Kandern Den Wald nicht überstrapazieren

Der Gemeinderat hat die Forsteinrichtungserneuerung für die Jahre 2019 bis 2028 beschlossen. Foto: Alexandra Günzschel

Kandern - Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Montag die Forsteinrichtung für die Jahre 2019 bis 2028 beschlossen. Sie bildet die Grundlage für die Bewirtschaftung des Kanderner Kommunalwalds in den kommenden zehn Jahren. Über Einzelheiten informierte Forsteinrichter Andreas Sippel vom Regierungspräsidium Freiburg.

Vor der Sitzung, die diesmal in Holzen stattfand, hatte eine Waldbegehung mit Sippel stattgefunden, so dass der Gemeinderat bereits gut informiert war. Der Waldexperte zeigte sich in der Sitzung sehr angetan vom Zustand in Kandern: „Es war eine Freude, in Ihrem Wald unterwegs zu sein“, sagte er und lobte besonders die Vielfalt.

Weiter fortgesetzt werden soll die Arrondierung des Gemeindewalds durch Zu- und Abverkäufe mit dem Ziel, größere zusammenhängende Flächen zu erhalten.

Wegen einer starken Nutzung in den älteren Beständen in den vergangenen Jahren sprach sich Sippel dafür aus, erst einmal langsamer vorzugehen. Es wurde weniger Fläche als Wirtschaftswald und neu eine Fläche als Nichtwirtschaftswald ausgewiesen.

Der Rückgang des Fichtenbestands in der vergangenen Dekade um zwei Prozent auf jetzt sechs Prozent des Waldbestands sei gewollt, erklärte Sippel. Stattdessen habe man mehr Douglasien gepflanzt. Der Anteil dieser wärmebeständigeren Baumart liegt mittlerweile bei zehn Prozent. Insgesamt besteht der Kanderner Wald nur zu 26 Prozent aus Nadelbäumen.

Unter den Laubbäumen liegt die Rotbuche vorn. Sie macht fast die Hälfte des Bestands aus. Sippel bezeichnete die Buchenwälder als besonders schützenswert.

An jungem Wald sei in etwa gleich viel nachgewachsen wie schon vor zehn Jahren, führte Sippel weiter aus. Zugenommen hat der Laubholzanteil. Dies ist offenbar auch ein Grund dafür, warum der Kanderner Wald beim Borkenkäferbefall sehr gut weggekommen ist.

Borkenkäferbefall hält sich in Grenzen

Es gebe nur wenige der dafür anfälligen Fichten und Lärchen, die zudem in Mischbeständen wachsen würden, erklärte Sippel. Erfreulich gering sei mit vier Prozent auch der Anteil an einer so genannten zufälligen Nutzung – also Holz, das durch Schäden oder Sturm anfällt. Lobend erwähnte Sippel die getätigten Neubepflanzungen – insgesamt rund 35 000 Stück.

„Wir wollen den Wald nicht überstrapazieren“, sagte er zum geplanten Hiebsatz von 68 000 Festmetern. Auch sprach er sich für mehrfache, dafür aber weniger brutale Eingriffe aus.

Neu gepflanzt werden sollen auf einer 14 Hektar großen Fläche vor allem Eichen, Kirschbäume und Douglasien. 2,3 Hektar davon werden mit Zäunen geschützt. Geplant sind außerdem Ästungen, um mit dem Holz höhere Erträge zu erzielen. Um die verbissempfindliche Tanne zu schützen, empfahl der Experte Gespräche mit dem Jagdpächter.

Auch vor dem Hintergrund, dass die Bewirtschaftung aufgrund einer neuen Gesetzeslage wohl teurer werden wird (wir berichten noch), fragten sich einige Ratsmitglieder, ob der Gemeindewald in Zukunft überhaupt noch Gewinn abwerfen werde, wie man es in Kandern eigentlich gewohnt war. Dies hängt wohl vor allem von der Entwicklung der Holzpreise ab, die nur schlecht vorherzusehen ist.

Sippel wies aber auch darauf hin, dass der Wald einen Mehrwert an sich in Form von sauberer Luft und sauberem Trinkwasser sowie als schöne Kulisse für Kandern habe. Es sei eigentlich zu kurz gegriffen, dass es nur für das Holz Geld gebe, meinte er deshalb.

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