Die Firma Roche hat gestern ihr am Rande der Keßlergrube eingerichtetes Besucherzentrum offiziell eingeweiht. Das Unternehmen zieht damit alle Register multimedialer Informations- und Wissenvermittlung. Von Tim Nagengast Grenzach-Wyhlen. Vorkenntnisse braucht es keine. Selbst wer noch nie zuvor gehört hat, was die Keßlergrube überhaupt ist und dass Roche ihren Anteil der Bodenaltlast komplett ausheben lässt, wird im Besucherzentrum rasch schlauer. Der „Abstieg“ ins Innere der einstigen „Giftmüllkippe“ nämlich könnte realer kaum sein. So steht der Besucher in einer Schleuse, wie sie auch die Mitarbeiter, die im kontaminierten Bereich tätig sind, passieren werden. In diesem Zwischenraum werden die Gäste via Beamer von einem Polier über das Vorhaben unterrichtet und unterwiesen. Anschließend öffnet sich die Schleusentür und gibt den Weg frei in die „Unterwelt“. Dort ist es dunkel. Eine plastisch gestaltete, braun-schwarze Wand, ein unebener Boden. Aus der Wand ragen typische Hinterlassenschaften, wie sie in der Keßlergrube vermutet werden: Autoreifen, Flaschen, Kunststoffe, rostige Kessel und anderer Müll. FOTOGALERIE Weitere Fotos unter www.dieoberbadische.de Auf der anderen Seite des Raumes offenbart sich per Beamer ein dreidimensionaler Blick auf das laufende Geschehen. Der Besucher steht nun zwischen rollenden Baggern, großen Baumaschinen, sieht ratternde Förderbänder, hört Arbeiter per Funk kommunzieren und den charakteristischen Warnton rückwärts fahrender Lastwagen – Vollaushub live sozusagen. Der nächste Raum des Besucherzentrums widmet sich dann der Darstellung dessen, wie die renaturierte und verfüllte Grube in einigen Jahren aussehen soll. Auch werden Modelle zum Thema Vollaushub präsentiert und anschaulich erläutert. Besonders originell gestaltet ist auch der erste Schauraum des Besucherzentrums: Hier findet sich eine „Zeitwand“ von der einstigen Kiesgrube bis zur heutigen abgedeckten Deponie. Dazu gibt es Texte, historische Fotos, Gegenstände aus vergangenen Jahrzehnten – darunter „Original-Müll“ aus den 50er Jahren und Fernsprechapparate, über die sich Informationen „abtelefonieren“ lassen. In den Räumen hängen als „Gag“ übrigens Blecheimer mit Seil an der Decke. Daran darf gezogen werden. Was passiert" Eine Überraschung, die hier nicht verraten wird. Weitere Informationen: Für die Besichtigung des Besucherzentrums am Heerweg muss man sich anmelden. Dazu gibt es ein Onlineformular unter http://kesslergrube.de /perimeter1/besucher/. Roche empfiehlt den Besuch für Schüler erst ab Sekundarstufe eins. Eine Führung dauert rund 90 Minuten. Die Gruppen sollten nicht mehr als 20 Personen umfassen. Ausnahmen sind nach Absprache möglich.

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