Grenzach-Wyhlen Ambitionierte Kunstinsel

 Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Grenzach-Wyhlen. Ein erster Rundgang durch die aktuell eingerichtete Ausstellung „Die Kunst“ zeigt: gelungen! Es war aber auch nicht anders zu erwarten von einem Künstler und Kurator, der viele Jahre die Regio Art in Lörrach organisiert hat, die nicht mehr stattfindet, und der Grenzach-Wyhlen nun zu einer kleinen Kunstinsel macht.

Klaus Kipfmüller ist der Initiator dieser Schau, mit der er ein neues Ausstellungsformat platziert, das sich etablieren dürfte. In diesen Ausnahmezeiten braucht es eine gehörige Portion Mut, um sich in ein solches Kunstabenteuer zu stürzen. Vor allen Dingen braucht es kuratierte Ausstellungen, meint Kipfmüller, der in dieser Sammelschau Künstler präsentieren will, die eine professionelle Arbeitsweise verfolgen.

Man kann „Die Kunst“ als kleine Kunstmesse ansehen, zumal die Präsentation durch gemietete Stellwände und Kojen messeartig aufgebaut ist, um so viel wie möglich Stellfläche und Laufmeter herauszuholen. Die Regio Art war von den Räumlichkeiten her eher ein Kompromiss; das Haus der Begegnung bietet einen großen, hellen, lichten Saal, der sich gut mit Kunst bespielen lässt.

Kipfmüllers ursprüngliche Idee war, Plastiken mit Malerei zu kombinieren. Das ließ sich nicht realisieren, bis auf wenige Ausnahmen. Er hat aber eine gute Lösung gefunden und vereinzelt Skulpturennischen im Raum geschaffen. Die Ausstellung arbeitet mit der Raumsituation. So fallen die kleine Skulpturenecke mit Arbeiten aus Naturstein von Uli Olpp und die originellen Objekte mit filigranen Figürchen der Baslerin Natascha Schmid-Berger gleich auf.

Einen Dialog zwischen Malerei und Skulptur gibt es in der Koje von Dagmar Henneberger, deren abstrakte Mischtechniken mit Keramikarbeiten von Margitta Thurnheer korrespondieren. Schon im Foyer gelingt dieses Zusammenspiel wie nicht anders zu erwarten bestens bei dem Künstlerpaar Ania Dziezewska und Volker Scheurer. Die Malerin und der Bildhauer haben Erfahrung in gemeinsamen Ausstellungen und nutzen den Eingang für Aha-Erlebnisse.

Gesellschaftskritisch

Der flexible und kreative Scheurer hat ein „Skulpurenbuffet“ aufgebaut mit kleinen anekdotischen Plastiken, darunter ein brandneues „Schwarzwaldmädel“, ansonsten führt er seine gesellschaftskritischen Bronze-Serien fort. Dziezewskas großformatige Gemälde haben mit Sommer und Sonne zu tun.

Das mit dem Wolf ist eine andere Geschichte: Scheurers Kunstedition für den Tierpark Lange Erlen ist eine Aktion für das neue Wolfsgehege (der Spatenstich war bereits). Teile des Erlöses aus Wolfsbild und -skulptur gehen an den Tierpark. Im Entree stößt man auch auf die nur auf den ersten Blick verspielt-zeitkritischen „Global Warning Puppets“ der AnRa-Brüder Andreas und Ralph Hilbert vom Künstlerhaus Lottstetten.

Zu entdecken ist die spannende Künstlerwelt von Grenzach bis Freiburg und der Schweiz. Das Spektrum der künstlerischen Techniken der 24 Teilnehmer ist sehr breit und vielseitig, reicht von einer großen Fülle an Malerei wie den visuellen Kurzgeschichten in den kleinen Frauenporträts von Ellen Mosbacher bis zu dem dynamischen Action Painting von Petra Heck.

Der ortsansässige Künstler Gerd Paulicke steuert mit seinem großen Selbstporträt, aufgetragen mit bröckeligem Ton, einen der auffälligsten Hingucker bei. Seine Serie aus lackierten Luftkissen ist ein (selbst?-)ironischer Hinweis auf den Kunstbetrieb. Ein weiteres „Heimspiel“ hat der Fotodesigner Michael Vester mit malerisch aufgelösten Fotoimpressionen.

Es begegnen einem viele vertraute Namen, die man von der früheren Regio Art kennt. Etwa Jörg Bernauer, der Himmel- und Wolkenbilder mitbrachte, oder Hans-Jürgen Vogt, der mit Frauenakten und Uhus aufwartet, darunter raffinierten Rostbildern. Ins Auge fallen auch die perspektivisch ungewöhnlichen Architekturfotografien von Harry Lieber.

In seiner „City“-Serie ist Initiator Klaus Kipfmüller weitgehend seiner konkreten Linie treu geblieben. Die zweite Auflage der Ausstellung „Die Kunst“ ist für nächsten Herbst vorgesehen.    Bis 19. September, täglich 12 bis 20 Uhr

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