Efringen-Kirchen Jazz-Duo begeistert in Kleinkems

Dorothee Philipp
Eingespieltes Duo mit großem Potenzial: Jörgen Welander (l.) und Peter Kleindienst Foto: Dorothee Philipp

Peter Kleindienst und Jörgen Welander im Dialog mit Gitarre und Bass

Ja, das passt an einem sonnigen Frühlingsnachmittag: Luftiger, inspirierender Jazz mit einer Gitarre und einem Acoustic Bass; das Publikum war zahlreich in der Kulturscheune im Eselgrien eingetroffen, um das Duo Peter Kleindienst und Jörgen Welander zu hören.

Es hat was, wenn die Musiker eines Ensembles die Möglichkeit haben, jederzeit zusammen zu spielen, wenn die Ideen da sind. Die beiden profitieren von der Nähe ihrer Wohnorte Müllheim und Auggen, das zeigt sich zum einen in der mühelosen, präzisen Koordination und in der Tatsache, dass kein Notenblatt zwischen ihnen und dem Publikum steht. Auch wenn Jazz dem Charakter nach eher etwas Improvisiertes ist, benutzen doch viele Ensembles zumindest eine Art papierene Gedächtnisstütze.

Eigene Handschrift

Das Programm der beiden zeigte eine anregende Mischung aus Eigenkompositionen und Standards, die das Duo in der ihm eigenen Handschrift arrangiert hat, wie Strayhorn-Ellingtons „Take the A Train“ oder „Good bye Pork Pie Hat“ von Charles Mingus. Brasilianisches Feuer flammte auf im Eingangsstück „Curumin“, das César Camargo Mariano den musikalischen Wunderkindern Brasiliens gewidmet hat. In den filigranen Dialogen zeigte sich die Meisterschaft der beiden Musiker: Welanders Bass schlüpfte immer wieder in die Rolle einer Gitarre, um die virtuosen Impulse von Gitarrist Kleindienst aufzunehmen und fortzuspinnen. Wenn er zu seinem Zweitinstrument ohne Bünde griff, verblüffte sein Spiel mit weichen Vibrati und vokal anmutenden Glissandi, die an das Spiel einer Posaune erinnerten. Ein afrikanisches Traditional aus Mali inspirierte die beiden zu einem Klanggemälde mit großem Tonumfang, in dem sich die imposante Weite afrikanischer Landschaften zu entfalten schien.

Vielfältige Einflüsse

In „Bossa Nr.6“, erstmals vor Publikum aufgeführt, gönnte sich Kleindienst als Komponist ein meisterliches Gitarren-Solo, das Welander mit seinem Bass dann ebenso virtuosaufgriff. Mit „Eisglitzern“ präsentierten die beiden ein weiteres Stück von Peter Kleindienst. Eine feine Komposition mit prägnantem Bass-Ostinato, in dem obertonreiche Flageoletts die Sprödigkeit von glitzernden Eiszapfen malten. „Ein bisschen zusammengeklaut und dann auch wieder nicht“, umschrieb Kleindienst schelmisch seinen „Blues in F Popular“, in dem der Bass unbeirrt seine großen Linien zieht, über denen sich die Gitarre ausleben darf. Eine Überraschung hatten die beiden am Ende auf Lager, als sie mit „Cat Plays the Drums“, ebenfalls aus der Feder Kleindiensts, ihre Instrumente in Handpans verwandelten und mit flinken Fingern ein abenteuerliches, mitreißendes Percussion-Duo entfesselten. Man hatte den Eindruck, dass das noch junge Duo sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft hat und in Zukunft weiter mit innovativen Ideen begeistern wird. Mit der Zugabe „In a Sentimental Mood“, schmeichelten die beiden dann noch einmal ausführlich der gelassenen, heiteren Grundstimmung des Nachmittags.

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