FC Basel Der Manager geht von Bord

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Teammanager Gusti Nussbaumer hat beim FC Basel Höhen und Tiefen erlebt. Foto: Meinrad Schön

Es gibt keinen Mitarbeiter beim FC Basel 1893, der länger für den Club im Einsatz ist als Gusti Nussbaumer. Im kommenden Jahr wird der FCB-Teammanager 70 Jahre alt – ein guter Moment, um dann am Ende der Saison 2021/2022 in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen.

Basel (pd). Bis dahin wird Nussbaumer weiterhin das tun, was er immer getan hat, seit er 1968 als Juniorenfußballer dem Verein beitrat: Sich voll und ganz in den Dienst von Rotblau stellen. Nussbaumer hat beim FCB alles miterlebt: Begonnen hat er 1968 als FCB-Junior. Eine seiner ersten Trainertätigkeiten nahm er bei den B-Junioren des FCB auf, bald leitete er als Juniorenobmann die ganze Nachwuchsabteilung. Ab den 1990er-Jahren führte sein Weg über die Funktionen des Transferverantwortlichen und Sportchefs zu jener Aufgabe als Teammanager, die er seitdem wahrnimmt.

Beim ihm laufen unzählige Fäden zusammen: Im Zentrum steht dabei die Grundorganisation des Alltags der ersten Mannschaft, verbunden mit allen logistischen Belangen und der Pflege und Bearbeitung aller internen und externen Schnittstellen – überall wirkt er federführend mit.

Er interpretiere seine Aufgabe als eine Art Dienstleister gegenüber dem Trainer, dessen Stab und der Mannschaft, sagte der Teamcoach jeweils in Interviews. „Der Trainer und die Mannschaft sollen sich auf ihr sportliches Kerngeschäft konzentrieren können, ich und viele weitere Mitarbeiter halten ihnen den Rücken frei“, lautet das Credo das baldigen Ruheständlers. Der 68-Jährige ist mittendrin im Geschehen, wenn es gilt: Während der Spiele sitzt er mit auf der Trainerbank und ist für alle administrativen Belange und deren regelkonforme Abwicklung zuständig.

Erfolge gab es während seiner Zeit in den verschiedenen Funktionen einige: Da war der erste FCB-Meistertitel seit 22 Jahren im Jahr 2002 mit Trainer Christian Gross, dem Gusti Nussbaumer zehn Jahre lang – und damit am weitaus längsten aller Trainer – zur Seite gestanden ist. Es folgten drei weitere Meistertitel mit Gross und danach deren acht in Serie mit den „Folgetrainern“ Thorsten Fink, Heiko Vogel, Murat Yakin, Paulo Sousa und Urs Fischer. Hinzu kamen in der gesamten Zeit seit Beginn des 21. Jahrhunderts noch acht Pokalsiege.

Als seinen wohl schönsten Erfolg bezeichnet er aber bis heute den NLA-Aufstieg 1994, den „Befreiungsschlag“, nachdem der Club sechs triste Jahre in der NLB verbracht hatte. Nussbaumer war damals Sportchef und an der Zusammenstellung der Aufstiegsmannschaft mit Spielern wie Smajic, Berg, Zuffi, Huber oder Cantaluppi wesentlich beteiligt. Zu dieser Zeit trug er noch den sehr markanten Schnauzbart, der viele Jahre lang sein großes Markenzeichen war. Der Bart musste einige Zeit später fallen, als dieser aus modischen Gründen bei einem Spieler-Grüppchen um Zuberbühler, Cantaluppi und die beiden Yakins in Ungnade gefallen war. In einem Trainingslager machten sie Gusti wehrlos und zückten das Rasiermesser. „Natürlich haben sie nicht sauber gearbeitet – wie immer“, schilderte der Rasierte einst diesen hinterhältigen Akt mit einem verschmitzten Lächeln. „Auf jeden Fall musste ich den Rest dann selber erledigen.“

Es ist dies eine von unzähligen Anekdoten, welche Gusti Nussbaumer in der Vergangenheit mit den vielen Fußballern erlebt hat, die in der heiligen FCB-Garderobe über die Jahre ein- und ausgingen.

Auch die zwischenmenschlichen Belange kamen nie zu kurz. Seine Tür war und ist immer offen, hat für die Anliegen und Sorgen der FCB-Familie stets ein offenes Ohr. Bezeichnungen wie „Sorgenonkel“ oder „Opi“ zeugen von menschlicher Nähe, Vertrauen und einer besonderen Art von Respekt.

„Meine bevorstehende Pensionierung ist unabhängig meiner Verdienste eigentlich keine große Schlagzeile wert“, gibt sich der scheidende Teammanager bescheiden. Der frühe Zeitpunkt der Kommunikation solle vor allem sicherstellen, dass der Verein mit der nötigen Weitsicht, aber auch in Ruhe und ohne Polemik die Nachfolgesituation regeln kann.

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