Fußball „Sind gut drauf, rocken diese WM“

Uli Nodler

Jetzt gilt’s für die deutsche Mannschaft? Die Jungs von Hansi Flick treffen heute ab 14 Uhr auf ihren ersten Gruppen-Gegner Japan. Von null auf hundert heißt die Devise des viermaligen Weltmeisters. Denn: Der ersten Partie kommt herausragende Bedeutung zu. Eine Niederlage könnte für den Verlierer schon das Aus bedeuten, da allgemein Spanien in dieser Gruppe als Favorit gilt. Doch daran verschwendet aktuell im deutschen Team keiner einen Gedanken. Die Zeichen stehen auf Sieg.

Von Uli Nodler

Doha. Nach dem Versagen 2018 bei der WM in Russland und dem Ausscheiden nach der Gruppenphase will das Team mit dem Bundesadler auf der Brust in Katar unbedingt beweisen, dass es zu den Besten auf diesem Planeten zählt. Die Qualität des Kaders unterstreicht diesen Anspruch. Aber können die Jungs das auch umsetzen? Heute gegen 16 Uhr wissen wir mehr.

Gegen Japan hat Deutschland in seiner langen Länderspiel-Geschichte erst zweimal gespielt. Der erste Test endete 2004 2:2. Das zweite Match vor der WM gewann Deutschland mit 3:0. Im WM-Kader der Japaner sind acht Spieler aus der Bundesliga dabei. Die Söhne Nippons haben heute zwar nicht die Favoritenrolle inne, werden aber dennoch für die deutsche Mannschaft eine große Herausforderung sein.

Wir wollen heute von unseren Experten wissen, was sie der Flick-Truppe heute gegen Japan zutrauen. Außerdem interessiert uns die Antwort, welchen Stellenwert der hochtalentierte Jamal Musiala in der Mannschaft genießt.

Am zweiten Tag der Fußball-WM hat es wieder mächtig Ärger gegeben. Es ging um die bunte „One-Love“-Armbinde, ein Zeichen gegen Diskriminierung und Toleranz. DFB-Kapitän Manuel Neuer wollte sie tragen. Die FIFA hat die Aktion nun gestoppt. Auch darüber wollen wir die Meinung unserer Experten wissen.

Volker Scherer, Vorsitzender des Bezirksligisten TuS Binzen: „Das Auftaktspiel gegen Japan wird sicher eine schwierige Angelegenheit. Ich traue der Mannschaft zwar eine Menge zu, aber der Erfolg wird nur über eine stabile Abwehr führen. Die deutsche Defensive darf einfach nicht so viele Fehler machen wie in der Vergangenheit, dann klappt das schon. Ich rechne mit einem knappen Sieg.

Jamal Musiala könnte der Shooting Star dieser WM werden. Er leistet mit seinen 19 Jahren schon Unglaubliches, ist schon jetzt ein Unterschiedsspieler. Er hat Fähigkeiten, die sonst keiner im deutschen Team besitzt.

Jetzt ist bei den europäischen Verbänden das Geschrei groß. Schon bei der Wahl 2010 hätte man aktiv werden und gegen Katar als Ausrichter protestieren müssen. Jetzt ist es doch viel zu spät, noch irgend etwas zu erreichen. Es ist aber schon dramatisch, geradezu unfassbar, was bei der FIFA abgeht. Die Tatsache, dass deren Präsident Infantino in Katar wohnt, ist schon unglaublich, ein nicht zu überbietender Akt an Dreistigkeit. Allerdings habe ich da wenig Hoffnung, dass sich daran schnell etwas ändert, wenn die viele kleinen Fußballländer am Tropf der UEFA hängen.“

Ralf Brombacher, Schiedsrichter-Obmann des Südbadischen Fußballverbandes: „Wenn man die Gruppenphase überstehen will, zählt gegen Japan nur ein Sieg. Das muss auch für das DFB-Team mit seiner Qualität der Anspruch sein.

Musiala ist für mich gesetzt und muss auf der Zehner-Position spielen. Deutschland kann sehr froh sein, dass es dieses Talent in seinen Reihen hat.

Die Aktionen der europäischen Verbände gegen Diskriminierung und für Toleranz bewerte ich positiv. Falsch hat jedoch der DFB auf die Drohung der FIFA reagiert. Neuer hätte die Binde tragen sollen. Dann wäre ich gespannt gewesen, wie die FIFA reagiert hätte. Denn im Regelwerk sind solche Vorkommnisse gar nicht aufgeführt.

Clara Koppenburg, Profiradrennfahrerin aus Lörrach: „Ich traue der deutschen Mannschaft ohne Wenn und Aber den Sieg zu. Ich denke, die werden gut drauf sein und die WM rocken. Ich habe mir sagen lassen, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist. Sie kann Großes leisten. Den Spielern rate ich, bitte nicht an Russland 2018 denken.

Ich glaube, der Musiala kann einer wie Götze werden. Er hat in Brasilien das Siegtor im Finale gegen Argentinien erzielt. Solches traue ich auch Musiala in Katar zu. Ihr werden sehen, der macht das.

Den ganzen Wirbel um die One Love-Sache habe ich nicht verfolgt. Deshalb habe ich zu diesem Thema auch keine Meinung.“

Ridje Sprich, Torjäger des Landesligisten SV Weil: „Für mich ist Deutschland klarer Favorit. Ich erwarte einen Sieg gegen Japan.

Das wird das Turnier von Musiala. Ich bin überzeugt, dass er in Katar zum besten jungen Spieler aufsteigt.

Diese One Love-Sache ist schwierig für alle Beteiligten. Aber ich bin ein Mensch, dessen Philosophie es ist, dass alle Menschen die selben Rechte haben sollten.“

Tobias Jehle, Sportchef des Verbandsligisten FV Lörrach-Brombach: „Ich bin optimistisch, dass Deutschland gegen Japan knapp gewinnt. Einfach wird es aber gegen diese schnellen und trickreichen Japaner nicht. Wir sollten uns aber durchsetzen, weil Deutschland die besseren Fußballer hat. Ich tippe 2:1 für uns.

Musiala muss spielen. Ihm traue ich eine tragende Rolle in der Mannschaft zu. Allerdings sollte man den Ball bei den Vergleichen mit den ganz Großen des internationalen Fußballs flach halten. Er ist ein großes Talent, das es sicherlich sehr weit bringen wird.

Wenn die ganze Geschichte um die Binde gegen Diskriminierung und für Toleranz nicht so traurig wäre, könnte man das ganze ins Lächerliche ziehen. Meiner Ansicht nach hat sich der DFB falsch verhalten. Ich hätte mal sehen wollen, wie die FIFA reagiert hätte, wenn die Mannschaften der europäischen Verbände geschlossen die Binde getragen hätten. Die FIFA wäre machtlos gewesen, weil diese unselige WM in Katar dann gänzlich zur Farce werden würde.“

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