„Kriegsgräber sind die Prediger des Friedens“: Mit diesem Ausspruch des Arztes und Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer begann Peter Exner am Freitagabend seinen Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Schulzentrum.

Von Rolf Reißmann

Grenzach-Wyhlen. Die Ausstellung „Menschen im Krieg an Ober- und Hochrhein“ entstand in enger Zugsamenarbeit badischer und elsässischer Archive. Mit dem Konzept der Personifizierung sollen große historische Zusammenhänge sehr detailliert dargestellt werden. Soldaten und Zivilisten, Politiker, Militärs und Wissenschaftler wurden dafür ausgewählt.

Exner verwies darauf, dass eine Vielzahl von Problemen, die damals aufbrachen, bis in die heutige Zeit ständig neuer Lösungen bedürfen. Schon in den Jahren des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 entzweiten politische Positionen Freunde und Familien, streiten Bevölkerungsgruppen um ihre Identität und Kultur. Die Brutalität des Krieges sei weniger mit Zahlen, sondern mehr mit dem Leiden Einzelner zu verdeutlichen. Als Wirkung in der heutigen Zeit fordere die Ausstellung dazu auf, sich umzudrehen, um Standpunkte der anderen zu verstehen. „Unsere Archive haben eine Wächterfunktion für die Geschichtsbewertung“, sagte Exner. „Oftmals führen hergebrachte Sichtweisen nicht weiter, um gesellschaftliche Abläufe vollständig zu erklären.“

Ausstellung wurde bisher an fast 30 Orten gezeigt

Die zweisprachige Wanderausstellung wurde an bisher fast 30 Orten von rund 60 000 Gästen besucht. Nicht mitgerechnet sind dabei die Ausstellungen in Brüssel und Berlin. Auch Bundespräsident Walter Steinmeier und Frankreichs Präsident Manuel Macron besuchten sie in der Gedenkstätte auf dem Hartmannsweiler Kopf. Daraufhin wandte sich Steinmeier an alle nachfolgenden deutschen Ausstellungsorte.

Bürgermeister Tobias Benz zitierte in seiner Begrüßung aus dem Schreiben des Bundespräsidenten, das Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges sei ihm ein besonderes Anliegen. Steinmeier lobt ausdrücklich die Einbeziehung von Jugendlichen und deren aktiven Mitarbeit in der Verarbeitung des Krieges in der hochrheinischen Heimat.

Benz sagte, die langfristige Vorbereitung der Ausstellung habe auch in der Gemeindeverwaltung zu mehrfachem Nachdenken über Verbliebenes aus jener Zeit geführt. So wurde auf dem Dachboden des Grenzacher Rathauses eine erhaltene Fahne aus den Kriegsjahren gefunden, die nun mit zu sehen ist. Der hier auch durch die lokale Erweiterung vorhandene starke Heimatbezug mache das Geschehen jener Jahre besonders fassbar.

Unterricht zwischen den verschiedenen Stelen

Sicherlich werde diese konkrete Darstellung des Krieges und seiner Folgen auch zu Überlegungen anregen, wie heute der jahrzehntelange Frieden und die hier gelebte Grenzenlosigkeit gefördert und erhalten werden können.

Die Schulleiter Frank Schührer und Christoph Bigler würdigten, dass die Ausstellung den Jugendlichen zeige, dass der Weltkrieg hier tobte und nicht irgendwo in der Welt. In den kommenden Wochen werden mehre Klassen Unterrichtsstunden zwischen den Stelen gestalten. Vielfach schaffen die auf den Tafeln genannten Namen für die Jugendlichen Bezüge zu Familien, die sie kennen. Etwa 70 Personen waren zur Eröffnung gekommen. Am Mittwoch, 26. September, dem nächsten Öffnungstag, präsentieren Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums ab 18.30 Uhr die Ergebnisse ihrer Projektarbeit.