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Grenzach-Wyhlen Weg für „Power-to-Gas“ ist (fast) frei

Tim Nagengast
Die bestehende Wasserstofferzeugungsanlage wird Zuwachs erhalten. Foto: Tim Nagengast

Ohne viel Federlesens hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats am Dienstag die Pläne von „Naturenergie“ zum Bau einer weiteren Wasserstofferzeugungsanlage in Wyhlen genehmigt. Eine immissionschutzrechtliche Erlaubnis liegt aber noch nicht vor.

Die Firma Naturenergie (bis vor kurzem Energiedienst) kann damit einen großen Schritt weitergehen und ihr Millionenprojekt auf dem Wyhlener Kraftwerksareal weiterverfolgen.

Dabei marschiert die Lokalpolitik jedoch – wenn man’s genau nimmt – ein wenig vor der Musik. Denn der eigens für die „Power-to-Gas“-Pläne aufzustellende Bebauungsplan ist noch in Arbeit und somit noch gar nicht als Satzung beschlossen. Weil laut Bauamtsmitarbeiterin Christin Biermann jedoch „keine Abweichungen“ zum im Werden befindlichen Planwerk festzustellen seien, wolle die Gemeinde dem ganzen Vorhaben ein wenig entgegenkommen, zur Beschleunigung desselben beitragen und daher schon jetzt den Bauantrag genehmigen lassen. Der Ausschuss ging hier einstimmig mit.

Aber: Die für den Betrieb der Wasserstofferzeugungsanlage benötigte immissionsschutzrechtliche Genehmigung ist damit noch nicht erteilt. Dies kann erst erfolgen, wenn der Gemeinderat den entsprechenden Bebauungsplan als Satzung beschlossen hat.

Neue Werkszufahrt

Interessant vor allem für die Anwohner der Kraftwerksiedlung: Naturenergie will eine neue Werkszufahrt bauen. Und zwar von der Gewerbestraße her hinab in Richtung Rheinufer. Damit werden sowohl das Wasserkraftwerk selbst als auch die zukünftig zwei „Power-to-Gas“-Anlagen verkehrstechnisch betrachtet künftig von Westen her erschlossen. Der Zubringer- und Abfahrtsverkehr soll den Großteil der Kraftwerksiedlung damit gar nicht mehr tangieren. Die bisherige Zufahrt – hinten Richtung Auhof – bleibe aber auch in Zukunft als Option erhalten, wie Biermann im Technischen Ausschuss auf Nachfrage von Alex Drechsle (FW) klarstellte.

Um die durch die Geländetopografie bedingte drohende Steilkurve der geplanten Zufahrt abzumildern, plane der Vorhabenträger wohl „eine Art kleines Brückenbauwerk“, wie Biermann ergänzte.

Das Vorhaben

Die EnBW plant zusammen mit der Naturenergie AG im Rahmen des Projekts „Reallabor H2-Wyhlen“ die Erweiterung der bestehenden „Power-to-Gas“-Anlage. Aktuell wird der produzierte Wasserstoff über drei Abfüllstationen für Lkw-Trailer abtransportiert. Zukünftig sollen bis zu sieben Abfüllstationen realisiert werden. Der Begriff „Erweiterung“ trifft es dabei nicht ganz. Denn es wird eine weitere Anlage zur Wasserstoffelektrolyse neben der bereits im Jahr 2019 in Betrieb genommenen errichtet. Allerdings mit der fünffachen Kapazität (fünf statt ein Megawatt).

Rückblende

Gegen das erste Projekt hatte es im Vorfeld – und auch in der Zeit nach Betriebsbeginn – Widerstand gegeben. Unter anderem hatte sich eine Bürgerinitiative dagegen formiert. Hintergrund war die Angst vor Unfällen und Explosionen im Anlagebereich und einem erhöhtem Verkehrsaufkommen in der Kraftwerkssiedlung aufgrund an- und abfahrender Wasserstoff-Trailer. Im Juni 2021 gab es dann in der Anlage einen Zwischenfall, bei dem aus zunächst ungeklärter Ursache Kalilauge ausgetreten war. Zwar kam dabei niemand zu Schaden, doch die Folgen technischer Art waren nicht unerheblich. Inzwischen ist es ruhig geworden um das Thema.

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