Hausen im Wiesental Vorbild für Hebels „Schatzkästlein“?

Ines Bode
Johann Peter Hebel erwarb zu Lebzeiten zwei Bände der antiken Literatur. Haben sie seine bis heute gelesenen Schriften geprägt? Foto: Ines Bode

Der Essay ist sprachlich-stilistisch sehr beliebt, findet sich täglich in Publikationen aller Art und wird hierzulande jedes Jahr mit zahlreichen Preisen gewürdigt – ein bedeutender erst kürzlich. Als früher wie spannender Vorläufer lässt sich das Werk „Attische Nächte“ werten, zwei Bände aus der Zeit der antiken Literaturlandschaft, mit dem sich der Hausener Elmar Vogt auseinandergesetzt hat.

Von Ines Bode

Hausen. Erschienen ist Vogts Aufsatz im jüngsten Geschichtsband „Das Markgräflerland“. Der Hausener stieß auf die „Noctes Atticae“, so der lateinische Originaltitel, beim Stöbern im Verzeichnis von Hebels privater Bibliothek. Sie umfasste 560 Bücher und führte bei Sprachpflegern zur reizvollen Frage, warum Hebel, der von 1760 bis 1826 lebte, die antiken Bände auswählte, die im zweiten Jahrhundert nach Christus erschienen. Eine Frage übrigens, mit der Vogt nicht allein ist.

1990 resümierte Gertrud Staffhorst (Karlsruhe), es lasse sich nicht leugnen, dass Hebel und Aulus Gellius als Verfasser der „Attischen Nächte“ verwandte Geister waren. Gemeinsam sei ihnen ein pädagogisches Anliegen. „Wie Gellius die Niederschrift seiner Textfunde der Erziehung seiner Kinder widmete, so dachte Hebel an die Aufklärung der Landbevölkerung.“

Elmar Vogt ging indes der Frage nach, ob es hinsichtlich Stils und Inhalts eine Art Vorbild für Hebels „Schatzkästlein“ bildete. Sein Fazit, glaubhaft erörtert, zeigt mehrere Parallelen auf und ist nachzulesen. Festhalten lässt sich zudem, dass im Aufsatz der sprachliche Aspekt an sich beleuchtet wird, Feinheiten geschildert werden. Etwa, dass attisch ein Dialekt des Altgriechischen sei, in Attika, der Region um Athen, gesprochen.

Hier studierte Aulus Gellius, der wohl von 130 bis 180 zumeist in Rom lebte. Sein Werk basiert auf einer Stichwortsammlung aus zwanzig Notizbüchern, besteht aus etwa 400 meist kurzen Kapiteln. Bedient werden viele Stilrichtungen, weshalb die „Attischen Nächte“ als Paradebeispiel der sogenannten Buntschriftstellerei respektive der Miszellenliteratur (Kurztexte beliebigen Inhalts) gelten - der Essay eben.

Geboten sind philosophische Essays, naturwissenschaftliche Abhandlungen, historische und fantastische Erzählungen sowie autobiografische Anekdoten. „Scheinbar mühelos wechselt Gellius zwischen ironisch-leichtem Ton und wissenschaftlicher Strenge, registriert mal prosaisch kühl, um dann wieder wild zu fabulieren“, so Vogt. Alles zusammen „eröffnet einen unschätzbar reichen und tiefen Einblick in die Welt der Spätantike“.

So seien die „Attischen Nächte“ nicht weniger als eine Enzyklopädie des antiken Wissens der verwandten Kulturkreise Griechenlands und Roms. Sie birgt alles, was der gebildete Römer seinerzeit wissen musste, so Vogt. Gellius‘ Kindern dienten sie erzieherisch, Klein wie Groß sollte zum Nachdenken angeregt werden, so ein Ansatz.

Vogts Aufsatz enthält darüber hinaus einiges, was der gebildete Markgräfler heute wissen könnte – launig formuliert. Untergliedert in fünf Texte ist über Hebel zu erfahren, was es mit dem Faible für Latein auf sich hat, warum er sich nicht als Autor sah, und vieles mehr – insgesamt eine aufschlussreiche Lektüre für lange Winternächte.

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