„Die Geigerin hält ja ihren Bogen ganz anders als ich“, bemerkte ein offenbar ebenfalls Violine spielendes Mädchen im Publikum während des Konzerts des Landesjugend-barockorchesters Baden-Württemberg.

Von Willi Vogl

Grenzach-Wyhlen. In der katholischen Kirche St. Michael Grenzach fand auf Einladung des Vereins für Heimatgeschichte Grenzach-Wyhlen das erste von sechs Neujahrskonzerten statt. Für ihre Konzerte im Land sind die jungen Musiker des 2015 gegründeten Orchesters nach ihrer einwöchigen Probenphase in Freiburg bestens gerüstet. Bei diesem Konzert wich nicht nur der eine oder andere Handgriff von der modernen Spielweise ab. Damit war vor allem ein etwas anderes Klangbild verbunden. Sachkundig und motivierend angeleitet wurden die jungen Musiker von ihrem künstlerischen Leiter Gerd-Uwe Klein und den Mentoren des Freiburger Barockorchesters Carsten Lorenz, Petra Müllejans, Ulrike Kaufmann und Guiodo Larisch. So konnte das Publikum in der voll besetzten Kirche barocke Aufführungspraxis in jugendlicher Begeisterung erleben.

Zu hören gab es in dem knapp zweistündigen Konzert barocke Meister mit unterschiedlichen Handschriften und nationalen Prägungen. Wenngleich sich Georg Muffats Sonata 5 aus Armonico Tributo ausladend und etwas amorph zeigte, waren doch im zweiten Adagio eindringlich musizierte Dissonanzen und in der Passacaglia Grave bewegte wie bewegende Bassfiguren zu bewundern. Hingegen präsentierte sich der Niederländer Michael Ernst Heinsius etwa in den Ecksätzen seiner Sinfonia op. 2 Nr. 4 mit schlichter Fröhlichkeit.

Neben stilsicherer barocker Musizierpraxis im Orchester ist die Entwicklung von solistischem Spiel ein weiteres pädagogisches Ziel. So konnten sich Cosima Schulze (Violine), Caroline Adam (Viola) und Clara Arnold (Violoncello) in Pietro Antonio Locatellis Concerto grosso op. 1 Nr. 4 mit einnehmenden Beiträgen zeigen. Die aufmerksam aufeinander abgestimmte Punktierung im Largo und die teilweise furiose Artikulation im Allegro ließen Locatellis Werk als originelle Klangrede seiner Zeit wirksam werden.

Da es in den einzelnen Regionen des damaligen Europas noch keine einheitliche Stimmungsnorm gab, führte dies konsequenterweise im Konzert zu längeren Umstimmpausen. So musste etwa Vivaldis Violinkonzert aus La Cetera Op. 9 Nr. 5 von der weicheren Stimmung mit 415 Hertz in die strahlendere Stimmung mit 440 Hertz hoch- und anschließend wieder heruntergedreht werden. Die damit verbundenen Intonationshürden wurden überwiegend bravourös gemeistert.

Vivaldis Violinkonzert erfordert differenzierte Artikulationen und gab den beiden Violinistinnen Esther Danckaert und Lara Stegen schöne Gelegenheit zu solistischem Spiel. Dabei überzeugte vor allem Esther Danckaert mit sattem Strich und filigraner Figürlichkeit.

Mit einer bereits technisch reifen und gleichermaßen ausdrucksstarken Interpretation wurde man von Johanna Boehm bezaubert. In Georg Philipp Telemanns Ouverturen-Suite TWV 55:a2 tänzelte ihre zarte Altblockflöte in Les Plaisirs über einer sensibel getupften Orchesterbegleitung oder schlug in der harmonisch gewichtigen Réjouissance quirlige Kapriolen.

Gerd-Uwe Klein leitete die Interpretation nach historischem Vorbild als mitmusizierender Violinist und animierte das Orchester mit plastischer Bogenführung zu präzisem wie gleichermaßen intensivem Spiel.