Efringen-Kirchen - Kammermusik, bei der das Fagott eine tragende Rolle spielt, ist im Konzertleben hierzulande eine seltene Ausnahme. Umso erfreulicher deshalb das Gastspiel des ausgezeichnet musizierenden Trios Judith Stapf (Violine), Hannah Heim (Fagott) und Saeko Kitagawa (Klavier) am Sonntag innerhalb der Reihe „Podium junger Künstler“ im Museum „Alte Schule“ in Efringen-Kirchen.

Für Eckhard Lenzing als maßgeblichem Mitorganisator dieser Kammerkonzerte war der Auftritt der jetzt in Maastricht studierenden Jungvirtuosin am solistisch eher benachteiligten Blasinstrument eine besondere Freude, gehörte sie vor Jahren doch zu seinen hochbegabten Nachwuchstalenten an der Weiler Jugendmusikschule. Und mit ihrem jetzigen Auftritt räumte die inzwischen gereifte Musikerin auch sogleich mit jenem Vorurteil auf, dass dem Fagott gemeinhin eine eher spröde Intonationsqualität unterstellt.

Schon in der einleitenden Sonate F-Dur für Violine, Fagott und Basso continuo von Georg Philipp Telemann präsentierte sie die permanenten Staccato-Ketten gestochen scharf wie Perlen an der Schnur und die melodisch-lyrischen Passagen mit berückend warmer Intonation.

Nicht minder imponierend profilierten sich ihre Partnerinnen. Judith Stapf unterlegte ihr klangsinnliches Geigenspiel mit emphatischem Ausdrucksgehalt und Saeko Kitagawa am etwas dumpf klingenden Konzertflügel ließ mit ihrer stupenden, gelegentlich eine Spur zu lauten Tastenkunst keine Zweifel an ihrem gleichberechtigten und – wo angebracht – auch dominierenden Anteil am musikalischen Geschehen.

Das wurde dann auch höchst virtuos fortgesetzt mit Franz Schuberts herrlichem, mit den sprichwörtlich „himmlischen Längen“ angereichertem „Rondeau brillante“ h-Moll für Geige und Klavier, das die beiden Interpretinnen mit spielerisch-lebhafter Brillanz zelebrierten. Und in gleicher Vortragsqualität geriet auch das für Fagott und Klavier eingerichtete Andante und Rondo Ungarese c-Moll von Carl Maria von Weber, in dem das konzertierende Duo mit kultivierter agogischer Prägnanz und untrüglichem Spürsinn für kantablen Romantik-Sound begeisterte.

Atemberaubende Virtuosität entfalteten Judith Stapf und Saeko Kitagawa nach der Pause mit Eugène-Auguste Ysaÿes emotionsgeladenem „Poeme élégigiaque“ d-Moll, das der im gegenwärtigen Konzertleben unverdientermaßen vernachlässigte „belgische Paganini“ auf den Tod seines Komponisten-Kollegen Gabriel Fauré schuf. Besondere Klangwirkungen von fahler Melancholie in dieser an dramatischen Stauungen und Entladungen reichen Musik erzielte die Geigerin noch durch die um einen Ton auf F heruntergestimmte G-Saite.

Den entzückenden Abschluss des famosen Konzerts bildete Michail Glinkas apartes, streckenweise von sanfter Schwermut durchwirktes Trio Pathetique d-Moll, das der „Vater der russischen Musik“ während seines Italienaufenthalts (1830) komponierte. Die mustergültige Deutung des mit erfrischendem Brio dargebotenen kammermusikalischen Kleinods belohnte die dicht gedrängt sitzende Hörerschaft mit begeistertem Applaus.