Fußball Spät, aber nicht zu spät

Es war einmal mehr ein hartes Stück Arbeit, bis der SV Weil einen am Ende ungefährdeten 3:0 (0:0)-Heimsieg gegen den FC Waldkirch eintüten konnte. Vor dem gegnerischen Tor waren die Hausherren lange Zeit zu harmlos gewesen. Erst gegen Ende platzte der Knoten.

Von Mirko Bähr

Weil am Rhein. Es bleibt dabei: Von der Leichtfüßigkeit, dem fulminanten Tempospiel und den fast blind verwerteten Tormöglichkeiten der vergangenen Runde ist der SVW heuer noch weit entfernt. Es ist noch Sand im Getriebe. Aber was für die Blauhemden spricht, ist die Tatsache, dass sie immer weiter am Ball bleiben und sich nicht resignierend dem Schicksal ergeben.

Die Weiler begannen forsch, störten früh und schnürten die Gäste in ihrer eigenen Hälfte ein. Buba Ceesay versuchte es gleich in der Anfangsphase zweimal mit einem Abschluss (3./9.). Justin Samardzic verzog ebenfalls (14.). Als Offensiv-Tempomacher Marvin Stöhr aufgrund einer Oberschenkelzerrung schon nach 17 Minuten raus musste, war es erst einmal vorbei mit der offensiven Herrlichkeit. Im Strafraum präsentierte sich der SVW zu harmlos. Bälle versprangen oder fanden den Adressaten nicht.

Waldkirch kam besser ins Match und kam seinerseits zu Chancen. Doch SVW-Keeper Sandro Keller war gegen Dominik Frassica (26.), Benjamin Mandzo (37.) und Sandro Rautenberg (45.+1) auf der Höhe. Nach einer Ecke schaufelte aus kurzer Distanz Timo Müller den Ball über die Latte (43.). Es waren also die Gäste, die zur Pause hätten führen können. Sie standen von Minute zu Minute stabiler, während der SVW im Angriffsspiel Durchschlagskraft vermissen ließ.

Das wurde nach der Halbzeit besser, was vor allem an Buba Ceesay auf der rechten Seite lag. Der drückte auf die Tube. Zweimal landeten seine flachen Hereingaben bei Ridje Sprich. Doch der Stürmer schoss nach 50 Minuten mittig Keeper Lukas Lindl ab, und nach 58 Minuten traf er das runde Leder nicht richtig.

So dauerte es bis zur 65. Minute, bis die Weiler endlich jubeln durften. David Groß schickte Samardzic, der nahm den Ball gekonnt an und mit und schoss ihn ins lange Eck – 1:0.

Zehn Minuten später geriet die Führung in Gefahr. Maximilian Maier kassierte die Gelb-Rote Karte. Eine unnötige, wie Coach Andreas Schepperle meinte. Dabei verhehlte er nicht, dass er selbst nicht ganz schuldlos gewesen sei. Denn gerade als man Maier rausholen wollte, zückte Schiedsrichter Jedediah Bartler (Brigachtal) das zweite Mal den gelben Karton. „Es war kein böses Foul, aber am Ende war es die Summe. Und wir hatten den richtigen Zeitpunkt zum Wechseln verpasst.“

Wer nun glaubte, der SVW würde mit einem Mann weniger Probleme bekommen, der hatte sich getäuscht. Denn die Weiler legten in Unterzahl nochmals eine Schippe drauf. Und Sprich avancierte zum Matchwinner. Erst überwand er nach Almin Mislimovics Zuspiel in der 84. Minute Lindl aus gut 20 Metern mit einem Heber, dann machte er erneut nach einem Assist von Mislimovic in der Nachspielzeit mit dem 3:0 alles klar.

EXTRALOB: Ein Extralob hatte Schepperle für seinen Rechtsaußen parat. „Buba hat für Entlastung gesorgt“, meinte er. Die Rede ist von Buba Cessay der läuferisch eine „Super-Partie“ abgeliefert habe. „Von ihm hört man nie viel, er liefert einfach ab. Er ist dynamisch, ballsicher und ist mit seinen Offensivaktionen für uns ganz wichtig.“

DOPPELPACK: Ridje Sprich hat wieder zweimal zugeschlagen. „Die schwierigen Bälle hat er reingemacht“, resümierte Schepperle. Zuvor ließ der SVW-Angreifer noch zwei einfachere Chancen liegen. „Wichtig ist, dass wir Ridje ins Spiel einbeziehen und er seine Möglichkeiten bekommt.“

ZU NULL: Dass der SV Weil erstmals in dieser Saison ohne Gegentor geblieben ist, freut natürlich den Trainer. Weitestgehend agierte man auch in der Defensive sicher. Individuelle Fehler waren diesmal Mangelware. Und wenn ein Waldkircher dann doch mal durch war, stand da immer noch Sandro Keller im Kasten. Diesmal agierte er fehlerlos. „Wenn er gefordert wurde, war er parat“, stellte Schepperle fest.

AUFSTELLUNG: Der Weiler Coach kann aus dem Vollen schöpfen. Diesmal saßen Kicker wie Alessio Lo Russo, Thanh Nam Do Le, Hannes Kaiser und vor allem auch Almin Mislimovic zu Beginn auf der Bank.

AMPELKARTE: Die Gelb-Rote Karte war für die Kicker des SV Weil wohl der nötige Knall, den es brauchte, um die Heimpartie gegen keinesfalls chancenlose Gäste aus Waldkirch zu gewinnen. Die Weiler rissen sich nach Maiers Ampelkarte am Riemen. „Mit einem Mann weniger haben alle nochmals zehn Prozent draufgelegt“, freute sich Weils Trainer Andreas Schepperle.   

                Mirko Bähr

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