Inzlingen Mit Motoröl und Ersatzteilen nach Nepal

Tim Nagengast
Große Freude herrschte bei der Übergabe von Arbeitsmaterial an eine Schneiderin. Foto: zVg

Klaus und Annette Bender vom Verein „Nepal-Inzlingen – Hilfe für Kinder“ freuen sich, wie die Spendengelder benachteiligten Menschen in dem Himalaja-Staat helfen. Zudem feilt das Ehepaar an einer Route, um sein Auto aus Kathmandu zurückzuholen.

Seit ziemlich genau 13 Monaten steht das Auto des sozial stark engagierten Inzlinger Ehepaars nun schon in einer Garage bei Freunden in der nepalesischen Hauptstadt. Genau 18 474 Kilometer waren der Biologe und seine Frau gefahren. Vom Waieland bis nach Kathmandu – und das ganz ohne Panne. Fünf Monate lang dauerte der Roadtrip der Benders, an dessen Ende sie nach den Hilfsprojekten schauten, die der Verein „Nepal-Inzlingen – Hilfe für Kinder“ gemeinsam mit weiteren Partnern unterstützt. Klaus Bender ist Vorsitzender des Vereins.

Heimfahrt wird schwierig

Der übernachtungstauglich ausgebaute Seat Alhambra mit LÖ-Kennzeichen wartet nun auf seine Rückfahrt nach Inzlingen. Doch angesichts der neuen politischen Großwetterlage im Nahen Osten wird die Strecke wohl weit weniger über Land führen können, wie noch bei der Hinfahrt im vorvergangenen Sommer. Wie sehr die Situation sich in Ländern wie Irak oder Iran zugespitzt habe, sei „einfach nur schlimm“, sagt Klaus Bender. Entsprechend feilt er mit seiner Frau einer alternativen Rückfahrroute.

Das Inzlinger Ehepaar will im kommenden Jahr nach Nepal fliegen, schauen, was aus den vom Verein geförderten Hilfsprojekten geworden ist, Freunde besuchen und mit dem Auto von Nepal nach Indien fahren: „In Mumbai schiffen wir das Auto dann wohl bis nach Istanbul ein.“ Alles andere wäre wohl zu gefährlich. Das Auto der Benders wird dann eine Schiffsreise durch den Golf von Aden und den Suezkanal bis zum Bosporus antreten, wenn alles wie vorgesehen klappt.

„Total optimistisch“

Vor dem Abflug müssen Annette und Klaus Bender aber eine spezielle Reisetasche packen, gefüllt unter anderem mit ein paar Ersatzteilen und Motoröl. „Denn das Auto springt einfach nicht mehr an“, hat Klaus Bender von den Freunden in Kathmandu erfahren. Seine Hoffnung ruht nun auf der örtlichen VW-Werkstatt („So eine gibt es da tatsächlich.“) und dass diese mit den Mitbringseln aus Deutschland und dem eigenen Können den Seat Alhambra wieder zum Laufen bringen wird. „Ich bin da aber total optimistisch“, sagt Bender voller Vorfreude.

Denn bisher habe ja immer alles geklappt. Und auch die Arbeit des Vereins „Nepal-Inzlingen“ trägt nach Angaben seines Vorsitzenden dank etlicher Partner, Organisationen, Gewährsleuten und Kontakten sowie in der Heimat gesammelten Spenden (siehe Infokasten) reiche Frucht.

Dorfentwicklungsprojekt

Unter anderem ist ein Nepal-Hilfsprojekt zur Dorfentwicklung inzwischen abgeschlossen. Dieses Projekt zur Förderung traditioneller Berufsgruppen und zum Ausbau sanitärer Einrichtungen in vier bedürftigen Dalit-Dörfern im Distrikt Dhading ist von Erfolg gekrönt. „Es sind einige erfreuliche Verbesserungen der Lebenssituation der Dorfbewohner erreicht worden“, berichtet Klaus Bender.

Hilfe für Benachteiligte

Die vier Zielgruppen in den Dörfern Damaichap, Tamaichap, Dadapari und Khajuriswyuara der Netrawati Dabjong Rural Municipality seien benachteiligt, weil die Dorfbevölkerung zu der niedrigsten Kaste der Dalits und zu indigen Gruppen gehöre, die in Nepal immer noch diskriminiert würden.

Dieses aufwendige Projekt beinhaltete Gesundheits- und Hygieneschulungen, die Verteilung von Gesundheits-Sets, die Verbesserung respektive erstmalige Erstellung von 76 Toiletten, den Bau eines Wasserreservoirs und die Förderung von verschiedenen Berufsgruppen mit Material, Know-how (Musiker, Schneider, Schmiede, Unterstützung landwirtschaftlich tätiger Familien). Begleitend wurden Gesundheitsüberprüfungen und medizinische Umfragen zu Beginn und nach dem Projekt vorgenommen. Entsprechende Auswertungen seien sehr ermutigend, wie Bender anhand der Auswertung der Umfragen belegen kann. Es gehe darum, den Menschen dort ein selbständiges Leben in Würde zu ermöglichen, umreißt Bender das Ziel des Hilfsprojekts.

Hilfe, die direkt wirkt

Dieses Projekt wurde von den Schmitz-Stiftungen, der nepalesischen Gemeinde und dem Verein „Nepal-Inzlingen“ finanziert. Dem Vorsitzenden zufolge konnte der Verein aus dem Waieland zu den Gesamtprojektkosten von etwa 66 000 Euro gesammelte Spenden von 6600 Euro beisteuern.

Ein Beispiel für die Wirksamkeit der Vereinsarbeit hat der Biologe aus Inzlingen parat: Eine Frau namens Sapana Pariyia betreibt dank der Projekthilfe inzwischen Hühnerzucht. Das daraus resultierende Einkommen ermögliche es ihr, die bisherige Arbeit außerhalb ihres Haushaltes aufzugeben. Sie können nun ihre drei Kinder angemessen betreuen, sich der Hühnerzucht widmen, damit die Familie ernähren und für die Basisgesundheitskosten sorgen. Kleine Beträge des Ehemanns, der in Indien arbeitet, tragen ebenfalls zum Unterhalt der Familie bei. „Sapanas Familie ist sehr glücklich über die neue Situation, und sie arbeitet sehr hart daran, die Hühnerzucht zu erweitern“, sagt Bender. Da das Projekt so erfolgreich sei, plane die nepalesische Administration, ähnliche Projekte in anderen Dörfern ihres Gemeindegebietes umzusetzen. „Für uns ist das ein riesiger Erfolg. Wir sehen, wie die Spenden direkt bei den Menschen wirken.“

Kontakt & Spenden

Spendenkonto:
 Verein Nepal-Inzlingen, Sparkasse Lörrach-RheinfeldenIBAN: DE34 6835 0048 0001 0867 43, BIC: SKLODE66XXX

Kontakt:
 Klaus Bender, Tel. 0173/6 71 11 48

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