Grenzach-Wyhlen Alamannen sichtbar machen

Ins kleine Museum „Emilianum“ in Grenzach ist wieder Leben eingekehrt. Ab sofort ist es wieder jeden Sonntagnachmittag geöffnet. Der dahinterstehende Förderverein hat für die kommenden Monate aber noch einiges in petto. Höhepunkt wird eine Alamannen-Ausstellung im September.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. „Die Alamannen sind hier völlig unterrepräsentiert“, sagt Kurt Paulus, der dem Emilianum-Förderverein vorsitzt. Paulus spielt damit auf die starke Präsenz der römischen Vergangenheit in der Region an, sichtbar zum Beispiel in Augusta Raurica, in Kaiseraugst, in der Grenzacher Römervilla sowie vielen weiteren Mauern von Bauernhöfen (villae rusticae, etwa in Brombach und Nollingen) oder Wachtturmfundamenten auf Schweizer Hochrheinseite.

Warum dies so ist? „Ganz einfach: Die Römer haben uns viele Steinmauern hinterlassen, die Alamannen jedoch nicht. Was man von ihnen findet, sind Gräber. Und diese wurden oft zerstört“, umreißt es Paulus. Und doch sind sie da, die Zeugnisse einer Epoche, in der – so sagen die Historiker – ein bunt zusammengewürfelter Haufen (alle Mannen) unsere Region besiedelte.

Noch heute – zuletzt 2016 in Wyhlen – stößt man immer wieder auf alamannische Gräberfelder. Friedrich Garscha schreibt in seinem Werk „Die Alamannen in Südbaden“ über Wyhlen, dass nördlich der Ritterstraße ein Friedhof mit einer West-Ost-Ausdehnung von rund 200 Metern gelegen habe. „Selbst bei lockerer Belegung dieses Fundraums würde sich ein Reihengräberfeld ergeben, das in der Größenordnung alle bisherigen Friedhöfe des rechtsrheinischen Gebiets in den Schatten stellt“, heißt es dazu. Die dichtere Lage der bisher beobachteten Gräber im Bereich des Wyhlener Bahnhofs und im Gebiet der ehemaligen Solvay einerseits und nördlich der Ritterstraße andererseits lasse auf mindestens zwei Friedhöfe oder, wie in Herten, an einen Hauptfriedhof mit vorgelagerten kleineren Friedhöfen oder Gräbergruppen denken.

Kurt Paulus berichtet, dass zwischen den Jahren 1931 und 1956 insgesamt 55 Grabgruben bekannt geworden seien. Sein Mitstreiter, der Archäologe Bernhard Greiner, habe ihm gesagt, dass für dieses Gräberfeld sogar ein Grabungsschutzgebiet angelegt worden sei. Trotzdem sei das gesamte Gelände seit den 1930er Jahren ohne weitere Überwachung zugebaut worden.

Um den Alamannen nun ein wenig von dem Platz zurückzugeben, der ihnen regionalgeschichtlich betrachtet gebührt, und sie aus dem „Schatten“ der Römer zu holen, organisiert der Förderverein Emilianum eine Alamannen-Ausstellung. Dazu arbeitet das Team um Kurt Paulus sowie Claudia und Bernhard Greiner mit dem Alamannenmuseum Vörstetten zusammen.

Die Exposition in Grenzach soll am 5./6. und am 12./13. September stattfinden. Geplant sind unter anderem ein Expertenvortrag von Claudia Greiner, eine Ausstellung im Emilianum und einem Zelt sowie dazu authentische Alamannen-Vorführungen mit Familie Eulenberg. Auch steuert der Emilianum-Verein in diesem Kontext etwas zum Sommerferienprogramm bei. Ziel ist es, den Jugendlichen die Alltagskultur der Alamannen durch praktisches Erlernen näherzubringen.Geplant sind beispielsweise Kochen, Bänderflechten, Stockbrot, Runenlegen, Schmieden, Bogenschießen und Handtöpfern. „Mit all dem hoffen wir, die Alamannen zurück ins Bewusstsein zu holen. Sie werden hier einfach nicht genug gewürdigt“, umreißt Paulus die Idee hinter dem aufwendigen Projekt.

Weitere Veranstaltungen am Emilianum:

Der Förderverein Emilianum plant des Weiteren unter anderem Lesungen mit Marion Fennel-Stüber („Kogi in Bedrängnis“, 4. Juli), Ralf Dorweiler („Der Gesang der Bienen“, 11. Juli) und Carola Lambelet am 19. September (Thema noch offen). Alle Lesungen finden bei gutem Wetter am Emilianum statt. Bei Regen trifft man sich unterm Trottendach.

Weitere Informationen: Das Emilianum befindet sich im ehemaligen Quellenhäuschen im Emilienpark in Grenzach. Es ist ab sofort wieder jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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