Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Das Thema interessiert: Gut besetzt waren am Mittwochabend die Stuhlreihen im Haus der Begegnung zur Informationsveranstaltung zur Schullandschaft. Rund 160 Interessierte waren gekommen, um aus berufenem Mund zu erfahren, wie es künftig in Sachen Schule und Schularten in der Doppelgemeinde weitergehen soll.

Bürgermeister Jörg Lutz bezeichnete die Veranstaltung als eine Art „Kick-off“, womit in den Prozess und die Diskussion um die Gestaltung der künftigen Schullandschaft am Ort eingestiegen werden solle. Klar machte Lutz aber mit Blick auf die Frage nach einer Real-, einer Werkreal- oder einer Gemeinschaftsschule: „Es kann nur eine geben.“

Schullandschaft verändert sich

Und schob nach: „Der Werkrealschule läutet das Totenglöcklein angesichts von nur neun Anmeldungen für das kommende Schuljahr.“ Die Eltern hätten mit den Füßen abgestimmt. Es zeige sich, so Lutz weiter, dass man mit dieser Veranstaltung, in deren Mittelpunkt die beiden Themen Ganztagsgrundschule und Werkrealschule standen, den Nerv getroffen habe.

Die Schullandschaft in Baden-Württemberg und somit auch in der Doppelgemeinde steht vor Veränderungen. Grundschulen sollen sich zu Ganztagesgrundschulen weiterentwickeln können. Und vor allem brennt in Grenzach-Wyhlen die Frage: Was wird aus der Werkrealschule? Auch steht die Frage nach einer Gemeinschaftsschule im Raum. Die Infoveranstaltung am Mittwochabend versuchte Antworten auf diese Fragen zu finden.

Auf dem Podium saßen neben dem Leiter des Staatlichen Schulamtes in Lörrach, Helmut Rüdlin, die Schulleiter aller örtlichen Schulen – Ernst Niepmann (Lindenschule), Michael Weber (Bärenfelsschule), Christoph Bigler (Realschule) und Manfred Stratz (Lise-Meitner-Gymnasium) –­sowie Bürgermeister Jörg Lutz und Hauptamtsleiter Carsten Edinger.

Zur Ganztagsgrundschule sagte Helmut Rüdlin, dass man den veränderten Lebensgewohnheiten in der Gesellschaft Rechnung tragen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten müsse. Dazu gehöre eben auch die Frage nach einer Ganztagsschule. Die Genehmigung einer solchen Schule aber sei immer an ein pädagogisches Konzept gebunden, so Rüdlin.

Ernst Niepmann hob hervor, man könne sich angesichts der Raumsituation an der Lindenschule mit ihren 260 Grundschülern nicht vorstellen, eine Ganztagsgrundschule einzurichten. Zumal man mit dem Kinderhaus eine Einrichtung habe, an der derzeit 120 Kinder verlässlich von 7 bis 17 Uhr betreut werden können. Die Lindenschule strebe keine Ganztagsgrundschule an, „wir sperren uns jedoch nicht gegen Veränderungen“, so Niepmann.

Rektor Weber von der Bärenfelsschule betonte, man habe sich Gedanken gemacht, wie man die eigene Grundschule weiterentwickeln könne. Dabei sei ein möglicher Weg, eine verbindliche Ganztagsgrundschule anzubieten. Man sei dazu bereits in einen Prozess eingetreten und habe ein Konzept entwickelt, das von einer breiten Basis getragen werde: „Jetzt hat die Gemeinde den Ball.“

Eltern rufen nach Wahlfreiheit

Von Zuhörerseite wurde es als gut befunden, dass man eine Wahlmöglichkeit bekomme, denn nicht alle Eltern würden ihre Kinder gerne in einer Ganztagsgrundschule unterrichtet sehen. Ein Wahlfreiheit sei zwingend nötig, sagte ein Besucherin unter großem Applaus.

Grenzach-Wyhlen (mh). Die Bärenfels-Werkrealschule hat mit neun Schülern nicht genug Anmeldungen, um im nächsten Schuljahr eine eigene Eingangsklasse bilden zu können. „Eine klare Abstimmung der Eltern gegen die Werkrealschule“, kommentierte Helmut Rüdlin – das könne das Ende der Werkrealschule bedeuten. Bürgermeister Jörg Lutz wiederum räumt einer Gemeinschaftschule keine Zukunftschancen ein und stellte fest: Einen Konsens zwischen Realschule und Werkrealschule gebe es nicht.

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Bärenfelsschule und der Realschule habe kein gemeinsames Konzept für eine Gemeinschaftsschule hinbekommen. Michel Weber betonte, seine Schule habe die Gemeinschaftsschule angestrebt. Man werde die neun angemeldeten Kinder nicht wegschicken. Konrektorin Gabriele Kaltenbach stellte dazu kurz ein Konzept der Bärenfelsschule vor.

Christoph Bigler hielt die Arbeit der Realschule dagegen. 402 Schüler würden derzeit in 16 Klassen unterrichtet . Man hab verstärkt die Kooperation mit den Grundschulen gesucht und das eigene Konzept angepasst. Es sei möglich, so Bigler, dass der Hauptschulabschluss auch an der Realschule erworben werden könne.

Elternbeirätin Katja Stagnier forderte nachdrücklich die Einbeziehung der Eltern in den Prozess. Bürgermeister Jörg Lutz betonte, man stehe ganz am Anfang und werde nicht an den Eltern vorbei entscheiden. Und: „Ob Werkrealschule, Realschule oder Gemeinschaftsschule: Es kann nur eine Lösung geben – und zwar eine, die für Grenzach-Wyhlen passt.“