Fußball „Da passe ich ganz gut rein“

Aus dem schönen Sachsen ins Wintersportmekka Tirol, aus der 3. Bundesliga Deutschlands in die zweithöchste österreichische Spielklasse: Im Sommer hat der Weiler Fabio Viteritti einen echten Tapetenwechsel vollzogen. Seither trägt er das Trikot von Wacker Innsbruck. Der Mittelfeldmann gehört zu den älteren Spielern im Kader und soll seinen Teil dazu beitragen, dass der Traditionsklub bald wieder an die Tür der Bundesliga des Nachbarlandes anklopft.

Weil/Innsbruck. 30 Partien hat Viteritti in der vergangenen Runde der 3. Bundesliga noch für den FSV Zwickau bestritten und mit seinen 14 Torbeteiligungen maßgeblich dazu beigetragen, dass die Sachsen den Ligaerhalt bejubeln durften. Dann folgte im Sommer der Schritt über die Grenze.

„Fabio ist ein technisch versierter Spieler und in der Offensive variabel einsetzbar. Er wird mit seinen spielerischen Fähigkeiten unserer Mannschaft mit Sicherheit weiterhelfen“, machte Innsbrucks Manager Alfred Hörtnagl nach der Verpflichtung deutlich und lobte Viterittis „beeindruckende Scorerquote“ der vergangenen Jahre. „Wir konnten ihn von unserem Weg und unserer Ausrichtung überzeugen, und sind froh, dass er sich zu einem Wechsel nach Österreich entschieden hat.“

Wie es zu diesem Wechsel kam, wie er sich in Tirols Bundeshauptstadt eingelebt hat und wie er die derzeitige Corona-Pandemie als Fußballprofi erlebt, darüber hat sich unser Sportredakteur Mirko Bähr mit dem 27-Jährigen unterhalten.

Frage: Herr Viteritti, die Vorschusslorbeeren waren riesig. Bei Wacker war man von Ihnen überzeugt.

Wacker hat sich wirklich sehr um mich bemüht, und das nicht zum ersten Mal. Bereits nach meiner Cottbuser Zeit war Innsbruck eine Option für mich. Ich entschied mich jedoch für Zwickau, auch deshalb, weil ich nochmals in der 3. Bundesliga spielen wollte. Ich wollte außerdem zeigen, dass ich dort mit meinem Verein den Klassenerhalt erreichen kann. Das haben wir dann auch geschafft. Für mich war dann klar, dass ich bereit für etwas ganz Neues bin.

Frage: Seit wenigen Monaten leben und arbeiten Sie in Innsbruck. Wie haben Sie sich eingelebt?

Sehr gut. Die Stadt ist überragend, sehr schön. Der Verein macht eine Menge für seine Spieler und das Team hat mich super aufgenommen. Es macht Spaß mit den jungen Teamkollegen. Ich bin jetzt der Viert- oder Fünftälteste im Kader.

Frage: Wie lief es sportlich bisher für Sie persönlich? Sie haben ja alle neun Partien bestritten, dabei ein Tor erzielt und dreimal als Vorbereiter geglänzt.

Ich bin zufrieden. Vor allem macht es viel Spaß, mit Trainer Daniel Bierofka zusammenzuarbeiten. Wieder lerne ich etwas dazu. Es gibt ein neues System, auch die Vorgehensweise ist wieder anders. Das bringt mich wieder weiter, was natürlich auch später dann für eine mögliche Karriere nach der Karriere wichtig sein kann.

Frage: Für Wacker lief es zu Beginn der Runde noch nicht ganz so rund. Jetzt aber scheint Ihr Team in der Spur zu sein. Zuletzt gab es drei Erfolge in Serie.

Wir verfügen über eine sehr junge Mannschaft, da sind Leistungsschwankungen normal. Dazu kommt, dass wir uns erst einmal finden mussten. Es sind im Sommer ja einige ältere Spieler zu dieser eingespielten, jungen Truppe gestoßen, und mit Daniel Bierofka ist der Trainer neu und damit auch das Spielsystem. Mittlerweile läuft es für uns aber gut.

Frage: Welche Rolle übernehmen Sie denn in Bierofkas System?

Derzeit bin ich vorwiegend auf der Achter-Position in Aktion. Aber ich kann auch als Sechser oder Zehner agieren. Das ist variabel. Wir wollen insgesamt viel Ballbesitz haben und Fußball spielen. Das kommt mir entgegen. Da passe ich ganz gut rein. Auf meiner Position versuche ich, die Jungen in unserem Team zu unterstützen.

Frage: Welche Zielsetzung hat Wacker Innsbruck denn vorgegeben?

Es geht hauptsächlich darum, die jungen Fußballer weiterzuentwickeln, um dann irgendwann oben anzugreifen und Richtung Bundesliga zu schielen. Das ist für die aktuelle Runde aber noch kein Thema. Das wäre nicht realistisch. Der Verein gibt uns die Zeit. Er ist dazu bereit, dass sich ein Team entwickelt, das dann den nächsten Schritt machen kann.

Frage: Die Corona-Pandemie bestimmt derzeit unser aller Leben. In Österreich fällt der Lockdown noch drastischer aus als in Deutschland. Wie sieht Ihr Leben als Profi derzeit aus?

Wir spielen erst einmal weiter. Dafür werden wir aber auch zweimal die Woche auf Corona getestet. Ich fühle mich deshalb relativ sicher. Das liegt aber auch daran, dass ich sehr genau schaue, mit wem und wo ich mich treffe. Derzeit treffe ich mich eigentlich nur mit Teamkollegen. Die einzige Ausnahme ist natürlich meine Freundin. Meine Familie habe ich dagegen schon lange nicht mehr gesehen. Das ist schon sehr schade. Jetzt wohne ich endlich einmal nur vier Stunden weg von der Heimat und kann wegen Corona dennoch meine Familie nicht treffen. Ich hoffe, dass wir uns an Weihnachten sehen.

Frage: Auch der Fußball und das Drumherum kommen derzeit anders daher...

...da fallen mir natürlich zu allerst die Spiele ohne Zuschauer ein. Da fehlt was. Bei den Auswärtsspielen, zu denen wir einen Tag vorher anreisen, werden wir im Hotel isoliert, auf das Feld kommen die beiden Mannschaften getrennt. Es ist alles anders und auch nicht mehr so emotional.

Frage: Apropos Emotionen. Die Fans des FC Wacker sind bekannt dafür, dass sie Vollgas geben. Nun ist das Tivoli-Stadion leer, wenn es zuhause zur Sache geht.

Wacker ist ein Traditionsverein und hat viele Fans, die ordentlich Stimmung machen. Ich bin leider noch nicht in diesen Genuss gekommen. Wobei ich bislang immer für Traditionsklubs aufgelaufen bin und mir gut vorstellen kann, was mich da erwartet. Leere Stadien sind wirklich schade. Aber ich möchte da nicht allzu sehr jammern. Ich kann meinem Beruf nachgehen. Das kann nicht jeder in der aktuellen Pandemie-Zeit. Es gibt Menschen, die viel stärker von den derzeitigen Einschränkungen betroffen sind.

Frage: Weiter geht es für Wacker am Wochenende beim SK Austria Klagenfurt, dem Tabellendritten.

Klagenfurt ist klarer Favorit auf die Meisterschaft. Zu Beginn haben sie nicht so gepunktet und haben wie wir erst mit Verspätung in die Spur gefunden. Es ist für uns ein echter Gratmesser. Wir können schauen, wie weit wir schon sind und wo wir aktuell stehen.

Frage: Bis zur Winterpause geht es dann nochmals richtig in die Vollen. Meisterschaft und Pokal stehen auf dem Programm.

In den nächsten vier Wochen stehen noch fünf Partien auf dem Plan. Unter anderem treffen wir im Achtelfinale des Pokals am 24. November auswärts auf Sturm Graz. Mal schauen, ob wir da als Underdog für eine Überraschung sorgen können. In der vergangenen Saison kam Wacker im Pokalwettbewerb bis ins Halbfinale. Mit Cottbus haben wir im DFB-Pokal schon mal Freiburg und Stuttgart mächtig ins Wanken gebracht und erst im Elfmeterschießen verloren.

Frage: Sind Sie eigentlich eher ein Wintertyp oder ein Sommermensch?

Eigentlich ist mir der Sommer lieber. Ich kann mir vorstellen, warum Sie das fragen.

Frage: Sie leben ja in Innsbruck. Die Stadt war Gastgeber der Olympischen Winterspiele 1964 und 1976 und gilt als beliebtes Wintersportzentrum.

Ja, ich weiß. Einige Mannschaftskameraden haben mir auch bereits deutlich zu verstehen gegeben, dass ich demnächst, wenn es die Zeit zulässt, auf Skiern stehe. Sie wollen es mir beibringen. Ehrlich. Bis jetzt bin ich noch nie in meinem Leben Ski gefahren. Ich bin gespannt.

Zur Person: Die Nummer 20 des FC Wacker Innsbruck ist 27 Jahre alt und in Lörrach geboren. Das Fußball-ABC erlernte der Mittelfeldmann beim FC Friedlingen, ehe es über den SV Weil und den FC Basel zum 1. FC Magdeburg ging. Nach schwerer Verletzung nahm seine Karriere bei der TSG Neustrelitz neue Fahrt auf. Das Trikot von Energie Cottbus streifte sich Viteritti ebenfalls über, wie auch das des FSV Zwickau. Sein Vertrag in Innsbruck läuft bis zum 30. Juni 2022. Sein Marktwert wird laut Transfermarkt.de auf 225 000 Euro taxiert.

Gleich zwei Weiler Kicker jagen beim FC Wacker Innsbruck dem runden Leder hinterher. Neben Fabio Viteritti ist auch Recica Clirim beim Tiroler Traditionsklub aktiv. Und zwar in der Reserve, die in der Regionalliga beheimatet ist. Der Verteidiger ist wie Viteritti in Lörrach geboren und wechselte ebenfalls in der Jugend vom SV Weil zum FC Basel. Der 21-Jährige, der für die Nationalmannschaft des Kosovo schon fünf Länderspiele bestritt, ist über die Stationen SC Freiburg, Offenburger FV, VfR Aalen, SV Oberachern und Wormatia Worms bei Wacker gelandet.

Viteritti: „Ich kannte ihn gar nicht. Er ist ein Super-Junge und ein guter Fußballer. Das Witzige ist: Sein Bruder spielt beim TuS Stetten, wo ja mein Vater Sportlicher Leiter ist.“

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