Kandern Corona-Marsch von Pjotr Tschaikowski als Zugabe

Das „Duo Presto“ in der Stadtkirche KandernFoto: zVg Foto: Weiler Zeitung

Kandern. Ein Experiment, aber ein gelungenes – so lassen sich die Reaktionen von Veranstaltern und Konzertbesuchern auf das erste Kanderner Kirchenkonzert seit Februar zusammenfassen. Das „Duo Presto“ aus Leipzig hatte einen Konzertauftritt auch unter Corona-Bedingungen angeboten. Und mit gut 70 Zuhörern konnte man die Kirche in Anbetracht der Umstände beinahe als voll besetzt bezeichnen.

Alexander Pfeifer an der Trompete und Frank Zimpel an der Orgel hatten einen bunten musikalischen Strauß aus vier Jahrhunderten gebunden. Die fröhliche Fanfare aus der „Symphonie du Te deum“ des seinerzeit sehr populären französischen Kirchenmusikers Michel-Richard de Lalande (1657 bis 1726) beendete standesgemäß die lange Konzertpause in der Stadtkirche nach über einem halben Jahr.

Bei der g-Moll-Sonate von Pavel Josef Vejvanovsky (1640 bis 1695) mit ihren zahlreichen Tempiwechseln und virtuosen Trillerpassagen zeigte sich Trompeter Alexander Pfeifer als Meister seines Fachs, während die Orgel als anspruchsvolle Begleitung gefordert war.

Dass die Kanderner Merklin-Orgel nicht nur als Begleitinstrument, sondern auch solistisch keinen Vergleich scheuen muss, wurde bei Johann Sebastian Bachs monumentaler Passacaglia und Fuge in c-Moll (BWV 582) deutlich. Organist Frank Zimpel gab mit dem 14-minütigen Werk einen umfassenden Einblick in alle vorhandenen Klangfarben des Instruments, der zugleich hörbar durchblicken ließ, wie sich das süddeutsch-spätbarocke Klangideal der Kanderner Orgel von den mitteldeutschen Bachorgeln unterscheidet.

Die ruhig-beruhigende Bearbeitung eines unbekannten barocken Meisters über den Choral „Es ist das Heil uns kommen her“ erinnerte die Zuhörer auf musikalische Weise an die Begrenztheit menschlichen Handelns – in einer Kirche eine passende musikalische Botschaft.

Im Jubiläumsjahr durfte auch Ludwig van Beethoven nicht fehlen, dessen glanzvolle Bearbeitung von „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ für Trompete einen gesungenen Text nicht vermissen ließ.

Wie die Pariser Salonmusik des 19. Jahrhundert auch von der Orgel partizipiert wurde, führte Zimpel anschließend solistisch am „Boléro de Concert“ von Louis James Lefébure-Wely vor, begleitet von Pfeifer an Kastagnetten. Mit Oskar Lindbergs „Gammal Fäbodpsalm“ wurde mit leisen, besinnliche Tönen das 20. Jahrhundert erreicht, dessen spätromantischen Charakter die Orgel mit ihren zarten Registern passend unterstrich.

Mit Philipp Glass und George Gershwin kamen zum Abschluss zwei auf ihre Weise prägende Komponisten des 20. Jahrhunderts zu Gehör. Die Bearbeitung des neoimpressionistischen String Quartets No. 3 „Mishima“ von Glass bot dabei sicher das ungewöhnlichere Arrangement.

Gershwins virtuos improvisierte bekannte „Summertime“ ging indes über eine reine Bearbeitung hinaus und schlug zudem einen kleinen Bogen zu Bach zurück, den viele Zuhörer mit Schmunzeln wahrnahmen.

Als Zugabe zog das „Duo Presto“ aus aktuellem Anlass den Corona-Marsch von Pjotr Tschaikowski aus dem Köcher, der die ohnehin mehr als begeisterten Zuhörer beschwingt in den Abend entließ.

So zeigte das Konzert zweierlei: Das individuelle menschliche Bedürfnis nach kulturellen Veranstaltungen ist groß, ungeachtet aller Diskussionen um Systemrelevanz von Kulturschaffenden. Und: Die Stadtkirche St. Clemens ist mit ihrer guten Akustik und ihrer vielseitigen Orgel als Konzertraum ein echtes kulturelles Aushängeschild für Kandern, auch in Corona-Zeiten.

 Das nächste Kanderner Kirchenkonzert findet schon am Samstag, 17. Oktober, mit dem „Sonos-Quartett“ aus Basel statt.

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