Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen soll in den beiden Ortskernen gewisse „Schutzzonen“ definieren, in denen ein besonderes Augenmerk auf den Erhalt historischer Bausubstanz gelegt wird. Einen dahingehenden Vorstoß unternahm Freie-Wähler-Ratsherr Peter Weber am Dienstagabend im Technischen Ausschuss des Gemeinderates.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Offenbar gibt es doch einige Bürger, die sich um den Erhalt der nicht mehr allzu üppig vorhandenen baulichen Zeugnisse aus der Vergangenheit in Grenzach und Wyhlen sorgen. Weber berichtete im Ausschuss, angesichts zunehmender baulicher Aktivitäten und Veränderungen in den Ortsteilen regelmäßig darauf angesprochen zu werden. „Viele Bürger würden sich eine Art Schutzzone wünschen“, sagte er. Eine oder mehrere solcher „Zonen“ könnten seiner Meinung nach fest definierte Straßenzüge umfassen, „auf die man ein Auge wirft“. Denn gerade in den vergangenen Jahren sei in beiden Ortsteilen doch einiges an historischer Bausubstanz abgebrochen beziehungsweise stark verändert worden, was Auswirkungen auf das jeweilige Ortsbild habe.

Weber regt „eine große Begehung“ an, um zu erfassen, was wo an Erhaltenswertem vorhanden sei. An diesem Rundgang sollten neben Gemeinderäten auch Vertreter des Heimatgeschichtsvereins und andere sachkundige Bürger teilnehmen, schlug Weber vor. „Wir sollten das Ganze nicht nur von oben, also unter dem Aspekt des Denkmalschutzes betrachten, sondern quasi von unten“, hielt das Mitglied der Freien Wähler fest.

Anlass für Webers Vorstoß ist die Rücknahme eines Baugesuchs vom Betreiber des Restaurants „Zum Ziel“, das deshalb von der Tagesordnung des technischen Ausschusses abgesetzt worden war. Ursprünglich hatte der Eigner einer der geschichtsträchtigsten und ortsbildprägendsten Liegenschaften in Grenzach vorgehabt, vor dem jahrhundertealten Gasthof, der einst die Grenze zwischen Vorderösterreich und der Markgrafschaft markierte, einen großen Wintergarten zu errichten. Da dies die Frontansicht des liebevoll restaurierten und ansehnlichen Hauses entscheidend verändert hätte, hatte Weber bereits in der vergangenen Sitzung des Gemeinderates „Widerstand“ dagegen angekündigt (wir berichteten).

Die Frage danach hat sich aber nun erledigt. Trotzdem lassen derartige – oftmals wohl wirtschaftlichen Interessen geschuldete – Vorstöße dem Ratsherrn der Freien Wähler keine Ruhe.

Auch Bürgermeister Tobias Benz könnte sich mit der Idee eines sensibleren Umgangs mit den baulichen Zeugen der Vergangenheit anfreunden. Man könne eine Art „niederschwelliges Bewusstsein“ schaffen, sagte der Rathauschef und zog als mögliches Instrument den Erlass einer Unterhaltungssatzung heran. Eine solche sei aber ein durchaus schwieriges Steuerungsinstrument, da sie einen gewissen Eingriff in das private Eigentumsrecht bedeute, hielt der Rathauschef fest. Der Erlass einer solchen Satzung sei aber „durchaus denkbar“. Auch der Ruf nach mehr Sensibilität im Umgang mit baulichen Zeugnissen der Vergangenheit sei angebracht, sagte Benz.

Anhand der Reaktion des Bürgermeisters ist davon auszugehen, dass dieses Thema in den verschiedenen Gremien erneut aufs Tapet kommen dürfte.