Fußball Nachhaltigkeit an vorderster Stelle

Matthias TröndleFoto: zVg Foto: Die Oberbadische

Aufstieg adé! Der SV Herten durfte sich als Bezirksliga-Spitzenreiter berechtigte Hoffnungen auf die Meisterschaft machen, doch Corona und der damit einhergehende Saisonabbruch verhinderten letztlich das Unterfangen. Jüngst wurde zudem bekannt, dass zwei Leistungsträger den Verein verlassen. Wie geht’s weiter bei den Grün-Gelben von der Steinenstraße?

Rheinfelden-Herten. Unser Mitarbeiter Fabian Schreiner hat mit Sportchef Matthias Tröndle über die Entscheidung des Südbadischen Fußball-Verbands (SBFV), die Ziele für die kommende Spielzeit und die Transferoffensive des TuS Binzen gesprochen.

Frage: Wie groß ist die Enttäuschung, dass dem SVH die Chance zum Aufstieg genommen wurde?

Luftsprünge haben wir nicht gemacht. Die Konstellation war mit den Tabellenführungen der ersten und zweiten Mannschaft ziemlich verheißungsvoll. Die Art und Weise, wie unsere Teams ihre Punkte eingefahren haben, weckte berechtigte Hoffnung auf den großen Wurf. Das wäre für uns eine kleine Sensation gewesen. Jetzt ist es müßig, seine Energien darauf zu verschwenden und mit dem Finger auf andere zu zeigen, auch wenn es schade ist, dass ein Unterbruch nie zur Option geworden ist. Dies gilt es nun anzunehmen, weil man keinen Einfluss darauf hat.

Frage: Können Sie die Entscheidung des SBFV nachvollziehen?

Ich bin in der komfortablen Situation, diese Entscheidung nicht gefällt haben zu müssen und wirklich dankbar um jeden der rar gesäten Verbandsmitarbeiter. Dennoch gilt es auch dort die einzelnen Abläufe bis zum endgültigen Entschluss zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Frage: Welche?

Grundsätzlich gilt: Alle sollten gleich behandelt werden. Wenn aber der eine Verein durch Verfehlungen des Verbandes trotz fehlender Einigung mit dem abgebenden Klub sich einen Vorteil verschaft, dann ist das einfach nicht fair im Umgang miteinander. Damit bin ich nicht einverstanden. Genauso, wenn es Aufsteiger in der Oberliga geben soll. Dort, wo prozentual gesehen wohl am wenigsten gespielt wurde? Da muss man sich trotz der Anbindung an den (semi-)professionellen Fußball durchaus Kritik gefallen lassen. Diese Beispiele zeigen, dass man das große Ganze wohl nicht pauschal beantworten kann. Mir persönlich ist Authentizität sehr wichtig. Die ging in dem Entscheidungsfindungsprozess etwas verloren. Dennoch tragen wir die finale Entscheidung mit.

Frage: Glauben Sie, dass im August die neue Saison gestartet werden kann?

Schwer zu beantworten. In den vergangenen 14 Monaten war ich kein zuverlässiges Orakel. Zum jetzigen Zeitpunkt spricht jedenfalls vieles dafür. Die Impfungen haben an Fahrt aufgenommen, und bis August wird die Zahl der Geimpften weit fortgeschritten sein. Daher blicke ich der nächsten Saison positiv entgegen.

Frage: Marco Romano und Romano Males zieht es im Sommer zum FV Lörrach-Brombach. Da geht schon sehr viel Qualität verloren, oder?

Ohne Zweifel. Beide sind auf ihre Weise zwei wirklich besondere Fußballer, die uns in Herten viel Freude bereitet haben. Ich denke, das wird im Grütt nicht anders sein, auch wenn es ein paar Ligen Unterschied sind. Es ist kein Zufall, dass sie nun beim Branchenprimus unserer Region spielen. Ein Stück weit ist das auch eine Honorierung für unsere Arbeit der vergangenen Jahre.

Frage: Wie wollen Sie dieses Duo ersetzen?

Der Abgang wichtiger Spieler bedeutet auch immer, dass andere die dadurch entstandenen Lücken nutzen und in den Vordergrund rücken können. Unsere Philosophie beruht generell auf der Stärke des Kollektivs. Klar ist aber auch, dass wir schauen, ob und wo wir aktiv werden können. Panik ist aber keine ausgesprochen bei uns. Wir werden unseren Werten weiter treu bleiben.

Frage: Der SV Herten will auch in der neuen Spielzeit um den Aufstieg mitspielen?

In den beiden verkürzten Corona-Spielzeiten hatten wir jeweils die beste Defensive und eine der gefährlichsten Offensiven der Liga. Auch wenn zwei Eckpfeiler dieser Entwicklung uns nun verlassen, haben wir schon noch ein paar richtig geile Kicker in unseren Reihen, vor allem ein tolles Team sowie ein sehr ehrgeiziges Trainergespann. Wir wollen weiter oben angreifen.

Frage: Dabei wird auch Kapitän und Vereinslegende Remo Laisa helfen. Er hängt nun doch noch ein Jahr dran.

Viele verbinden den SV Herten in erster Linie mit Remo. Das ist ein Standing, das er sich mit seinem Auftreten auf und neben dem Platz redlich verdient hat. Sein persönlicher Plan war es, mit dem Landesliga-Aufstieg seine Karriere in der Ersten zu beenden. Da das nicht sein sollte, hat Remo schnell signalisiert, noch eine Saison dranzuhängen. Dann wird er auch unabhängig des Saisonverlaufs von uns - hoffentlich wieder in der Normalität angekommen - sein verdientes Fest bekommen.

Frage: Wohin geht die Reise mittelfristig?

Grundsätzlich versuchen wir, in allen Bereichen die Messlatte immer weiter nach oben zu verschieben. Wir wissen genau, wo wir herkommen. Nachhaltigkeit steht bei allen Träumen und Visionen immer an oberster Stelle. Wer in Herten spielt, weiß immer genau, was von ihm erwartet wird. Zeitgleich haben wir von Vereinsseite auch den Anspruch, uns selbst immer an unseren Worten messen lassen zu wollen. Mit hoher Transparenz und viel Herzblut wollen wir kurz- und mittelfristig eigene Vereinsrekorde brechen und für attraktiven, leidenschaftlichen Fußball stehen.

Frage: Wie ist es für Sie ganz persönlich ohne den Fußball?

Es ist und bleibt ganz schön gewöhnungsbedürftig. Mir fehlen unsere Jungs und auch die Anspannung vor unseren Spielen. Bei uns turnen am Sportplatz in der Regel einige positiv wahnsinnige Typen herum. Das würde ich schon bald gerne wieder erleben. Anfangs dachte ich, alles ein wenig kompensieren zu können, indem ich mehr internationalen Fußball schaue. Doch die Geisterspiele sind auf Dauer auch nicht so meine Welt.

Frage: Anderes Thema: Der TuS Binzen hat sich zuletzt mit einigen Hochkarätern verstärkt. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Ich ziehe meinen Hut davor. Entgegen vieler Stimmungen, die man so wahrnimmt, bin ich in erster Linie beeindruckt und dennoch überzeugt davon, dass hier keine finanziellen Motive die Triebfeder sind. Auch wenn ich keinen Einblick hinter die Kulissen des TuS Binzen habe, die Handschrift von Karl-Frieder Sütterlin ist unverkennbar. In Kombination mit der infrastrukturellen Weiterentwicklung war es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Kracher verkündet werden. Was für Spieler am Ende präsentiert wurden, ist natürlich eine richtige Hausnummer. Da kann man nur gratulieren. Spätestens jetzt werden die Augen sicherlich vermehrt nach Binzen gehen.

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