Grenzach-Wyhlen Firma Wetzel schließt

Tim Nagengast , aktualisiert am 23.11.2022 - 15:37 Uhr

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Die Wetzel GmbH ist am Ende. Die in der Wyhlener Solvay ansässige Firma wird zum 31. März geschlossen. Auf Anfrage bestätigt die Saueressig- Gruppe Informationen unserer Zeitung, wonach bei dem Produzenten von Druck- und Prägeformen für die Verpackungsindustrie genau 100 Jahre nach Gründung die Lichter ausgehen. Es war zuletzt ein Sterben auf Raten. Rund 70 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze.

Die Saueressig-Gruppe beziehungsweise die US-amerikanische Matthews International Corporation, zu der die Wetzel GmbH seit zehn Jahren gehört, hatte zuletzt noch einiges in die Waagschale geworfen, um das Werk in Wyhlen zu retten – ohne Erfolg.

Corona-Krise schlägt stark ins Kontor

Nachdem Aufträge und Umsätze in den Corona-Jahren ab 2020 stark zurückgegangen waren, wurde im Wyhlener Werk mehr als die Hälfte der bis dato noch knapp 200-köpfigen Belegschaft abgebaut. Das Gros der noch verbliebenen Mitarbeiter wurde außerdem für lange Zeit in Kurzarbeit geschickt. Befristete Verträge wurden nicht mehr verlängert. Andere Mitarbeiter wechselten in eine Transfergesellschaft.

Neustrukturierung führt nicht zum Erfolg

Wetzel fuhr, wie es damals vonseiten des Unternehmens hieß, regelrecht auf Sicht. In diesem Zuge wurden Teile der unternehmenseigenen Flächen und Gebäude veräußert und die Firma selbst neu strukturiert.

Noch im Sommer des vergangenen Jahres hatte es bei Saueressig Bestrebungen gegeben, die Firma Wetzel zu einem Zentrum für Tiefdruckzylinder für die flexible Verpackungsindustrie zu machen. In diesem Kontext war stets die Hoffnung aufgekeimt, die Krise und den Transformationsprozess zu überstehen. Auf kleinerer Fläche und mit nur noch rund 80 (Sommer 2021) statt 150 (Frühjahr 2021) Mitarbeitern. Doch diese Mühen waren vergebens.

Marktverbesserung ist nicht in Sicht

Nach exakt einem Jahrhundert und vielen erfolgreichen Jahren plant die Konzernleitung nun die Schließung der Wetzel GmbH zum 31. März 2023. Trotz der Konsolidierung und tiefgreifender Restrukturierungsmaßnahmen am Standort in Grenzach-Wyhlen sei es in den vergangenen Monaten nicht gelungen, ein positives operatives Ergebnis zu erwirtschaften, wie die Saueressig-Gruppe in einer Stellungnahme mitteilt. „Eine grundlegende Verbesserung des Marktes in den nächsten Jahren ist nicht zu erwarten, stattdessen muss von einem weiteren Rückgang der Umsätze aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage in Europa ausgegangen werden“, wird das Management der Wetzel GmbH in dem Papier zitiert.

Weiter heißt es: „Es bestehen nach unserer Erwartung keine weiteren Möglichkeiten zur Kostenreduzierung, um bei Fortführung des Betriebs ein positives Ergebnis zu erzielen.“ Die Konzernleitung plane daher, unter Berücksichtigung der Beteiligungsrechte des Betriebsrats, den Produktionsstandort Grenzach-Wyhlen auf Ende März zu schließen.

Mitarbeiter sind informiert

Trotz der schwierigen Situation bemühe sich das Management in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat darum, eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden, heißt es außerdem. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat und den rechtlichen Vertretern hätten bereits begonnen. Die Belegschaft sei im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert worden.

Rund 70 Mitarbeiter stehen derzeit noch bei der Firma Wetzel in Lohn und Brot. Sie alle verlieren Ende März ihre Arbeitsplätze. Noch keine Antwort gibt es derzeit auf die Frage, was aus dem verbliebenen Wetzel-Areal werden soll oder ob es bereits verkauft worden ist.

Die bereits an neue Eigentümer veräußerten Gebäude und Flächen sind – zumindest in Teilen – wieder mit Leben erfüllt. In einem Gebäude an der Salzwerkstraße ist beispielsweise die Firma Betaplan untergekommen. Auf dem mittleren bis südlichen Teil des alten Wetzel-Areals soll ein Reha-Gesundheitszentrum mit beachtlicher Größe und Ausstattung entstehen. Ein Bestandsgebäude soll dafür weiterverwendet werden.

Großteil des Firmenareals wurde bereits verkauft

Unbestätigten Informationen unserer Zeitung zufolge steckt hinter dem ambitionierten Projekt ein in der Region bereits in einem ähnlichen Segment tätiger Investor mit Partnern. Die Rede ist von einem Investitionsvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Errichtet werden soll offenbar ein teils klinikartiger Reha-Gesundheitskomplex mit Praxen, Massageangeboten, Physiotherapie, einer Apotheke, Übernachtungsmöglichkeiten für Patienten und Personalwohnungen. Das Projekt zielt dem Vernehmen nach auf einen größeren Einzugsbereich ab.

Ein weiterer Flächenkäufer ist außerdem die Gemeinde Grenzach-Wyhlen. Sie hatte sich im vergangenen Jahr mit Saueressig über den Kauf einer südöstlich des Unternehmens gelegenen, rund 8000 Quadratmeter großen Brachfläche geeinigt.

  • Bewertung
    15

Umfrage

Weihnachtsstimmung

Die Preise steigen, alles wird teurer. Sparen Sie dieses Jahr an den Weihnachtsgeschenken?

Ergebnis anzeigen
loading