Hausen im Wiesental Texte mit hintergründigem Humor

Frank Dietsche ist auch mit 80 Jahren noch ein hervorragender Sänger. Foto: Gudrun Gehr Foto: Markgräfler Tagblatt

Frank Dietsche, „Markgräfler Urgestein“, Ikone der alemannischen Liedermacherkunst und bekennender Hebel-Freund, besuchte am Donnerstag die Muettersproch-Gsellschaft in Hausen.

Von Gudrun Gehr

Hausen. Der 80-jährige „alemannische Barde hatte wieder ein Füllhorn von Liedern, Geschichten und Gedichten dabei, und zog seine Zuhörer gleich in seinen Bann.

Der in Obereggenen wohnhafte Dietsche war Lehrer und Chorleiter in Sitzenkirch und Tannenkirch. Er berichtete über den gleichzeitigen Unterricht mehrerer Klassen im Dorfschulsaal, wo noch alemannisch gesprochen und Gedichte auswendig gelernt wurden. „Das Alemannische lernen die Kinder schnell“, sagt Dietsche. Leider würden die Kinder heute nur noch hochdeutsch unterrichtet.

Als er noch Lehrer war, sprach er mit seinen Schülern oft das vertraute Alemannisch. Die Kinder hätten damals den Dialekt als behütend empfunden, viele Kinder lernten auch heute noch alemannische Gedichte auswendig.

Die Jahre konnten Dietsche nichts anhaben: Seine Kreativität, das Spiel auf seiner Gitarre, seine Stimme, sein Vortrag, sein Witz, sind ungebrochen. Durch den kurzweiligen Abend spannte er augenzwinkernd einen roten Faden von Lebensweisheiten, die er einer Frauenzeitschrift entnommen hatte.

Seine Texte sind lyrisch, berührend und besinnlich, aber auch mit hintergründigem Humor und weckten vor allen Dingen Wehmut an die alten Zeiten, die manchmal eben doch besser waren. Seine Texte regen zum Nachdenken an, ob man wirklich die Welt bereist haben muss, um ein sinnvolles und anständiges Leben zu führen. Passend hierzu ist sein bekanntes Lied „Honolulu-Sansibar“. Weiter ging es zum bezaubernden, herzerwärmenden „S’Sternli vom Stern“.

Den Reigen seiner alemannischen Lieder spannte er über seine Klassiker „S’Wäldermaidli“, einer literarische Beschreibung der hübschen Mädchen aus Vogelbach. Die begeisterten Zuhörer wurden von ihm eingeladen, die offenbar schon längst bekannten Refrains seiner Lieder lautstark mitzusingen. Er nahm die Gäste mit auf die musikalische Reise des früheren Lebens in heimelige Dorfgaststuben, von Vogelbach über Sitzenkirch, zum Stammtisch im „Chrumme Balke“ in Schillighof und zum „Ochsen“ nach Ötlingen. Beim Vortrag seines Liedes „Zwiebelewaie“, basierend auf Großmutters Rezept aus dem „Pflug“ in Holzen, lief den Gästen das Wasser im Mund zusammen.

Gerne zitierte Frank Dietsche auch seinen früh verstorbenen Dichterfreund Manfred Marquardt aus Lörrach und präsentierte mehrere Lieder und Geschichten aus dessen Feder, über den „Hirtenjungen“ oder die beschauliche Bauernhausidylle „Das alti Hotzehuus“.

Mitgesungen wurde beim romantischen „S’Bammerthüsli“ und dem Lied vom aufrechten „Hans vo Wiil“. Unterhaltsam beschrieb er seinen Briefwechsel mit einem weiblichen Fan oder auch von dem ersten Versuch, ein Mädchen für sich zu gewinnen und dieses ohne Wissen der Mutter an ihrem Arbeitsplatz in Basel abzuholen. Fehlen durften im Liedreigen auch nicht die Klassiker „I träum e Traum“, oder das humorvolle „Schittli spalte“.

Dietsche garnierte seine musikalischen Vorträge auch mit Gedichten von Johann Peter Hebel, wie „Der Knabe im Erdbeerschlag“.

Nach beachtlichen zwei Stunden Vortrag verabschiedete sich Frank Dietsche mit Auszügen aus Hebels Gedicht „Der Wegweiser“ und gab den Gästen hieraus einen „guten Rat“ mit auf den Weg:

„Und wenn de amme Chrützweg stohsch, und nümme weisch, wo’s ane goht, halt still, und frog di Gwisse z’erst, ’s cha dütsch, Gottlob, und folg si’m Roth!“.

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