Inzlingen (rom). „Überwältigt“ zeigte sich Künstler Max Meinrad Geiger vom Andrang in seinem Atelier zum „Kunstgottesdienst“ mit Pfarrer Tobias Walkling. Den anfangs neun bereitgestellten Stühlen folgten etliche weitere, so dass zum Gottesdienstbeginn alle Sitzgelegenheiten vergriffen waren. Einige Besucher verfolgten den Gottesdienst schließlich durch die offene Tür.

Neben Gläubigen aus dem Dorf waren auch Gäste von außerhalb gekommen, die sich für den ausgefallenen Gottesdienstort interessierten. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“, zitierte eine Lörracherin ein neugeistliches Kirchenlied und begrüßte damit den unüblichen Raum für einen Sonntagsgottesdienst.

Inspiriert wurden die beiden Inzlinger Akteure zu diesem Gottesdienst durch ihr erstes Aufeinandertreffen. „Da wusste ich noch nicht, wer der Mann ist“, schilderte Max Meinrad Geiger die Begegnung: „Er schaute sich bedächtig meine lebendige Installation im Garten an und ich fragte ihn, was er darin sieht.“ Walklings Antwort passte dann auch zur Passionsgeschichte Jesu: „Ich erkenne es nicht, aber ich spüre: Da ist Energie drin.“

Die Analogien von Religion und Kunst beschäftigen beide in ihrem Austausch des Öfteren. So sei beiden gemein, dass sie versuchen, das Leben in seiner Unbegreiflichkeit zu begreifen und darzustellen. „Nachdem die Kirche seit jeher der Kunst einen Platz einräumte, ist es nun Zeit gewesen, den umgekehrten Weg zu gehen“, bekannte Pfarrer Walkling zu Beginn des Gottesdienstes im Atelier.

Das Thema „Licht und Schatten“ griff der Geistliche immer wieder auf. Für Künstler Geiger ist dieses ein zentrales Thema seines Schaffens. Es sei kurzzeitig und nicht greifbar.

Nach der Einleitung, Lesung und Psalmen konnten die Besucher beim Rundgang im Atelier verschiedene Kunstwerke, häufig als Fotos, zum Thema betrachten. In seiner Predigt trug Pfarrer Walkling eine Geschichte vor von einem Mann, der seinen Schatten eintauschte und fortan gemieden wurde. „Licht und Schatten gehören zusammen“, erläuterte er. Obwohl sich jeder am Liebsten nur von der Sonnenseite präsentiere, habe auch jeder eine Schattenseite: „Menschen ohne sichtbaren Schatten machen uns daher Angst“, sagte Walkling. Im Sinne der christlichen Nächstenliebe erinnerte er daran, dass dennoch niemand nur ein Schattenwesen sei. Zum Abschluss trug er ein Gedicht von Jürgen Werth vor mit den passenden Anfangszeilen: „Leben ohne Schatten ist Leben ohne Sonne, Wer nie im Dunkeln saß, beachtet kaum das Licht.“