dass es sich dabei allerdings um ein Waldstück bei Huttingen handelt.

Hadde wird wohl beim Aufschlag seiner Maschine getötet. Koch hingegen versucht sich aus seiner von Dooley getroffenen Messerschmitt noch zu retten. Er steigt aus, aber sein Fallschirm öffnet sich nicht vollständig. Er wird später tot in einem Stacheldrahtverhau an der heutigen B 3 geborgen.

Die Toten

Ähnlich ergeht es dem amerikanischen Piloten George Springer, der bei dem Luftgefecht den Tod findet. Auch er versucht, aus seiner getroffenen Maschine zu entkommen. Allerdings ist seine Flughöhe zu niedrig, als dass sich der Fallschirm noch vollständig entfalten kann. Beim Teich von Village-Neuf stürzt Springer auf einem Feld, auf dem eine Gruppe deutscher Soldaten gerade eine Kampfübung abhält, zu Tode.

Sein Gegner während des Luftgefechts hat mehr Glück. Zwar ist auch die Maschine des deutschen Soldaten beschädigt, allerdings gelingt ihm der Absprung mit dem Fallschirm.

Er erweist dem toten Gegner auf dem Feld eine letzte Ehrenbezeugung und untersucht die Reste der amerikanischen Maschine. Um wen es sich bei dem deutschen Piloten handelt, bleibt unbekannt.

Die Reaktionen

Noch am gleichen Tag wird Springer auf dem Friedhof von Village-Neuf beigesetzt. Einheimische legen abends auf seinem Grab wiederholt Blumen nieder.

Die Absturzstelle bei Huttingen wird derweil bereits unmittelbar nach dem Absturz von der Wehrmacht abgesperrt. Die bereits herbeigeeilte Dorfjugend muss die gesammelten Überreste wieder abgeben, und das Flugzeugwrack wird kurz darauf geborgen.

Herbert Koch und Helmut Hadde werden vier Tage später in einem gemeinsamen Grab auf dem Egringer Friedhof beigesetzt. Koch wurde später auf den Soldatenfriedhof Kehl umgebettet, von Hadde verliert sich die Spur.

Die Auswirkungen

Die Auswirkungen des Luftgefechts ziehen sich indes bis in die Gegenwart. Denn der Absturzort bei Huttingen liegt im künftigen Abbaubereich des Kalkwerks. Der Betreiber Lhoist hat deshalb eine Untersuchung nach Resten der Bordmunition in Auftrag gegeben. Insgesamt fanden sich im Boden noch rund 250 Kilogramm an Wrackstücken, unter anderem auch Reste der Cockpitinstrumente.

Weitere Informationen: Die Ausstellung von Claude Fröhle über die Luftkämpfe bei Huttingen und Mappach ist ab dem 17. Oktober im Rathaus Efringen-Kirchen zu den normalen Öffnungszeiten zu sehen. Die Ausstellung dauert bis zum 29. November.

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