Grenzach-Wyhlen Die Stunde der inneren Einkehr

Es ist vollbracht: Das Leimentaler Kammerorchester unter Wim Viersen (Zweiter von rechts) bekam kräftigen Applaus. Foto: Gottfried Driesch

Grenzach-Wyhlen - Wir stehen unmittelbar vor der Passionszeit. Im Christentum versteht man darunter das Leiden und Sterben Jesu Christi. Seit dem Mittelalter haben Komponisten diese Leiden in musikalischen Werken ausgedrückt. Ein besonderes Werk zu dem Passionsthema erklang am Mittwochabend mit Joseph Haydns „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ in der evangelischen Kirche Grenzach.

Besonders im 17. und 18. Jahrhundert blühte die Zeit der Passionsmusiken. Die vielleicht bekanntesten Werke sind die großen Passionen nach den Evangelien des Matthäus und Johannes von Johann Sebastian Bach. Aber fast jeder Komponist, der etwas auf sich hielt, komponierte in dieser Zeit eine Passion.

Der Ruf von Joseph Haydn (1732 bis 1809) war – auch ohne Fernsehen und Internet – bis nach Spanien gedrungen. Von einem Pater aus Càdiz (Andalusien) wurde Haydn gebeten, eine Instrumentalmusik zu diesen sieben letzten Worten zu schreiben. Diese Worte, besser: Sätze, stammen aus allen vier Evangelien, sagte Helmut Bauckner vom Verein für Heimatgeschichte in seiner Einleitung. „Die Evangelien sind keine Reportagen. Die meisten Verfasser waren keine Augenzeugen“, hieß es dazu.

Haydn sah sich nun vor der Aufgabe, das Geschehen am Kreuz musikalisch ganz ohne Worte nahezubringen. Alle sieben Sätze einschließlich der Einleitung sind in langsamem Tempo komponiert. Dieses Werk zu hören, ist die Stunde der inneren Einkehr. Der Zuhörer muss das Gehörte zu Bildern und Empfindungen umsetzen.

Das Leimentaler Kammerorchester unter der künstlerischen Leitung von Konzertmeister Wim Viersen schuf dafür beste Voraussetzungen. Höchst einfühlsam spielten die 16 Streicher die einzelnen Teile.

Christa Bauckner sprach dazwischen einige Worte zur Besinnung. Mit dem Ausspruch „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23,34) schlage Jesus den Bogen zur Bergpredigt, in der es heißt: „Liebet eure Feinde.“ Wenn Jesus sagt: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23,43), so könne die ganze Menschheit auf Vergebung hoffen. Der Satz: „Weib, siehe, das ist dein Sohn. – Siehe, das ist deine Mutter“ (Johannes 19,26) führe erschütterte Menschen zusammen und schaffe Beziehungen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46) – auch wir fragen uns das manchmal mit dem „Warum“ nach schweren Schicksalsschlägen.

Das Wort: „Mich dürstet“ (Johannes 19,28) nimmt Bezug auf das Alte Testament. Johannes schreibt dazu, „damit sich die Schrift erfüllte“.

Auch bei Johannes (19,30) steht: „Es ist vollbracht.“ Meinte er damit die Erlösung der Menschheit? Das wird hier nicht deutlich.

„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lukas 23,46). Dazu las Christa Bauckner das letzte Gedicht von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Präzise und spannungsreich erklangen dazu die Sätze des Leimentaler Kammerorchesters. Den Abschluss bildete „Das Erdbeben“. Nach der Überlieferung verdunkelte sich der Himmel, und die Erde bebte nach dem Tode Jesu. Haydn lässt hier die Musik aufbrausen und im Sturm verklingen.

Das Passionskonzert wurde von allen örtlichen Kirchengemeinden und dem Verein für Heimatgeschichte gemeinsam veranstaltet.

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