Geflüchtete in Steinen Alltag in Wohncontainern für Flüchtlinge sehr monoton

Kathryn Babeck
Die Container für Geflüchtete stehen schon fast eineinhalb Jahre beim Bahnübergang H20 in Steinen. Foto: Müller

Seit fast eineinhalb Jahren leben Geflüchtete in den Containern in Steinen. Wie der Alltag dieser Menschen aussieht, darüber hat unsere Zeitung mit Christine Ableidinger-Günther gesprochen.

Seit Jahren arbeitet Christine Ableidinger-Günther mit Geflüchteten. Sie ist in Steinen die Sprecherin des „Arbeitskreis Miteinander“, der sich um die Integration dieser Menschen kümmert.

Seit langem engagieren Sie sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Warum tun Sie das?

Meine Familie hat auch eine Flüchtlingsgeschichte. Meine Mutter und Großmutter kommen aus Südmähren (Tschechien). Ich bin in Wien aufgewachsen. Als damals die jugoslawischen Gastarbeiter nach Wien kamen, haben meine Tante und meine Mutter gesagt. ’Wir haben auch nichts geschenkt bekommen.` Das hat mich wütend gemacht. Der Umkehrschluss, Hilfe, wäre mir lieber gewesen.

Bei dieser Arbeit lerne ich viel über andere Gesellschaften. Die Leute sind fremd, sehen fremd aus. Wenn ich mit ihnen spreche, merke ich jedoch die gleiche menschliche Reaktion.

Die Container stehen seit fast einem Jahr bei beim H20-Bahnübergang. Wie sieht der Alltag der Menschen dort aus?

Die Situation beschreibe ich gerne mit: Es ist wie Camping, das macht man mal im Urlaub, aber nicht auf Dauer.

Die Container haben zwei Stockwerke, sind schlecht isoliert. In einem Raum leben drei Personen mit Stockbetten. Auf dem Flur gibt es einen Duschraum mit zwei, drei Duschen. Wenn die Menschen kochen wollen, müssen sie in einen anderen Container gehen. Die Lebensmittel müssen sie hin- und hertragen.

In den einzelnen Räumen sind aus Brandschutzgründen keine Holzmöbel erlaubt, hingegen gibt es viel Plastik und Blech. Gebetsteppiche sind gestattet. Es gibt auch keinen Gemeinschaftsraum. Wenn man sich treffen will, geht es nur draußen, bei warmen Wetter.

Sie sagen, viele Menschen kommen mit Enthusiasmus hierher, wollen arbeiten, aber können nicht. Warum?

Die Menschen landen auf dem Wartegleis, weil die Bearbeitung von Anträgen so lange dauert. Irgendwann verlieren sie ihre Energie. Das Nichtstun kann in einer solchen Situation extrem anstrengend, ja schädlich, sein. So hat jüngst ein junger Syrer eine Arbeit in der Nähe des Bodensees erhalten, aber bisher keine Erlaubnis dorthin zu ziehen.

Wie viele Menschen leben dort?

Stand 1. Dezember leben dort 93 Personen. Acht Familien mit 20 Kindern unter 14 Jahren sind in den Containern untergebracht. 45 alleinreisende Männer leben auch dort. Viele von ihnen haben Familien, die sie nachholen wollen.

Unter den Geflüchteten gibt es viele Kurden, die aus der Türkei stammen. Syrer und Afghanen leben ebenso hier.

Um die Kinder machen Sie sich große Sorgen. Wo sind die zentralen Probleme?

Was macht man mit Kindern auf der Flucht? Oft wissen die Eltern nicht, wie es weitergeht. Das merken die Kinder. Auch ist die politische Situation belastend. Die Familien bekommen mit, dass die Stimmen lauter werden, die sagen, ihr seid nicht willkommen.

Es gibt Kinder, die haben motorische Schwierigkeiten, andere sind extrem aggressiv oder hyperaktiv.

Wie sieht die Schulsituation aus?

Die Grundschüler gehen in Steinen zur Schule. Für die Lehrer sind sie eine Belastung. Diejenigen, die noch nicht so weit sind, besuchen in Höllstein die Vorbereitungsklasse. Dort betreuen zwei Frauen aus der Ukraine die Kinder.

Welche Zukunftsperspektiven gibt es?

Jeder von den Geflüchteten schaut nach sich. Die Menschen sind in einer Konkurrenzsituation. Ein Gemeinschaftsgefühl wäre jedoch wichtig.

Manche warten eineinhalb Jahre auf ihren Bescheid. Die Menschen stellen im Erstaufnahmelager einen Antrag. Sie müssen beweisen, dass sie gefährdet sind, dann erhalten sie Asyl. Nach dem Anhörungsprozess wird das Gesagte evaluiert, sicherlich auch nachrecherchiert. Neulich hatten Syrer aus der Unterkunft ein solches Interview. Sie sagten, es sei gut gelaufen.

Zur Person

Christine Ableidinger-Günther
 ist in Wien geboren.

Die ehemalige
Lehrerin ist 68 Jahre alt, verheiratet und lebt seit 35 Jahren in Steinen.

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