Efringen-Kirchen Spektakuläre Verladung

Foto: Reinhard Cremer Foto: Weiler Zeitung

„So etwas habe ich in mehr als 40 Berufsjahren noch nicht erlebt“, waren sich Heinz Ehrmann von der Holzverkaufsstelle der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Dreiländereck und Fuhrunternehmer Wilhelm Fackler einig. Ihre Verwunderung galt einer Verladung von zwei enorm starken Pappelstämmen an der Verbindungsstraße Efringen-Kirchen–Märkt.

Von Reinhard Cremer

Efringen-Kirchen. Diese gestaltete sich am Donnerstagmorgen nicht gerade einfach. Während des Ladevorgangs, an dem zwei Holztransporter mit ihren Greifarmen beteiligt waren, hob eines der beiden Fahrzeuge unter der Last eines der Stämme einseitig von der Straße ab und neigte sich bedrohlich zur Seite.

Straße für rund eine Stunde blockiert

Dass schlussendlich doch alles da lag, wo es hin sollte, war der Umsicht und Routine der beiden Firmenchefs Wilhelm Fackler aus Waldkirch und Jörg Schneider aus dem Kleinen Wiesental zu verdanken. Für rund eine Stunde war die Verbindungsstraße, bekannt als „Promillegässle“, blockiert. Fast alle Verkehrsteilnehmer zeigten Verständnis dafür, dass sie eine Umleitung in Kauf nehmen mussten. Lediglich ein Freiburger Autofahrer habe, wie es Lars Neubauer, Leiter der Holzverkaufsstelle Dreiländereck, formulierte, einen „Paragrafen-Aufstand“ gemacht.

Neubauer erläuterte, wie es zu dieser denkwürdigen Aktion gekommen war: Ein Privatwaldbesitzer an der Verbindungsstraße wollte einen sehr starken Baum verkaufen, bevor dieser möglicherweise umfiele. Einige Meter weiter an der Straße hat eine Pappel dieses Schicksal getroffen. Der Zufall wollte es, dass ein Einkäufer im Anschluss an ein Douglasiengeschäft Interesse an der starken Pappel zeigte. Bereits im Frühjahr wurde der fast 80 Jahre alte Baum daraufhin gefällt.

Da sein Stamm so riesig war, musste er in zwei Hälften zersägt werden. Der stärkere Teil wies im Mittel einen Durchmesser von 1,5 Metern auf. Gemeinsam brachten es beide Teile auf 16,3 Kubikmeter Holz. In ganz Deutschland gebe es lediglich etwa ein halbes Dutzend Unternehmen, die einen Stamm dieser Dimension verarbeiten können.

Weiter nach Neuenburg transportiert

Diese Stämme wurden im Anschluss an die Verladeaktion nach Neuenburg transportiert, von wo aus sie per Zug nach Norden zum Unternehmen Max Wagner am Mittellandkanal gehen. Dort wird das Holz zersägt. Später kann es unter anderem zu Einwegpaletten oder Obststeigen verarbeitet werden. Auch bei der Prothesenherstellung oder der Fabrikation von Skiern oder Snowboards leistet das Pappelholz gute Dienste.

Anders als zum Beispiel Eichen wachsen Pappeln sehr schnell. Eine Eiche mit den Ausmaßen der gefällten Pappel – und es sollen laut Neubauer in den Privatwaldstreifen an der Verbindungsstraße weitere Riesen ähnlicher Stärke stehen – muss es schon auf ein Alter von 300 Jahren oder mehr bringen. Die Preise für Pappelholz liegen derzeit bei lediglich rund zehn Prozent derer von Eichenholz.

Nach einer guten Stunde verließen die Laster den Ort des Geschehens, nicht ohne dass die Fahrer zuvor für eine saubere Straße und Ladefläche gesorgt hätten.

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