Efringen-Kirchen Seit 1865 gibt es die Feuerwehr Kirchen

Jutta Schütz
Die Feuerwehr in Aktion Foto: zVg/Freiwillige Feuerwehr Efringen-Kirchen

Die erste Feuerwache wurde als Reaktion auf den Karlsruher Theaterbrand im Jahr 1847 gegründet. Seitdem hat sich viel geändert, allein schon die Zusammenführung der Wehren zur Gesamtfeuerwehr Efringen-Kirchen.

Vor rund 100 Jahren waren es hauptsächlich Brandeinsätze, die die Feuerwehren aus Kirchen und Efringen beschäftigten – das Aufgabenfeld der ehrenamtlichen Feuerwehren aber hat sich stark gewandelt. „Wir sind Problemlöser und Spezialisten bei vielen Notfällen“, sagt Gesamtkommandant Philipp Haberstroh selbstbewusst.

Die Feuerwehr der Reblandgemeinde ist quasi ein mittelgroßer Betrieb: 265 Aktive Feuerwehrfrauen und -männer, 32 Kinder und Jugendliche in der Jugendfeuerwehr, 70 Mitglieder der Altersmannschaft, neun Abteilungen mit den Teilorten Blansingen, Efringen-Kirchen, Egringen, Huttingen, Istein, Kleinkems, Mappach, Welmlingen und Wintersweiler und 14 Einsatzfahrzeuge – All das macht die Freiwillige Feuerwehr Efringen-Kirchen aus. Die Einsatzkräfte werden gerufen, wenn es brennt, wenn technische Hilfseinsätze bei Unfällen besonderes Material erforderlich machen, wenn ein Gefahrgutunfall gemeldet wird oder wenn Unwetter durchs Land ziehen und Schäden hinterlassen. Sie helfen aber auch bei Festen in den Ortsteilen, wenn Türöffnungen anstehen, wenn es gilt, einen größeren Raubvogel aus misslicher Lage aus einer Dachrinne zu befreien oder, wie in Egringen geschehen, eine verirrte Fledermaus in einer Wohnung einzufangen.

1865 erste Feuerwache in Kirchen

Es waren der Gastwirt Friedrich Rottra und ein Pfarrer, Albert Böckh, die 1865 in Kirchen die erste Feuerwehr mit 94 Männern gründeten. Der übergeordnete Auslöser war, wie fast überall in Baden, „1847 der Theaterbrand in Karlsruhe , bei dem über 60 Menschen starben“, teilt Haberstroh mit. In den 1920er- und 1930er-Jahren sowie 1940 folgten die weiteren Feuerwehrgründungen der heutigen Abteilungen der Gesamtfeuerwehr. „1937 wurde im Reichsfeuerwehrgesetz festgelegt, dass jede Gemeinde eine Feuerwehr haben muss“, berichtet Haberstroh.

1975 zur gemeinsamer Wehr geworden

„Zusammengeschlossen wurden die bis dahin selbstständigen Wehren aller heutigen Ortsteile nach der Gemeindereform dann im Jahr 1975, der erste Gesamtkommandant war Ernst Herr“, informiert Haberstroh, der sein Amt von Werner Schmid übernahm und mittlerweile der fünfte Kommandant in dieser Funktion ist. Er weist schon mal darauf hin, „dass nächstes Jahr 50 Jahre Gesamtfeuerwehr gefeiert werden“.

Große Einsätze hatte und hat die Feuerwehr viele: Das trockene und heiße Jahr 1976 sorgte für viele Alarmierungen. Während einer Sommerdürre entwickelten sich Flächenbrände an der Autobahn, eine Schreinerei brannte, im September dann fing das Ökonomiegebäude des Seebodenhofs Feuer.

Feuerwehr hat viele große Einsätze

„1978 betraf ein schweres Unwetter Ende Juli zuerst Hertingen, dann Welmlingen und dann Istein“, erinnert sich Gütlin. 1999 sorgte der Weihnachtsorkan Lothar für Dauereinsätze. „Brände im verwinkelten Istein und beim Entsorgungsunternehmen Kühl 2013, 2014 und 2018 waren zudem keine einfachen Einsatzstellen“, rekapituliert Haberstroh.

Und dann sind da noch die Bahnlinie, auf der Kesselwagen mit Gefahrgut transportiert werden und der Katzenbergtunnel. Nächstes Jahr steht dort die nächste Großübung an. Sorgen bereiten den beiden Kommandanten aber die drei alten Eisenbahntunnel auf der Gemarkung, denn „man kommt bei einem Unfall kaum heran, es gibt keine Wasserversorgung “, konstatiert Haberstroh.

Zu Einsätzen bei Unwettern wie aktuell im Sommer 2023 kommen neu immer mehr Flächenbrände als Folgen von Trockenheit hinzu. „Die Vegetationsbrandbekämpfung, die vor zehn Jahren noch niemanden groß interessiert hat, ist wichtig geworden, denn Efringen-Kirchen liegt direkt an einem stark frequentierten Naherholungsgebiet“, erläutert der Gesamtkommandant. Hier brauche man leicht tragbares Material wie etwa einen Löschrucksack, leichtere, dünnere Schläuche, aus denen die 1000 Liter Wasser aus dem Löschfahrzeug über einen längeren Zeitraum verteilt werden können, sodass innerhalb von 15 Minuten eine gute Wasserversorgung aufgebaut werden kann, und Feuerpatschen zum Ausschlagen der Flammen. Gerade sind entsprechende Ausrüstungspakete eingetroffen.

Viele Spezialisten sind bei der Feuerwehr dabei

Nicht nur ein moderner Fahrzeugbestand ist wichtig. Es zählt die gute Zusammenarbeit aller Abteilungen und Nachbarwehren, ein „Topp-Ausbildungsstand“ und eine Nachwuchsarbeit – und wir freuen uns auch über Erwachsene, hier besonders über technisch interessierte Quereinsteiger“, wirbt Haberstroh für die „superinteressante und vielfältige Ausbildung bei der Feuerwehr“. Womit man wieder bei den Spezialisten ist: Dank vieler Berufsfelder haben alle Abteilungen vom Uni-Dozenten bis zum Mechaniker „ganz viele Problemlöser für knifflige Aufgaben“ in ihren Reihen.

Was sich Haberstroh und Gütlin wünschen, ist die schnelle Entscheidung für den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses, da die Altgebäude aus allen Nähten platzen. „2016 lief unser Keller beim großen Starkregen voll und ist nicht mehr nutzbar, auch deshalb warten wir auf einen Neubau. Ein neuer Standort steht bereits seit längerem fest“, teilt Haberstroh mit.

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