Kandern 180 Bändel und ein Bad im Brunnen

Kandern - Ohne Frage wird das diesjährige ökumenische Gemeindefest lange in Erinnerung bleiben. Denn am Sonntag wurde ein neues Kapitel verfasst – mit der Überschrift: „Weißt du noch, als unser Pfarrer im Brunnen am Marktplatz baden ging?“.

Es war das fünfte Sommerfest, das die evangelische mit der katholischen Gemeinde organisierte, abgehalten auf dem lauschigen Areal der evangelischen Stadtkirche. Wie gewohnt waren spätestens zur Mittagsstunde sämtliche Platzreihen voll besetzt. Man ließ sich das gute Essen munden, etwa Knuspriges vom Grill, bereichert mit frischer Kost von der Salattheke.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste, war, dass Pfarrer Christian Mack noch ein öffentliches Bad nehmen würde. Nicht ganz unschuldig an der Geschichte war sein neuer Amtskollege Martin Karl. Der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Kandern-Istein bekam Wind von der Idee der Jugenddiakonin Eva-Maria Glück, mit den Konfis während des Festverlaufs 180 Wollbändel zu flechten, und diese um 16 Uhr zu präsentieren. Denn die neuen Gesangbücher, 60 an der Zahl, besitzen kein Lesezeichen, was sich als hinderlich erwies. Drei Bändel pro Buch galt es anzufertigen.

„Das schafft ihr nie“, meinte Pfarrer Mack mit forscher Zunge. „Und wenn doch, springe ich in den Brunnen.“ Mehr Vertrauen in die evangelische Jugend hatte der Katholik Martin Karl. Er war sich sicher: „Das schafft ihr“, um dann auch gleich aktiv am Basteltisch Platz zu nehmen. Es kam, wie es kommen musste: Punkt 14 Uhr waren in 56 Gesangbüchern schon je drei Lesezeichen verankert. Den Rest schaffen wir locker, strahlten die Mädchen und Buben.

Konfirmanden bestücken Gesangbücher mit Bändeln

Dann gab’s nur noch ein Thema: Alle freuten sich auf das Spektakel im benachbarten Wasserspender. Darunter Pfarrersgattin Rebecca Mack, die ihr Handy wegen der unvergesslichen Bilder in Stellung brachte. Auch Pfarrer Mack nahm das außergewöhnliche Ereignis mit heiterer Miene und gönnte den vielen Schaulustigen in klitschnassem Aufzug ihren Spaß. „Ich habe zum Untergang meines Amtsbruders beigetragen“, scherzte derweil Martin Karl.

Ungeachtet dessen zollte der evangelische Geistliche dem neuen Mitstreiter Anerkennung: Karl hatte nämlich angeboten, die Predigt zu halten. Für die festliche Umrahmung sorgte der ökumenische Kirchenchor um Dieter Hilpert. Im Beisein beider Priester ging zudem die Taufe zweier Büblein vonstatten.

„Nicht selbstverständlich ist das gute Miteinander beider Konfessionen“, bemerkte Karl, der gerade seinen 60. Geburtstag beging und folglich auf viel Erfahrung zurückblickt. In Kandern traf er in dieser Beziehung auf „eine schöne Tradition“.

Ähnlich harmonisch ging es in den Reihen der vielen Helfer zu, die für den bewährten Ablauf sorgten. An der Kuchentheke wirkt seit langem ein echtes ökumenisches Duo, „die Gisela und die Elli“, die als eines der eingespielten Teams ihre Schicht meisterten. Gut beschäftigt war auch das „Konfi“-Duo Tom und Jakob am Waffelstand. Maximilian schob derweil Dienst an der Spülstation, hantierte beflissen mit benutzen Tellern und befand: „Ach, es ist eigentlich ganz cool.“

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