Efringen-Kirchen Weniger Ernte durch kalte Nächte

Der Behang verspricht bei den meisten Apfelsorten momentan eine gute Ernte für Ende August.Foto: Archiv Foto: Weiler Zeitung

Die Obsternte fällt unterdurchschnittlich aus. Grund dafür ist die zunehmende Trockenheit. Auch die Corona-Pandemie stellt die hiesigen Obstbauern vor weitere Herausforderungen, wie es im Gespräch mit drei Markgräfler Obstbauern deutlich wird.

Efringen-Kirchen/ Fischingen (ov/aje). Das Jahr stellte sich für den Obsthof Brändlin in Huttingen als Herausforderung dar: „Da eine Hiobsbotschaft auf die andere folgte, stiegen die Belastungen bisweilen über das erträgliche Maß hinaus“, sagt Betriebsleiter Kevin Brändlin. Die Aprikosen seien in den Frostnächten im März vollständig erfroren, aber dafür konnte der Obstbauer noch die halbe Ernte bei den Tafelkirschen einfahren. Dennoch ist er froh, dass „doch noch alles einigermaßen hingehauen hat. Auch die Erntehelfer-Organisation hat gerade noch funktioniert“, fügt Brändlin hinzu. Er ist dankbar für jede Kiste, die geerntet werden konnte.

„Das Jahr hat uns eindrücklich in Erinnerung gerufen, von wie viel Risikofaktoren eine Obsternte abhängt“, hebt Brändlin hervor. Darum freut er sich darüber, dass die Wertschätzung der Verbraucher gegenüber der regionalen Landwirtschaft trotz schwieriger Zeit positiv ausgefallen ist: „Viele haben die landwirtschaftlichen Herausforderungen in diesem speziellen Jahr wahrgenommen und die heimischen Betriebe sehr wohlwollend unterstützt.“

Trockenheit und Schädlinge

Die Trockenheit sei in diesem Jahr massiv und vergleichbar mit den vergangenen Trockenjahren gewesen , so Brändlin. Die verstärkte Trockenheit sorge bei den Obstkulturen dafür, dass die Fotosynthese stark heruntergefahren wird, und die Früchte sich in Größe und Reife kaum weiterentwickeln würden. „Richtige Schäden treten bereits da auf, wo die Bäume durch Schädlinge zusätzlichem Stress ausgesetzt sind“, erklärt Brändlin. Besonders bei Hochstamm-Kirschbäumen am Feldrand, an denen Schädlinge nicht bekämpft werden, sei dies derzeit deutlich zu sehen. Mit Hilfe von Tröpfchenbewässerung kann Brändlin jedoch die Obstkulturen vor Schäden bewahren.

„Die Erntemengen waren bis auf die Schüttelkirschen, die sehr gut getragen haben, überall unterdurchschnittlich“, sagt Brändlin. Auch sei die Qualität eher unerfreulich. „Unsere Sommerernte mit Kirschen, Aprikosen und Beeren haben wir bereits vor zehn Tagen beendet. So früh, wie schon seit Jahren nicht mehr“, schildert Brändlin. Derzeit befindet sich der Hof in der Erntepause, doch Ende August geht es mit der Apfelernte weiter.

Einen holprigen Saisonstart hatte auch der Weingartenhof Denzer in Fischingen. Grund dafür war es zum einen die kalten Nächte Ende März und Anfang April. Aber auch die Corona-Pandemie habe seinen Teil dazu beigetragen. „Wenn wir uns zurück an Anfang April erinnern, als alles ungewiss war und wir nicht wussten, was auf uns zukommt, da wird es mir immer noch mulmig“, sagt Susanne Denzer. Aber derzeit sei sie zufrieden, wie die vergangenen Monate verlaufen sind. „Die Herausforderungen des Jahres konnten wir mit Hilfe unserer Mitarbeiter bis jetzt meistern“, hebt Denzer hervor.

Qualität fällt gut aus

Dennoch sei laut Denzer aktuell die Situation sehr angespannt, vor allem die Hitze mache allen zu schaffen: „Die Pflanzen und Bäume leiden langsam, und beim Spaziergang in der Region sieht man es sehr deutlich“, hat sie beobachtet.

Doch der Qualität habe dies keinen Abbruch getan: „Wir sind begeistert, denn die Witterung war optimal, um unsere Früchte wie Erdbeeren, Kirschen sowie Zwetschgen reif und voller Geschmack zu ernten“, freut sich Denzer. Dennoch habe die Quantität unter den Frostnächten gelitten, denn die Erntemenge falle wesentlich geringer aus als in den Vorjahren, so die Obstbäuerin.

Im vollen Gang sind derzeit auf dem Obsthof Denzer die Nachbereitung der aktuellen Saison sowie die Vorbereitungen für die nächste Saison. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, sagt Denzer augenzwinkernd. Daher werden nun die ersten Kirschbäume durch einen Sommerschnitt wieder in Form gebracht und Erdbeeren gepflanzt. Die Apfelernte steht bevor sowie die Handausdünnung in den Weinbergen und die Vorbereitungen für den Feldsalat.

„Das Jahr 2020 war bis jetzt recht durchwachsen“, sagt Markus Schörlin vom gleichnamigen Obsthof in Huttingen. Zwar habe der Obsthof durch die Corona- Krise keine extremen Einbußen hinnehmen müssen, doch das „lag daran, dass wir keinen Spargel und keine Erdbeeren angebaut haben“, erklärt Schörlin.

90 Prozent Ernteausfall

Dennoch machten die Frostnächte Ende März auch ihnen zu schaffen. Deutlich wurde dies beispielsweise bei den Zwetschgen. „Wir haben 90 Prozent Ernteausfall“, hebt Schörlin hervor.

Die Frostschäden seien auch beim Kernobst zu sehen. Vor allem die Birnen seien stark berostet und würden nicht mehr der Klasse 1 entsprechen, so Schörlin. Bei den Tafelkirschen konnten Ernteeinnahmen von 50 Prozent erreicht werden. Anders sieht es bei den Industriekirschen aus: „In diesem Jahr können wir von einer Rekordernte sprechen.“

Durch den frühen Saisonstart sei insgesamt alles zirka zehn Tage früher reif als sonst. Jedoch der Behang bei den Apfelsorten Jonagold und Topaz fällt je nach Lage eher mäßig aus. „Die anderen Sorten hängen gut bis sehr gut“, sagt Schörlin.

Schörlin blickt vorsichtig auf den Sommer: „Was die anhaltende Sommertrockenheit noch anrichten wird, werden wir noch sehen.“ Daher hofft er, dass ein tagelanger Landregen vorbeikommt.

Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 39 Euro! Jetzt HIER anfordern.

  • Bewertung
    3

Umfrage

Impfung

Forscher hoffen darauf, dass in Deutschland schon Ende des Jahres ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Würden Sie sich impfen lassen?

Ergebnis anzeigen
loading