Grenzach-Wyhlen Ein Kulturpavillon im Emilienpark

Vor 120 Jahren war man sich sicher, Grenzach wird ein Kurort! Es kam jedoch anders. Der Förderverein Emilianum will indes die Erinnerung an die „Emilienquelle“ lebendig halten und plant Großes: ein Kulturpavillon soll errichtet werden.

Von Willi Vogl

Grenzach-Wyhlen. 2018 hat der Verein im historischen Quellenhaus im Emilienpark, dem Emilianum, ein kleines Museum mit permanenter Ausstellung eingerichtet. Es werden unter anderem Artefakte aus Grenzacher Kellern und Speichern gezeigt. Kulturelle Veranstaltungen am und im Emilianum, wie Ausstellungen, Lesungen und Vorträge, nutzen das Potenzial des zentralen Ortes und machten ihn weiter bekannt.

Geschichte

1863 wurde die Quelle mit bitterem Wasser gefunden. „Man hat dem Wasser alle möglichen Heilwirkungen angedichtet und nutzte es tatsächlich vor allem als Abführmittel“, weiß Kurt Paulus zu berichten. 1880 baute Emil Schoch das Kurhaus mit 30 Zimmern und nannte es nach seinem Vornamen „Emilienquelle“. Die Besitzer hatten sich mit dem Unternehmen „Heilwasser“ durchweg übernommen. Mehrmalige Versuche einen Kurbetrieb, „Bad Grenzach“, zu etablieren scheiterten an den wirtschaftlichen und örtlichen Gegebenheiten. Man hoffte auf den Besuch der reichen Basler Bürger. Die jedoch haben zwar das Wasser gekauft, wollten jedoch nicht zum Kuren in der Nachbarschaft gehen. Das beliebte Wasser war zu wenig, um den Kurbetrieb ausreichend zu sichern. Bald wurde das Ensemble geteilt, es gab zwei Besitzer. 1930 übernahm die Riegeler Brauerei die Quelle und stellte die Förderung des Wassers auf kommerzielle Füße. Der letzte Kurhausbesitzer Kuchenmüller ließ das Gebäude verkommen, man klagte unter anderem über Hundekot im Hof und marode Toiletten. 1967 wurde das Gebäude von der Grenzacher Feuerwehr im Rahmen einer Übung abgebrochen.

Das Wasser indes fand deutschlandweit, in der Schweiz und sogar in England viele Freunde. Wenngleich der Absatz von jährlich 800 000 Flaschen Heilwasser beachtlich war, wäre die permanente Analyse des Wassers, die von den Behörden zum Ende der 1960er Jahre gefordert wurde, in keinem tragbaren Verhältnis zum Umsatz gestanden. 1972 wurde daher die Quelle an die Gemeinde Grenzach zurückgegeben und der Verkauf des Wassers eingestellt. Die Gemeinde stellte das Wasser der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung, bis die Wissenschaft vor dem Wasser warnte, weil es zu viel Natrium enthielt, welches nicht gut für Nieren und Blutdruck ist. 2004 kam das endgültige Aus für die Quelle. Heute stellt das Emilianum zusammen mit der Trotte und dem Römermuseum ein kulturhistorisches Ensemble dar, das Grenzachs Geschichte in besonderer Weise erlebbar macht.

Bauliche Planung

Für dieses Jahr plant der Förderverein Großes: Ein Kulturpavillon wird errichtet! Dieser bietet einen neuen, zusätzlichen, etwa 30 Quadratmeter großen Raum für kulturelle sowie Vereinszwecke. Damit werden Veranstaltungen wetterunabhängig, und die permanente Ausstellung im Emilianum muss nicht ständig aktuellen Ausstellungen Platz machen. „Die Roche Deutschland Holding GmbH hat dem Verein zwei Bürocontainer gespendet, die so verkleidet werden, dass der neu geschaffene Raum an den ursprünglichen historischen Pavillon am Quellenhaus erinnert“, skizziert Kurt Paulus das von langer Hand geplante Vorhaben.

Neben einer Heizung und der Stromversorgung soll auch ein Wasseranschluss installiert werden. Die Aufstellung ist durch die Baurechtsbehörde und das Landratsamt Lörrach aktuell für die nächsten zwei Jahre genehmigt. „Hut ab angesichts des tollen ehrenamtlichen Engagement des Fördervereins! Ich werbe gern dafür, dass dieser charmante Kultur- und Begegnungsraum bald Realität wird,“ bekennt sich Bürgermeister Tobias Benz mit Blick auf die anstehende Sitzung des Technischen Ausschusses.

Veranstaltungen

Als erste Ausstellung im neuen Kulturpavillon hat der Förderverein eine Gegenüberstellung von historischen und heutigen Luftbildern von Grenzach-Wyhlen geplant. Auch Lesungen mit hiesigen Schriftstellern sind vorgesehen. Im nächsten Jahr wird die Roche 125 Jahre in Grenzach sein. Hierzu soll im Kulturraum eine Veranstaltung stattfinden.

Der „Förderverein Emilianum“ ist sicher, dass die Erweiterung des Quellenhäuschens den Emilienpark kulturell aufwerten kann. Um den bisherigen Anforderungen und Erwartungen nach Ruhe und spielerischer Entspannung im Park auch weiterhin gerecht zu werden, hat der Verein konkrete Vorschläge erarbeitet.   Geschichtsinteressierte sind eingeladen, sich einzubringen. Kurt Paulus, Tel. 0173/66272 27, paulus@emilianum.de, www.emilianum.de

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