Grenzach-Wyhlen Als Grenzach-Wyhlen weiterentwickelt als Stuttgarter Raum war

Rolf Rombach
Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart: Neben den Fundamenten der Grenzacher Römervilla stellt Kuratorin Claudia Greiner (Mitte) die erneuerte Ausstellung zum „Leben am Limes“ vor. Immer wieder wird der Vergleich zwischen dem Rems- und Rheintal gezogen. Foto: Rolf Rombach

Die Ausstellung „Leben am Limes“ wird in der Römervilla mit einer Vernissage eröffnet. Interessante Vergleiche bringen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Tage.

Keine Siedlung in Deutschland und Baden-Württemberg liegt weiter weg von der Bundes- und Landeshauptstadt als die Doppelgemeinde Grenzach-Wyhlen. Doch vor rund 2000 Jahren war die Situation deutlich anders: Die Grenze durchschnitt das Remstal, der heutige Stuttgarter Raum war am Rande des römischen Reichs. 200 Kilometer davon entfernt genossen die Menschen die Errungenschaften der frühen Zivilisation.

Sie hatten durch die Großstadt Augusta Raurica viele Vorzüge, keine Sorgen vor Krieg und Plünderungen, denn der Hochrhein lag eben im Landesinneren. Bis zu 25 000 Einwohner zählte die hiesige Colonia in ihren erfolgreichsten Jahren.

Neue lokale Schautafeln

Im Jahr 2005 erstellten die promovierten Historiker Claudia und Bernhard Greiner für den Rems-Murr-Kreis eine Wanderausstellung über den römischen Schutzwall Limes und das dortige Leben. 17 Orte wurden damals besucht. Nun wurde für Nummer 18 eine neue lokale Ergänzung gemacht. „Es war eine Herausforderung, an Informationen zu kommen“, erzählte Claudia Greiner bei der Vernissage zur Ausstellung in der Römervilla. Zu wenig Struktur gab es im Stuttgarter Raum durch die Römer. Die Hinterlassenschaften zum Teil sehr spärlich, da in der Anfangsphase eben viel aus Holz gebaut wurde. Meist waren nur kleine Handwerker- und Händlersiedlungen dort.

Claudia Greiner (rechts) stellte die Schautafeln der Ausstellung mit einigen Hintergrundinformationen vor. Foto: Rolf Rombach

Anders hingegen präsentiert sich das Ende des Hochrheins: Unzählige Funde, noch teilerhaltene Gebäude, oder zumindest das Steinfundament und sogar eine bereits im 18. Jahrhundert erstellte Forschungsarbeit stellten das Ehepaar vor die Qual der Wahl, sich auf wenige Punkte aus den Bergen an validierten Informationen festzulegen.

Machtdemonstration Limes

Während der Rhein heutzutage mehrfach als natürliche Grenze herhält, hatten die Römer im Norden des heutigen Stuttgarts mehr Wahlfreiheit. Was verwundert und zugleich beeindruckt: Aus wissenschaftlich nicht geklärten Gründen entschieden sich die Besatzer zum Teil für eine kerzengerade Befestigung. „Wir haben hier ein 80 Kilometer langes Stück Limes. Die größte Abweichung sind 40 Zentimeter“, hob Claudia Greiner die beeindruckende Bauleistung hervor, welche sich nicht – wie sonst zu erwarten – an der Topographie orientierte. „Vielleicht haben sie sich damals gestritten und ein Befehlshaber hat dann ein Machtwort gesprochen“, erwog die Expertin ihre persönliche Theorie.

Am Hochrhein profitierte man indes von der guten Lage an mehreren wichtigen Verkehrswegen und fehlenden kriegerischen Auseinandersetzungen. Nach Schaffung der Grundlagen konnten repräsentative Gebäude angegangen werden. Ob Tempel, große Gutshöfe oder mit Mosaiken verzierte Bäder – es machte sich bemerkbar, dass die Römer rund 100 Jahre früher am Rhein ankamen als an Rems und Murr.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung kann an Sonn- und Feiertagen in der Grenzacher Römervilla (Hauptstraße 25) von 15 bis 18 Uhr besucht werden. Gruppen können einen Termin bei Helmut Bauckner vereinbaren (Tel. 07624/1813).

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