Hasel Ein gewisser Stolz auf das Erreichte

Ralph Lacher

Nie habe er es bereut, sich als junger Verwaltungsbeamter um die Stelle des Bürgermeisters der Gemeinde Hasel beworben zu haben und damit eine Lebensaufgabe anzugehen. Das sagt der Hasler Bürgermeister Helmut Kima, der zum Stichtag 31. Dezember nach 24 Jahren Amtszeit in den Ruhestand geht.

Von Ralph Lacher

Hasel. Helmut Kima stammt aus der Hasler Nachbargemeinde Wehr im Kreis Waldshut, wuchs als 1960-er Jahrgang in Wehr auf und nahm nach Abitur und Bundeswehrzeit zuerst ein Mathematik-Lehramtsstudium in Angriff. Dieses brach er jedoch ab, weil es zu jener Zeit zu viele Lehramtsstudenten gab und nur geringe Aussicht auf eine Anstellung nach dem Studium bestand, erzählt der Bürgermeister.

„Oberbürgermeister Rainer Offergeld hat mich geprägt“

Und so wechselte er in die Ausbildung für die gehobene Verwaltungsbeamten-Laufbahn. Er lernte bei der Stadt Wehr und im Lörracher Landratsamt, studierte dann zwei Jahre an der Fachhochschule in Kehl. Und trat danach in die Dienste der Stadt Lörrach. Das war 1986 unter dem damaligen Oberbürgermeister Rainer Offergeld. Der SPD-Polit-Profi mit Regierungserfahrung habe ihn geprägt, fördernd wie auch fordernd, erzählt Helmut Kima. Unter Offergeld wurde der Wehrer in Lörrach stellvertretender Hauptamtsleiter, hatte dazu die Funktion des Ratschreibers inne und war bei Empfängen der Stadt genauso stark engagiert wie in der Städtepartnerschaft.

Helmut Kima lebte mit seiner Ehefrau im Lörracher Stadtteil Hauingen, als er es im Sommer 1998 wagte, sich in Hasel um die Nachfolge des damals nicht mehr kandidierenden Bürgermeisters Klaus Haas zu bewerben. Näher zur Heimatstadt Wehr wollte er beruflich, dazu eine Funktion anstreben, in der etwas bewegt werden kann, erzählt Kima zu seinen Bewegegründen.

Rathauschef mIt 38 Jahren – und noch zweimal wiedergewählt

Nach einem spannenden Wahlkampf mit einer stattlichen Zahl an Mitbewerbern schaffte Kima als 38-Jähriger im Oktober 1998 im ersten Wahlgang den Sprung ins Hasler Rathaus. Und wurde mit Stichtag 1. Januar 1999 Hasler Bürgermeister.

Zweimal, 2006 und 2014, wurde er mit überzeugenden Ergebnissen wiedergewählt. Nun sei es Zeit, nach 24 Jahren Platz zu machen für einen jüngeren Amtsinhaber, sagt Helmut Kima. Er scheide mit einem gewissen Stolz auf das Erreichte aus dem Amt, betont der 62-Jährige. Zu Beginn seiner Amtszeit seien große Infrastrukturmaßnahmen in den Bereichen Wasserversorgung, Kanalisation und Straßensanierung im Fokus gestanden. Aber es wurde auch eine zweite Kindergarten-Gruppe eingerichtet und ein neuer Kiosk bei der gerade vom Land auf die Gemeinde übereigneten Erdmannshöhle gebaut.

24 Jahre Bürgermeister, 42 Jahre im öffentlichen Dienst

Später wurde das Feuerwehrgerätehaus und der Dorfplatz gebaut, die Wasser- und Abwasserleitung nach Glashütten verlegt, das Bürgerhaus mit Verwaltungs-, Veranstaltungs- und Vereinsräumen komplett umgestaltet und modernisiert, der SV erhielt einen neuen Fußballplatz, die Feuerwehr ein neues Fahrzeug, der Werkhof-Neubau 2021 und die Computersteuerung für die Erdmannshöhlen-Besucher sowie ein neuer Spielplatz folgten, blickt der scheidende Bürgermeister zurück.

Der Bauernmarkt als Veranstaltung des in Hasel nach wie vor wichtigen Erwerbszweiges Landwirtschaft wurde schon im ersten Amtsjahr vom neuen Bürgermeister ins Leben gerufen, lange bevor Direktvermarktung, Regionalität und Nachhaltigkeit zu großen Themen wurden. Kima hatte mit dem Gemeinderat, mit dem ihn stets das Gemeinwohl über jegliche Parteigrenzen hinweg als wichtiges Ziel verband, natürlich auch kritische Dinge wie etwa die Windkraftanlage zu bewältigen. Ebenfalls gemeinsam mit dem Gemeinderat sowie der Bürgerschaft wurde 2009 das „Entwicklungskonzept Hasel 2025“ erarbeitet, und man beteiligte sich erfolgreich am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, bei dem auch der Slogan „Hasel - lebendiges Erdmannsdorf mit Weitblick“ entstand. In den letzten Jahren der Amtszeit kam die Entwicklung neuer Wohnbaubereiche im Dorf dazu.

Die örtlichen Vereine fanden und finden in Kima stets einen Förderer. Ehrenamtlich war der Bürgermeister bis vor kurzem im Vorstand des Höhlen- und Heimatvereins tätig, seit vielen Jahren steht er für den Tischtennisclub aktiv an der Platte und im Tennisclub ebenso aktiv auf dem Platz.

Auf die Frage, was nach 24 Jahren in Hasel und insgesamt 42 Jahren im öffentlichen Dienst bleibt, sagt Kima: „Ich scheide im vollen Frieden aus dem Amt und empfinde durchaus auch ein klein wenig Genugtuung, unter anderem darüber, dass Hasel als typische struktur- und steuerschwache Gemeinde des ländlichen Raumes finanziell relativ gut dasteht und es bislang fast immer schafft, den Ergebnishaushalt auszugleichen.“

„Erstmal will ich ein Jahr nichts tun, danach sehe ich weiter“

Und wie blickt der scheidende Bürgermeister in die Zukunft als Pensionär und Privatier? Der zweifache Vater wird in seinem Eigenheim, wo auch noch die Tochter daheim ist, derweil der Sohn aus beruflichen Gründen auswärts lebt, in Hasel wohnen bleiben, weiterhin den Tischtennis- und Tennisschläger schwingen, ansonsten erst einmal nichts tun.

„Nach 42 Jahren Berufsleben mit Sechs-Tage-Wochen einschließlich vieler abendlicher Verpflichtungen wird es mir vielleicht schwer fallen, nichts zu tun über den anvisierten Zeitraum von einem Jahr“, sagt Kima. Danach gebe es viele Möglichkeiten, sich „sinnvoll einzubringen“, etwa im sozialen Bereich. Das wolle er auf sich zukommen lassen.

„Auf jeden Fall freue ich mich auf die Freiheit, tun und lassen zu können, was ich will, frei von beruflich bedingten Zwängen und Belastungen“, so Kima, der noch bis einschließlich 30. Dezember Dienst im Rathaus tut.

Hasel. Neuanfang und Abschied heißt es am Donnerstag, 5. Januar, um 19 Uhr im Hasler Bürgersaal. Dort findet eine Gemeinderatssitzung statt, bei der der neue Bürgermeister Frank-Michael Littwin verpflichtet und vereidigt wird.

Anschließend wird ein Empfang anlässlich der Verabschiedung von Bürgermeister Helmut Kima ausgerichtet. Die Abschiedsrede wird Bürgermeister-Stellvertreter Matthias Feucht halten. Danach folgen Grußworte. Die musikalische Umrahmung liefern Gesang- und Musikverein.

Anschließend findet ein Umtrunk mit „Häppchen“ statt, ausgerichtet von Mitgliedern des Gemeinderats und des Höhlen- und Heimatvereins.

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