Hausen im Wiesental Des einen Freud, des anderen Leid

Hans-Jürgen Hege
Die Gemeinschaftspraxis der Ärzte Julian Lambert und Michael Gürtler in der Mitteldorfstraße 4 in Hausen zieht nach Schopfheim um. Foto: Hans-Jürgen Hege

Der Ärztemangel in Schopfheim wird ein Stück weit behoben. Das ist die erfreuliche, die gute Nachricht. Die schlechte: Hausen ist ab Freitag um eine seit über 40 Jahren bestehende und gut funktionierende ärztliche Praxis ärmer.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim/Hausen. Die Markgrafenstadt kann im Kampf gegen den Ärztemangel punkten: Am 10. Januar kommt in der Roggenbachstraße 58 Leben in die „Bude“. Gleich drei Ärzte und ein etwa zehnköpfiges Team engagierter, motivierter und gut ausgebildeter Helferinnen machen sich im ehemaligen Rietschle-Verwaltungsgebäude daran, den Ärztemangel in Schopfheim zu beheben.

Praxis in Hausen platzte aus den Nähten

In Hausen dagegen trauert nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Bürgermeister Martin Bühler der Gemeinschaftspraxis der Ärzte Julian Lambert (dem Nachfolger des Hausener Urgesteins Manfred Sprich) und Michael Gürtler in der Mitteldorfstraße 4 nach. Bühler hatte alles versucht, die Praxis im Hebeldorf zu halten – vergebens. Um den stets wachsenden Anforderungen an einen zeitgemäßen, modernen Praxisbetrieb gerecht zu werden, musste die Gemeinschaftspraxis, die mit ihren 140 Quadratmetern mehr und mehr aus den Nähten platzte, Nägel mit Köpfen machen. Julian Lambert begann, sich umzusehen. Blicke nach Zell brachten ebenso wenig Ergebnisse wie die Bemühungen von Martin Bühler, neue und größere Räumlichkeiten im Hebeldorf zu finden.

Also begann sich Lambert – der Not gehorchend – in Richtung Schopfheim und Lörrach zu orientieren. Und wurde nach ein paar Abstechern, die ins Leere liefen, fündig. Die Firma Binder & Blum baute in der Roggenbachstraße Blocks und kündigte an, das Rietschle-Verwaltungsgebäude direkt neben dem S6-Halt Schlattholz so umzubauen, dass man – wie Wilfried Blum damals ankündigte – „nicht mehr erkennen werde, was das früher einmal war“.

Damit war die Entscheidung gefallen. Die fiel dem Arzt damals leichter, weil die Kassenärztliche Vereinigung in jener Zeit Zuschüsse für die Ansiedlung von Ärzten in Schopfheim, nicht aber für Praxiserweiterungen oder Neubauten in Zell in Aussicht stellte. Dass sich das zwei Jahre später als Windei entpuppte, traf Julian Lambert hart. Aber für eine Kehrtwende war es zu spät. Die Würfel waren gefallen und er musste wohl oder übel in die Privatschatulle greifen, um sich einen Traum erfüllen zu können. Es galt, für ihn, seine beiden Kollegen und nicht zuletzt für sein recht großes Team von Helferinnen und Auszubildenden zeitgemäße, moderne Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig den Patienten im Einzugsgebiet zwischen Bad Säckingen, dem Kleinen Wiesental, Maulburg, Steinen, Lörrach, Hausen, Zell und dem Zeller Bergland umfassende Behandlungs- und Betreuungsmethoden versprechen zu können.

Das hat wunderbar geklappt. „Alles in unserer nun 280 Quadratmeter großen Praxis ist neu. Medizinische Geräte, EDV und alle anderen Einrichtungen wurden komplett ersetzt“, sagt Julian Lambert. Geblieben sei lediglich die Telefonnummer, unter der die Praxis bisher schon erreichbar war. Die Webseite allerdings ist künftig (spätestens ab 10. Januar) über die Adresse www.aerzte-in-schopfheim.de zu erreichen. Die bisherige Adresse www.aerzte-in-hausen.de wird es dann nicht mehr geben.

„Hausen verlassen wir natürlich schweren Herzens“, bekennt Julian Lambert, dem das Dorf und die Bevölkerung „sehr ans Herz gewachsen“ sei, nachdem er Manfred Sprichs Nachfolge angetreten hatte. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Michael Gürtler, dessen Verbundenheit zum Hebeldorf allein dadurch schon zum Ausdruck kommt, dass er sich 13 Jahre lang auch außerhalb seiner Praxis als Gemeinderat ehrenamtlich für die Bevölkerung einsetzte.

Nicht zuletzt deshalb werde das Praxisteam Patienten, die ihr Zuhause krankheitsbedingt nicht mehr verlassen können, auch weiterhin betreuen. Und auch die Impftermine finden nach wie vor statt.

„Wir lassen garantiert niemanden im Stich“

„Wir lassen garantiert niemanden im Stich“, verspricht Julian Lambert. Schließlich habe für ihn, für seinen Partner Michael Gürtler und seine Mitstreiter das Wort „Hausarzt“ auch künftig eine ganz große Bedeutung, betonte Lambert und wies gleichzeitig darauf hin, dass er momentan nicht nur weitere Mitarbeiterinnen suche, sondern dass es in seiner Praxis, in der auch ausgebildet wird, keinen Aufnahmestopp geben werde. Im Gegenteil. „Wir werden weiter bemüht sein, keinen – auch keine neuen – Patienten abzuweisen“, verspricht der Arzt, der trotz des Trennungsschmerzes von einem Dorf, in dem die Praxis seit über 40 Jahren verlässlicher Ansprechpartner unzähliger Patienten war, dem Aufbruch zu neuen Ufern gespannt entgegenfiebert und sich auf die Herausforderungen in einer neuen Umgebung freut.

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