Kandern Deutschkurse für Frauen vor Ort

Fünf Teilnehmerinnen des Integrationskurses speziell für Frauen in Kandern. Während die Frauen Deutsch lernen, werden ihre Kinder nebenan von Tagesmüttern betreut. Foto: Alexandra Günzschel Foto: Weiler Zeitung

Einiges wurde im Bewegung gesetzt, um Frauen mit kleinen Kindern aus Kandern und der Umgebung den Besuch eines Sprachkurses zu ermöglichen. Anfang Januar ging der anerkannte Deutschkurs für Ausländer an den Start. „Überglücklich“ darüber zeigte sich gestern die Integrationsbeauftragte der Stadt und Initiatorin des Projekts, Angela Schellhorn.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Das besondere an dem Konzept: Die Frauen können vor Ort in Kandern die Schulbank drücken, nach einem Jahr die B 1-Prüfung ablegen, die zum Beispiel für den Beginn einer Ausbildung wichtig ist, und derweil ihre Kinder, auch Säuglinge, im selben Gebäude, ein paar Türen weiter, betreuen lassen.

Vorher mussten Mütter einen solchen Integrationskurs in Weil am Rhein oder Lörrach besuchen, was oft nicht möglich war, weil sie nicht früh genug zurückgewesen wären, um ihre Kinder im Kindergarten abzuholen.

Doch der Reihe nach: Dass Bedarf an einem solchen Angebot besteht, weiß Schellhorn spätestens seit sie die motivierten Frauen in einem ehreamtlich engagierten Erstorientierungskurs erlebt hat. Aus der Zeitung wurde sie schließlich auf Fördermöglichkeiten aufmerksam, so dass eine Finanzierung in greifbare Nähe rückte.

Was es dann noch brauchte, war ein Träger für den anerkannten Kurs. Da die VHS Kandern dafür nicht zertifiziert ist, kam die VHS Weil am Rhein ins Spiel. Der Weiler VHS-Leiter Tom Leischner unterstützte das Projekt – ein weiteres Hindernis auf dem Weg war beseitigt.

Die nächste Herausforderung war die Suche nach geeigneten Räumen: Diese fand man schließlich im alten städtischen Kindergarten, wo derzeit nur noch eine Gruppe betreut wird. Im Obergeschoss mit guten Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder ist nun der Deutschkurs für Ausländer untergekommen. Die Stadt stellte die Etage gerne zur Verfügung.

Viele Hindernisse aus dem Weg geräumt

Schließlich wurden viele Gespräche geführt und Anträge gestellt, bis das Kooperationsprojekt am 7. Januar mit „Modul 1“ an den Start gehen konnte. Zwölf Frauen aus Eritrea, Syrien, Iran, Albanien, Rumänien und Tunesien nehmen derzeit teil, vier weitere werden aufgrund ihrer Vorkenntnisse erst später einsteigen. Der Integrationskurs umfasst sechs Sprachmodule zu je hundert Schulstunden, wie Leischner erläutert. Am Ende steht die B 1-Sprachprüfung und als siebtes Modul ein Orientierungskurs zu Politik und Leben in Deutschland mit abschließendem Test.

Der Kurs wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bei Bedarf ganz oder teilweise bezuschusst. Doch es gibt auch Selbstzahler in Kandern. Ein Modul kostet 390 Euro. Schellhorn konnte zur finanziellen Unterstützung der Selbstzahler Sparkasse und Volksbank gewinnen.

Während der Vormittagskurse an vier Tagen in der Woche wechseln sich fünf Frauen mit der Betreuung von derzeit zehn Kindern im Alter von drei Monaten bis drei Jahren ab. Es sind Tagesmütter vom Weiler Familienzentrum Wunderfitz. Auch für sie gibt es eine Pauschale vom BAMF. Des Weiteren wird das Pilotprojekt vom Jobcenter und dem Landratsamt in Lörrach gefördert.

Für die 32-jährige Esmeralda aus Albanien mit zwei kleinen Kindern ist der Kurs eine Chance, sich weiter zu qualifizieren. Sie arbeitet als Nachtwächterin in der Werksiedlung St. Christoph. Erst einmal besser Deutsch lernen will Shadja aus Syrien. Der Kurs gibt der fünffachen Mutter die Chance dazu.

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