Hausen im Wiesental Hebels Sprache ins Heute „beamen“

Markgräfler Tagblatt, 15.07.2014 23:00 Uhr

Hausen (hjh). Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Phase geht das ehrgeizige Modellprojekt „Lernort Hebelhaus Hausen“ übergangslos weiter in die nächste Runde. Für die Hebelstiftung, ihren Präsidenten Bürgermeister Martin Bühler und den Projektschirmherrn Thomas Schmidt als Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg war das Grund genug, kurz innezuhalten und ein Fazit der bisherigen Arbeit zu ziehen.

„Wir haben die seltene Möglichkeit geboten bekommen, das Projekt mit finanzieller Unterstützung aus Fördermitteln fortsetzen zu dürfen“, betonte Martin Bühler im Rahmen einer kurzen Präsentation von Projektzielen und Inhalten am Montag. Das Modellprojekt wurde und wird vom Land, dem Landkreis und der Arbeitsgemeinschaft des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (ALG) seit März 2013 großzügig unterstützt.

Damit ist nicht zuletzt das weitere Engagement der Projektleiterin vor Ort, Heike Kramer, gesichert. „Frau Locke und Herr Spazierstock“, die Stimmen aus dem „Media-Guide“ des Museums, dürfen Lehramtsanwärtern, Studenten der PH und Schülern der Grundschulen auch künftig helfen, als Teil des Unterrichtsplanes an außerschulischen Lernorten wie dem im Zentrum Hausens „wichtige Begriffe und Themen aus dem Hebelhaus spielerisch zu beschreiben und zu erraten“.

Es sei schwer, im Zeitalter des Medienwandels Literatur in den Köpfen der Schüler und Lehrer zu etablieren und damit die Basis für Experimente zu schaffen, sagte Thomas Schmidt bei einem Informationsgespräch. Das kleine Häuschen, in dem Johann Peter Hebel einen Großteil seiner Jugendjahre verbracht hat, biete sich nach Meinung aller Beteiligten nicht nur dazu an, von Grundschülern der Klassen drei und vier „spielerisch entdeckt“ zu werden. Die Eleven der Sekundarstufen (Klassen 6 bis 8) sollen bei Durchsicht von Briefen, Gedichten und Kalendergeschichten „drei Textgattungen erleben und verstehen“. Und der Sekundarstufe II bleibt vorbehalten, „Hebels alemannische Sprachkunst“ ins Heute zu „beamen“ und dabei nach Möglichkeit „eigene Formate zu erschaffen.“

Folge der lebendigen Gestaltung des Fachs Deutsch sei unter anderem, „die Vielfalt der Sprache und Literatur zu entdecken, sich selbst als Sprachkünstler auszuprobieren und zu präsentieren“. Im Idealfall, so glauben die Projektverantwortlichen, die ähnliche Projekte im ganzen Land betreuen und in diese Betreuung die rund 100 Literaturausstellungen Baden-Württembergs mit einbeziehen, erlebe sich der Nachwuchs „dreimal in der Schullaufbahn als Hebel’sche Sprachkünstler“ und sammeln dabei Vorerfahrungen, auf denen aufgebaut werden könne.

Alle genannten Argumente sollen schließlich helfen, Inhalt und Ziel des Projektes zu verstehen, das nun fortgeführt wird. „Das Hebelhaus soll durch seine regionale identitätsstiftende Wirkung und die Vermittlung der Literatur als bedeutende Kulturpraktik für die Schulen Südbadens und der Nordwestschweiz sowie für die Lehreraus- und -fortbildung attraktiv nutzbar werden“, betont Heike Kramer, die unter tatkräftiger Mithilfe von Bildungspartnern „innovative museumspädagogische Module für alle Schulstufen verschiedener Schularten“ entwickeln will und verspricht: „Im Sinne der Marke Hebelhaus sowie hinsichtlich des Modellcharakters, dem Anspruch, für andere Literaturmuseen und Kultureinrichtungen im Land Erfahrungswerte zu schaffen, wird das Lernfeld Hebelhaus erprobt, evaluiert und dokumentiert.“

Dass an den hehren Zielen „sehr viele Leute mitarbeiten“, begeisterte Martin Bühler. Allein das schon sei Basis für den großen Erfolg des Projekts im Hebelhaus. Und es zeige eindrucksvoll „das gut funktionierende Zusammenwirken“ aller Organisationen im Land.